Komplett durchfühlen

Konzert
Bild: canva.com

Die Jünger gingen und taten, wie Jesus ihnen aufgetragen hatte. Sie brachten die Eselin und das Fohlen, legten ihre Kleider auf sie und er setzte sich darauf. Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids!  Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe! Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.

Matthäus 21,6-11

Palmsonntag – für mich der Beginn einer ereignisreichen und wunderbaren Woche im Kirchenjahr. Wir feiern heute auf den Straßen – und ein paar Tage später fallen wir vor dem Gekreuzigten auf die Knie. Was für ein Auf und Ab der Gefühle. Jedes Jahr das gleiche Fest, gleicher Ablauf – und doch jedes Jahr irgendwie anders.

Das Bibelfenster

Hier kommentieren jede Woche Menschen aus dem Bistum Osnabrück eine Bibelstelle aus einer der aktuellen Sonntagslesungen – pointiert, modern und vor allem ganz persönlich.

Haben Sie eine Frage? Eine ganz andere Idee zum Thema? Oder möchten das Bibelfenster als kostenlosen Newsletter abonnieren?

Dann schreiben Sie uns!
An bibelfenster@bistum-os.de

Anders, weil ich mit anderen Gefühlen und anderen Lebensumständen auf diese Szene schaue. Ich sehe Jesus auf seinem Esel einreiten – und sofort tauchen Fragen auf: Wo hätte ich dort gestanden? Wäre ich vielleicht sogar hinter Jesus hergelaufen? Wäre ich mittendrin gewesen – oder doch eher am Rand? Wäre ich überhaupt aus dem Haus gegangen oder hätte ich mir das alles nur erzählen lassen?

Jesus reitet ein, die Menschen jubeln, die Stadt bebt. Und in mir breitet sich ein anderes Gefühl aus: Aufregung. Dieses Gefühl kenne ich auch gut von Festivals: mittendrin, umgeben von tausenden Fremden – und trotzdem finde ich meinen Platz. Auch für all meine Gefühle: Unsicherheit, Aufregung, Freude.

Aber hier ist es anders. Palmsonntag ist dieses Jahr anders. Ich bin umgezogen, habe eine neue Kirchengemeinde. Lebensumstände verändern sich. Ich verändere mich. Und dieses Jahr frage ich mich: Wie werden die Kar- und Ostertage dort sein? Wo werde ich sitzen? Werden die Menschen merken, dass ich neu bin? Wie werde ich empfangen?

Dann erinnere ich mich an Jesus auf dem Esel – und an all die fremden Menschen, mit denen ich auf Festivals oder Konzerten schon Gemeinschaft erlebt habe. Und ich atme ein bisschen erleichterter auf. Bei aller Aufregung überwiegt die Freude. Ich muss vorher nichts Negatives ausmalen, keine Sorge haben. Ich darf vertrauen – auf Gott. Und auf das, was uns verbindet.

Vielleicht geht es genau darum an diesem Tag: nicht alles vorher einzuordnen zu müssen, nicht jede Unsicherheit aufzulösen. Sondern einfach da zu sein. Mit allem, was ist. Mit unterschiedlichen Gefühlen. Mit Freude, Aufregung und auch Unsicherheiten. Ich darf das einfach komplett durchfühlen.
Hosanna.

Eva Gutschner

Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und mit allem Frieden im Glauben.

Römer 15,13