Mitten ins Leben gesendet

Frau steht in vollem Bus
Bild: Adobe Stock, PintoArt

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philíppus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskáriot, der ihn ausgeliefert hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samaríter, sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel! Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

Matthäus 9,36-10,8
Foto von Franziska Notzon
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„Wie Schafe, die keinen Hirten haben“ – so beschreibt Jesus die Menschen, denen er im Evangelium begegnet. Und wenn ich in unsere heutige Gesellschaft schaue, dann trifft das hin und wieder auch auf uns zu: Manchmal schauen wir in die Welt und fühlen uns einfach nur ohnmächtig. Die Nachrichten fluten uns mit Krisen. Im Alltag hetzen wir von Termin zu Termin. Wir sehen die Erschöpfung in den Gesichtern der Menschen im Bus, im Supermarkt, im Spiegel. Wir fühlen uns wie die Menschen damals zur Zeit Jesu: „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ – orientierungslos, müde, auf der Suche nach Halt.

Jesus schaut die Menschen damals mit Mitgefühl an. Er distanziert sich nicht von ihnen oder kommt mit einem theoretischen Konzept um die Ecke, das Sicherheit und Hilfe verspricht. Er schenkt den Menschen damals und somit auch uns heute einen Vertrauensvorschuss: Er ruft Menschen wie dich und mich und sendet uns mitten hinein in den Alltag.

„Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!“

Eine große Aufgabe – damals, wie heute! Erstmal sicher Überforderung, Panik, Angst und keine Ahnung, wie das gehen soll … Aber Jesus mutet uns seine Sendung zu. Er möchte uns Sicherheit und Halt geben durch sein Vertrauen, durch seine unersättliche Liebe zu jedem von uns. Denn anschließend an diese Sendung formuliert er: „Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst sollt ihr es geben.“ 

Das ist der Gegenentwurf zu unserer heutigen Leistungsgesellschaft, in der alles ein Preisschild trägt und jeder Schritt optimiert werden muss. Dieser Text erinnert uns daran: Deine Würde, deine Kraft und deine Liebe sind Geschenke. Du musst sie dir nicht verdienen. Aber du darfst sie teilen.

Wir müssen heute keine Toten auferwecken, um die Welt zu verändern. Es beginnt viel kleiner, mitten in unserem modernen Leben: Hinschauen statt weggucken, wenn jemand Hilfe braucht. Zuhören ohne direkt aufs Smartphone zu starren. Hoffnung teilen in einer Zeit, die oft hoffnungslos wirkt.

Wir sind die Antwort auf das Mitgefühl Jesu. Heute. In unserer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, in unseren Familien. Die Ernte ist groß – und die Gelegenheiten, Gutes zu tun, sind es auch.

Franziska Notzon

Der Freund erweist zu jeder Zeit Liebe, der Bruder ist für die Not geboren. 

Sprüche 17,17

Sommer, Kind, Hund, Freunde