„Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln“

Eier und Feder liegen in einer Schale.
Bild: unsplash.com, Kate Remmer

Hoffnungsfest Ostern – Das hat der Theologe Dietrich Bonhoeffer in dunklen Zeiten gesagt. Warum? Weil Ostern Hoffnung macht! An diesem wichtigsten aller christlichen Feste feiern wir: dass Jesus den Tod besiegt hat. Dass er auferstanden ist, von den Toten erweckt wurde, und uns damit Hoffnung gegeben hat – auf ewiges Leben.

Das Osterfest steht damit im krassen Gegensatz zu den 40 vorangegangenen Tagen der Fasten- und Bußzeit. 40 Tage – so lange fastete Jesus in der Wüste, fand sich selbst und Gott, bevor er sich aufmachte, seine Botschaft zu verkünden. 40 Tage für uns heute, um auf etwas zu verzichten und sich dadurch das eigene Leben wieder bewusst zu machen. Um über das eigene Leben nachzudenken – und über Gott.

Sonnenaufgang, Bild: fotolia.de, Matthew Boden
Das Licht bricht durch die Dunkelheit (Bild: fotolia.de, Matthew Boden)

Am Ende der Fastenzeit stehen der Gründonnerstag als Gedenktag von Jesu letztem Abendmahl mit seinen Jüngern und der Karfreitag, der Tag, an dem Jesus gekreuzigt wurde. In der Osternacht, der Nacht von Samstag auf Ostersonntag, wird dann die Auferweckung Jesu von den Toten gefeiert. Deswegen heißt es während der Messe der Osternacht im Exsultet, dem gesungenen Osterlob:

Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht:
„Die Nacht wird hell wie der Tag,
wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“

Der Glanz dieser heiligen Nacht
nimmt den Frevel hinweg,
reinigt von Schuld,
gibt den Sündern die Unschuld,
den Trauernden Freude.
Weit vertreibt sie den Hass,
sie einigt die Herzen
und beugt die Gewalten.

Sie leuchte, bis der Morgenstern erscheint,
jener wahre Morgenstern, der in Ewigkeit nicht untergeht:
dein Sohn, unser Herr Jesus Christus,
der von den Toten erstand,
der den Menschen erstrahlt im österlichen Licht;
der mit dir lebt und herrscht in Ewigkeit.

Pater Franz Richardt, geistlicher Direktor im Haus Ohrbeck, Bild: kirchenbote.de
Pater Franz Richardt, geistlicher Direktor im Haus Ohrbeck (Bild: kirchenbote.de)

Pater Franz Richard, geistlicher Direktor im Haus Ohrbeck, hat sich zum Abschluss der Fastenzeit Gedanken zum Thema Auferstehung gemacht:

„Es ist wie ein Wunder, wenn morgens die Sonne aufgeht und wir wieder aufstehen dürfen. Erst wenn man einmal nicht aufstehen kann, spürt man, wie quälend es ist, liegenbleiben zu müssen. Aufstehen dürfen, sich bewegen können, frei sein, nicht auf fremde Hilfe angewiesen sein – welch eine Gnade, die uns täglich neu geschenkt wird. Denn es ist nicht selbstverständlich, dass uns dieses Geschenk gemacht wird. Wer krank ist, kann ein Lied davon singen.
Die Ahnung dessen, was aufstehen bedeutet, hilft dazu, eine Ahnung davon zu bekommen, was Ostern, das Fest der Auferstehung meint. Denn hier geht es zuvor um ein Liegen, das den Namen Tod trägt. Kein Mensch kann aus eigener Kraft aus dem Tod aufstehen. Aus dem Tod kann man nur von einer äußeren Kraft auferweckt werden, so wie wir aus dem Schlaf aufgeweckt werden.
Das allerdings ist der schier unglaubliche Glaube der Christenheit, dass Jesus von den Toten erweckt wurde. Diesen Glauben haben wir Menschen uns nicht ausgedacht. Dieser Glaube ist ein Geschenk, so wie das Leben Jesu Christi selber, seine Taten und Worte ein Geschenk an diese Welt sind.

Deswegen ist Ostern ein Fest des Jubels, des Dankes, des Singens. Wie die Osterfeuer den Abend erleuchten und wie die Sonne morgens neu mit ihrem hellen Licht aufgeht, so möge dieser Osterglaube an den Auferstandenen in den Herzen der Gläubigen neu aufgehen und Licht in diese Welt bringen.“

Sonnenaufgang am Strand, Bild: iStockphoto.com, adl21
Halleluja – Ostern ist die perfekte Zeit zum Jubeln (Bild: iStockphoto.com, adl21)

Wer dieser Botschaft vertrauen kann, darf Hoffnung haben: für seine Lieben, für die Menschen in den Krisengebieten der Welt – und  für sich selbst. Denn die Hoffnung, so zerbrechlich sie mitunter scheint, kann Kraft geben für eine Liebe, die Berge versetzen kann.

Wer das weiß, wer also Ostern kennt, der kann wirklich nicht verzweifeln. Stattdessen heißt es: sich unbändig freuen, einstimmen in das Halleluja, dass während der Fastenzeit nicht gesungen wurde, jetzt aber wieder in den Kirchen erklingt. „Halleluja“ ist ein hebräisches Wort: „Hallel“ ist der Jubel, „ja“ ist die Kurzform des Gottesnamens „Jahwe“. Halleluja heißt also: „Jubelt über Gott!“. Und das nicht nur an Ostern, sondern auch darüber hinaus, denn diese Zeit bietet so viel Grund zur Freude, dass ein paar Tage dafür nicht ausreichen.

In der Woche nach Ostern wird deswegen besonders intensiv gefeiert – und geschlemmt, denn die Fastenzeit ist nun endgültig vorüber. Die Festwoche schließt mit dem „Weißen Sonntag“. Dieser trägt seinen Namen, weil in der Frühzeit der Kirche die in der Osternacht getauften Neuchristen die ganze Osterwoche hindurch bis zum nächsten Sonntag ihre weißen Taufgewänder trugen.

Aber auch nach dem Weißen Sonntag wird weitergefeiert: sieben mal sieben Tage dauert die Zeit der Freude über Jesu Auferstehung – sie endet erst am 50. Tag, am Pfingstwochenende, das als Gründungsfest der Kirche gefeiert wird. An Pfingsten hat Jesu den Heiliger Geist über seinen Jüngern ausgegossen und sie ausgesandt, um zu verkünden, was er ihnen und allen Menschen nach seiner Auferstehung versprochen hat: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.