Mehr als Ochs und Esel im Stall
In der Vorweihnachtszeit erwachen überall kleine Welten zum Leben: Krippenlandschaften, in denen Geschichte, Glaube und auch etwas Fantasie dicht beieinander liegen. Zwischen Stroh, Tonfiguren und funkelnden Sternen erzählen sie Geschichten von Hoffnung, Menschlichkeit und dem Staunen über das neugeborene Kind. Jede Krippe – ob in der Kirche, im Wohnzimmer oder mitten auf dem Feld – ist dabei ein eigenes Kunstwerk, geprägt von Tradition und Kreativität.
Krippendarstellungen gehören zu den vertrautesten Bildern des christlichen Festes – und doch erzählen sie viel mehr, als nur die biblische Geburtsgeschichte. Krippen sind ein Spiegel ihrer Zeit, Menschen und Kulturen. Diese Vielfalt zeigt sich nicht nur in Kirchen oder Museen, sondern auch in privaten Krippenlandschaften.

Im Schlosspark von Gut Sutthausen ist nach einer Idee von Schülerinnen und Schülern der Berufsbildenden Schule im Marienheim (BBS) vor einigen Jahren eine Draußenkrippe entstanden; in vielen Kirchengemeinden des Bistums gibt es rund um die Weihnachtstage lebendige Krippen mit echten Menschen und Tieren.

Die Familie Fangmeyer aus Emsbüren baut seit vielen Jahren an ihrem See eine Freiluftkrippe in einer Holzhütte auf. Mit einem sorgfältig gestalteten Boden aus Stroh, mit Tannen, traditionellen Tonfiguren, Playmobilfiguren und allerlei Tieren wie Hunden oder Pferden entsteht so mitten auf einem Feld eine liebevoll gestaltete Weihnachtsszene. Menschen aus der Familie oder aus dem Dorf kommen und bewegen die Figuren, setzten sie an andere Stelle innerhalb der Szene. Solch ein Beispiel zeigt: Krippen holen die Botschaft von Weihnachten mitten in unseren Alltag – und laden dazu ein, die eigene Kreativität in die Gestaltung einfließen zu lassen.

Bei Familie Müller aus Hagen am Teutoburger Wald hat der Aufbau der Krippe auch eine lange Tradition: Ein bereits verstorbener Onkel der Familie hat die große Weihnachtkrippe selbst gebaut – inzwischen steht sie bei seinem Neffen im Wohnzimmer, der sie mit einem Krippenweg rund um den Weihnachtsbaum erweitert hat. Eine zweite gleich aussehende Krippe im Miniaturformat wird jedes Jahr bei seinem Bruder aufgebaut. Die Figurensammlung wurden über viele Jahre immer wieder erweitert.
Der Ursprung der Krippe
Der Ursprung der Erzählung über die Krippe und deren Darstellung taucht in der Bibel überraschend knapp auf. Vergleicht man die Erzählungen in den Evangelien von Lukas und Matthäus, merkt man: Da ist nicht alles gleich und geradlinig erzählt. Tiere erwähnt die Bibel an dieser Stelle zum Beispiel nicht. Dennoch tauchen Ochs und Esel bis heute in den meisten Darstellungen auf. Sie hatten damals einen hohen Stellenwert, dienten als Lebensgrundlage, waren wichtige Arbeitshilfen auf den Feldern und gelten als Symbolen für Erkenntnis und Treue.
Weitere Infos
- Hier finden Sie Informationen zur Krippenausstellung im Diözesanmuseum Osnabrück. Dort gibt es auch die Bilder aus dem diesjährigen Malwettbewerb zu besichtigen.
- Weitere Artikel, Infos und ein Quiz rund um das Thema Krippe gibt es hier.
Kernstück der Darstellungen sind aber ziemlich sicher: das Jesuskind (in der Krippe liegend), Maria (sitzt oder kniet meist links neben dem Kind) und Josef (rechts daneben). Über die Hirten der biblischen Erzählung wissen wir wenig und doch gehören sie zu den ersten, die vom neugeborenen Jesus erfahren. Kunstschaffende haben seit Jahrhunderten Freude daran, Hirtenfiguren fantasievoll auszuschmücken: mit Brot, Käse, Eiern oder Äpfeln, mit Schafen oder Hunden, in regionaler Kleidung oder mit humorvollen Details. Zu ihnen gehört meist auch die Darstellung eines Sternes oder auch eines Engels an der Krippe.

Irgendwann ziehen die Heiligen Drei Könige in die Krippe ein, nebst ihrer Begleittiere: Kamele, Pferde oder Elefanten. Weitere Tiere, die in einzelnen Darstellungen auftauchen, sind: Schafe, Ziegen, Tauben, Hund, Pferde oder auch ein Pfau. All diese Tiere haben ihre eigene symbolische Bedeutung – wie beispielsweise Friede, Sanftmut, Treue oder auch Würde und Ewigkeit.
Krippenvielfalt weltweit
Im 16. Jahrhundert verbreiteten vor allem die Jesuiten den Krippenbrauch in Europa. Prunkvolle Krippen schmückten Kirchen und Adelshäuser. Durch die Aufklärung und Säkularisation verschwanden viele davon zunächst aus den Kirchen und zogen in bürgerliche Haushalte um. Mit der Industrialisierung wurden Krippen schließlich erschwinglich: Pappmaché-, Zinn- oder Steinzeugfiguren konnten in großer Zahl hergestellt werden.

Ab dem 19. Jahrhundert wurden Krippen immer stärker regional geprägt. Krippenbauer passten Landschaften, Figuren und Motive ihren eigenen Lebenswelten an – und schufen so ganze Miniaturdörfer mit Handwerksberufen, Ruinen, Bergen oder Bächen. Eine Szenerie, die dafür möglicherweise als Vorbild dient, ist das sogenannte Taubental. Es liegt auf dem Weg von Nazareth zum See Genezareth.

Generell hat die Theologie aber nur einen geringen Einfluss auf die Gestaltung der Krippen und der Krippenbau unterliegt seit Jahrhundert der Volkskunst. Das macht die Welt der Krippen auch so bunt und faszinierend. Ein Ort, um diese Vielfalt zu erleben, ist die Via San Gregorio Armeno – die sogenannte „Krippenstraße“ – in Neapel. Hier wird nicht nur eine Vielzahl an Krippen präsentiert sondern es gibt neben traditionellen Figuren auch typisch neapolitanische Charaktere, wie der Pizzabäcker oder Fußballspieler als Krippenfigur.
Krippen sind Kunstwerke, Gebetsorte und Geschichtenerzähler in Miniaturform. Sie verbinden die biblische Geburtsgeschichte mit der Lebenswelt der Menschen – damals wie heute.
Krippen gesucht!

Was gehört für Sie unbedingt dazu? Welche Figur erzählt bei Ihnen eine besondere Geschichte? Schreiben Sie gerne in die Kommentare oder schicken Sie ein Foto von einer besonderen Figur oder Darstellung in ihrer Krippe an internet@bistum-os.de. Die Krippenbilder sollen in den kommenden Wochen auf den Kanälen des Bistums Osnabrück veröffentlicht werden.