Maria und der Käfer

Marienkäfer auf Holz
Bild: pixabay.com, Nikiko

Dass Papst Franziskus ein großer Marienverehrer ist, zeigte sich schon am Tag seiner Wahl: Nach dem berühmten „Guten Abend!“ war dies einer seiner ersten Sätze: „Morgen möchte ich zur Muttergottes gehen und beten, dass sie ganz Rom behüte.“ Am nächsten Tag, seinem ersten Arbeitstag als Papst, besuchte er dann auch als erstes die römische Marienkirche Santa Maria Maggiore. In vielen Predigten hat er seitdem Maria als Vorbild für den Glauben empfohlen. „Von ihr könnten die Menschen lernen, demütiger zu sein und dem Wort Gottes mutiger zu folgen. Die Mutter des Erlösers geht uns voran und bestärkt uns ständig im Glauben, in der Berufung und in der Mission.“ Der Papst erinnert damit an eine Jahrhunderte alte Tradition der Marienverehrung, die in den vergangenen Jahrzehnten ein wenig abgekühlt ist.

Gottesmutter Maria (Bild: fotolia.de, Renáta Sedmáková)
Die Gottesmutter als verehrte Ikone (Bild: fotolia.de, Renáta Sedmáková)

Das Kirchenjahr kennt eine große Zahl von Marienfesten und marianischen Gedenktagen. Ganz besonders wird die Gottesmutter im Mai verehrt, dem so genannten „Marienmonat“. Doch während zu Zeiten früherer Volksfrömmigkeit fast jede Familie ihren eigenen Marienaltar im Haus schmückte und in den Kirchen und Kapellen vielfältige Maiandachten abgehalten wurden, findet die Marienverehrung heute eher im persönlichen Gebet statt. Und an einer ganz unerwarteten Stelle, bei einem kleinen Käfer, der – rot wie die Liebe – vor allem ab Mai durch die Welt krabbelt: der Marienkäfer.

Ein himmlisch schönes Nutztier

Kaum jemand, der diesen Käfer nicht niedlich findet – obwohl er ein Insekt ist. Es ist einfach hübsch anzusehen, wenn er zu einem seiner kurzen Flüge startet (wobei er erstaunliche 91 Flügelschläge in der Sekunde schafft) und ein schönes Gefühl, wenn er auf warmer Menschenhaut besonders aktiv wird und hin und her krabbelt. Der Hauptgrund für seine Beliebtheit aber war und ist seine enorme Nützlichkeit in der Landwirtschaft. Bereits als Larve frisst ein Marienkäfer bis zu 3000 Blattläuse und Milben und war so über viele Jahrhunderte einer der effektivsten Ernteschützer. Im 19. Jahrhundert wurden sogar gezielt Marienkäfer in die USA importiert, damit sie dort aus Europa eingeschleppte Schädlinge dezimieren  konnten.
Angelehnt an die Marienfrömmigkeit im Volksglauben waren früher viele Menschen davon überzeugt, dass ein solch schönes und gleichzeitig nützliches Wesen nur vom Himmel geschickt worden sein kann – dass es sozusagen auf Geheiß der Heiligen Maria auf Läusejagd geht.

Marienkäfer (Bild: fotolia.de, Alekss)
Marienkäfer (Bild: fotolia.de, Alekss)

Daher wurde ihm der Name Marienkäfer gegeben. Dies ist seine häufigste, aber nicht sein einzige Bezeichnung. Es existieren weit über 1000 mundartliche oder regionale Namen für den Marienkäfer, die fast alle hohe Dankbarkeit für seine Nützlichkeit ausdrücken und von denen viele einen direkten Gottesbezug haben. Auch in anderen Sprachräumen wurde der gepunktete Käfer mit dem Himmel in Verbindung gebracht. So wird er im Nordfranzösischen „bête de la vierge“ genannt: „Jungfrauentier“. Im Russischen findet sich der Name „bož’ja korovka“, was übersetzt „kleine Kuh Gottes“ bedeutet. Vermutlich, weil der Marienkäfer früher als Nutztier gesehen wurde, welche es zwar nicht an Gewicht, aber an Wichtigkeit mit den Rindern aufnehmen konnte.
Die am meisten verbreitete Art des Marienkäfers hat sieben Punkte, was vermutlich ein weiterer Grund für seinen Namen ist, da die Punkte als Symbol für die sieben Schmerzen Mariens gesehen werden können. Was das wiederum bedeutet, das erfahren Sie in der aktuellen Folge unserer Videoserie „Achtung! Kann Spuren von Glauben enthalten“.

Marienkäfer im Video

In der Video-Reihe „Achtung! Kann Spuren von Glauben enthalten“ weist Urs vom Bistum Osnabrück auf Glaubensspuren im Alltag hin und macht dabei ganz erstaunliche Entdeckungen. In dieser Folge wird erklärt er, was Marienkäfer mit dem Glauben zu tun haben.