Missbrauch durch Priester im Bistum Osnabrück

Bischof Franz-Josef Bode hat am 25. Dezember im Osnabrücker Dom einen Weihnachtsgottesdienst gefeiert. Zu Beginn ging er auf die vor kurzem bekannt gewordenen Missbrauchsfälle im Bistum Osnabrück ein. Ein inzwischen 85-jähriger Priester hatte in den 60-er bis 90-er Jahren mehrere Kinder sexuell missbraucht. Bode sagte dazu:

 

In diesem Jahr erleben wir die tiefe Finsternis in besonderer Weise. Ein Priester unseres Bistums hat sich schwerer sexueller Vergehen schuldig gemacht, die eine breite Spur des Unheils nach sich gezogen haben und es noch tun. Erst jetzt hat die Aussage einiger Opfer die Dinge aufgedeckt und öffentlich gemacht. Andere wurden dadurch ermutigt, ebenfalls das Schweigen zu durchbrechen.

In diesem über Jahrzehnte währenden Geschehen hat es auch ernste Versäumnisse und Fehler auf Seiten des Bistums gegeben. Nach seiner Pensionierung ist der Priester sogar zum zeitweiligen Leiter der Pfarrei und zum unterstützenden Priester ernannt worden – von mir unterschrieben. Dessen bin ich mir schmerzhaft bewusst und ich bitte dafür um Vergebung und Entschuldigung. Zugleich versichere ich allen, dass wir den Dingen an der Seite der Opfer weiter nachgehen, dass wir Hilfen suchen und Konsequenzen ziehen werden.

Liebe Schwestern und Brüder, in dieser Finsternis erfahre ich und erfahren vielleicht auch Sie noch tiefer, für welche Welt Gott Mensch geworden ist. Weil wir gerade heute die Verstrickungen und die Netzwerke des Bösen immer deutlicher erkennen, lade ich dazu ein, einen Moment zu schweigen und die Sünde in der Kirche und unsere eigenen Schuldigkeiten vor Gott zu bringen.

 

Die unabhängigen Ansprechpersonen im Bistum Osnabrück für Betroffene von sexuellem Missbrauch sind:

Irmgard Witschen-Hegge

Irmgard Witschen-Hegge
Ansprechperson für Missbrauchsfälle
Wilkenkampstraße 1
49492 Westerkappeln
05404 2012
E-Mail-Kontakt

Antonius Fahnemann

Antonius Fahnemann
Ansprechperson für Missbrauchsfälle
Postfach 1380
49003 Osnabrück
0541 318-800
E-Mail-Kontakt

Bekannt geworden waren die Missbrauchsfälle, nachdem sich vor einem Jahr erstmals Zeugen mit konkreten Vorwürfen gegen einen Pfarrer gemeldet hatten. Alle Beschuldigungen wurden umgehend der Staatsanwaltschaft zugeleitet. Diese hat zwar die Strafbarkeit der geschilderten Vorgänge festgestellt, aber aufgrund von Verjährung keine Ermittlungen aufgenommen.
Zeitgleich wurden die Unterlagen mit den Vorwürfen gegen den inzwischen 85-jährigen Priester vom Bistum an die Glaubenskongregation nach Rom gegeben. Auch dort wurde seine Schuld festgestellt. Wegen seines Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit wurde aber von einem Verfahren vor einem kirchlichen Gericht abgesehen. Von Bischof Bode wurden dem Priester aber mehrere Sanktionen auferlegt: Beispielsweise sind ihm alle öffentlichen Auftritte und liturgischen Handlungen untersagt, er darf seine frühere Pfarrei in Merzen nicht aufsuchen und er wird dort auch nicht kirchlich bestattet werden.

Einen Brief des Bischofs an die Kirchengemeinde in Merzen, aus der die Betroffenen stammen, die sich vor einem Jahr gemeldet hatten, können Sie hier im Wortlaut nachlesen. Der Brief war im Anschluss an die Gottesdienste am 15. und 16. Dezember in Merzen verlesen worden. Daraufhin haben sich weitere Betroffene beim Bistum gemeldet.