Maria und der Käfer
Das Kirchenjahr kennt eine große Zahl von Marienfesten und Gedenktagen zu Ehren der Gottesmutter. Ganz besonders wird sie im Mai verehrt, dem so genannten „Marienmonat“. Doch während zu Zeiten früherer Volksfrömmigkeit fast jede Familie ihren eigenen Marienaltar im Haus schmückte und in den Kirchen und Kapellen vielfältige Maiandachten abgehalten wurden, findet die Marienverehrung heute eher im persönlichen Gebet statt. Und an einer ganz unerwarteten Stelle, bei einem kleinen Käfer, der vor allem ab Mai durch die Welt krabbelt: der Marienkäfer.
Kaum jemand, der diesen Käfer nicht niedlich findet – obwohl er ein Insekt ist. Es ist einfach hübsch anzusehen, wenn er zu einem seiner kurzen Flüge startet, wobei er erstaunliche 91 Flügelschläge in der Sekunde schafft. Der Hauptgrund für seine Beliebtheit aber war und ist seine enorme Nützlichkeit in der Landwirtschaft. Bereits als Larve frisst ein Marienkäfer bis zu 3000 Blattläuse und Milben und war so über viele Jahrhunderte einer der effektivsten Ernteschützer. Im 19. Jahrhundert wurden sogar gezielt Marienkäfer in die USA importiert, damit sie dort aus Europa eingeschleppte Schädlinge dezimieren konnten.
Ein himmlisch schönes Nutztier
Angelehnt an die Marienfrömmigkeit im Volksglauben waren früher viele Menschen davon überzeugt, dass ein solch schönes und gleichzeitig nützliches Wesen nur vom Himmel geschickt worden sein kann – dass es sozusagen auf Geheiß der Heiligen Maria auf Läusejagd geht.

Daher wurde ihm der Name Marienkäfer gegeben. Dies ist seine häufigste, aber nicht sein einzige Bezeichnung. Es existieren weit über 1000 mundartliche oder regionale Namen für den Marienkäfer, die fast alle hohe Dankbarkeit für seine Nützlichkeit ausdrücken und von denen viele einen direkten Gottesbezug haben. Auch in anderen Sprachräumen wurde der gepunktete Käfer mit dem Himmel in Verbindung gebracht. So wird er im Nordfranzösischen „bête de la vierge“ genannt: „Jungfrauentier“. Im Russischen findet sich der Name „bož’ja korovka“, was übersetzt „kleine Kuh Gottes“ bedeutet. Vermutlich, weil der Marienkäfer früher als Nutztier gesehen wurde, welche es zwar nicht an Gewicht, aber an Wichtigkeit mit den Rindern aufnehmen konnte.
Marienkäfer im Video
Die am meisten verbreitete Art des Marienkäfers hat sieben Punkte, was vermutlich ein weiterer Grund für seinen Namen ist, da die Punkte als Symbol für die sieben Schmerzen Mariens gesehen werden können. Was das wiederum bedeutet, das erfahren Sie unten im Video! Es ist eine Folge der Video-Reihe „Kann Spuren von Glauben enthalten“, in der Urs vom Bistum Osnabrück ganz erstaunliche Entdeckungen macht …