Seelsorge für Menschen mit Behinderung

drei Menschen freuen sich
Bild: unsplash.com, Nathan Anderson

Christiane van Melis ist Diözesanbeauftragte für Menschen mit Behinderung im Bistum Osnabrück. Im Interview spricht sie über ihre Vorstellung von einer gelungenen Inklusionsarbeit, die unterschiedlichen Angebote für Menschen mit Behinderung und ihre Zukunftspläne.

Gibt es ein Motto, unter das Sie Ihre Arbeit stellen könnten?

Christiane van Melis: In meinem bisherigen Leben habe auch ich die Erfahrung von Grenzen gemacht und erlebe, dass es für Menschen mit Behinderung eine besondere Herausforderung ist, sich mit den eigenen Grenzen zu versöhnen. Ich wünsche mir in unserer Kirche eine Kultur der Teilhabe für Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen. Mir hilft dabei der Glaube, dass wir alle in Gottes großer Liebe angenommen sind.

Zwei Jugendliche chillen auf einer Luftmatratze (Bild: Haus Maria Frieden, Rulle)
Gemeinsam den Alltag gestalten: Inklusion bedeutet Teilhabe am gesamten Leben. Bild: Marstall Clemenswerth, Sögel

Was bedeutet für Sie Inklusion?

Christiane van Melis: Inklusion bedeutet für mich Teilhabe – am Gemeindeleben und am gesamten Leben. Gerade im Bistum sollen wir dieses Menschenrecht auf Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aufgreifen, weil alle Menschen als Ebenbilder Gottes geliebt sind.  Jedoch hat jede schöne Seite auch ihre Schattenseite: Beim Thema Inklusion müssen wir aufpassen, dass es nicht nur ein Modewort ist. Es besteht die Gefahr, dass unter dem Deckmantel der Inklusion auch Hilfen und bestimmte Angebote für Menschen mit Behinderung reduziert werden. Man sollte mit Augenmaß an dieses Thema herangehen.

 

Inklusionslandkarte

Wo gibt es Initiativgruppen für Menschen mit Behinderung? Wie leben sie in ihrer kirchlichen Einrichtung oder Gemeinde? Was ist ihr Erfolgsrezept? Unter dem Motto „Vielfalt: un-behindert leben“ gibt es jetzt eine Inklusionslandkarte für das Bistum Osnabrück.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Christiane van Melis: Inklusion sollte in allen Bereichen ermöglicht werden. In Kindergärten, Schulen, Gemeinden, beispielsweise durch eine gemeinsame Vorbereitung auf die Kommunion oder gemeinsame Zeltlager. Mein Wunsch ist es, dass auch in Zukunft pastorale Mitarbeiter vor Ort Formen finden, wie so etwas gelingen kann.

Was gibt es bereits für Angebote im Bistum?

Christiane van Melis: Das sind zum einen die Ehrenamtlichen, die schon seit vielen Jahrzehnten großartige Arbeit in unterschiedlichen Gruppen leisten. Diese Gruppen haben wir auf einer Inklusionslandkarte einmal aufgeführt. Besonders freut mich daran, dass alle Beteiligten berichten, dass sie durch diese Gruppen mit einer ansteckenden Lebensfreude bereichert nach Hause gehen. 

Welche Möglichkeiten gibt es darüber hinaus?

Kontakt

Christiane van Melis
Diözesanbeauftragte für die Seelsorge für Menschen mit Behinderungen
Domhof 12
49074 Osnabrück
0541 318-217
E-Mail-Kontakt

Titelblatt vom Pilgerführer
Nur eines von vielen Projekten: Der Pilgerführer „El Camino“

Christiane van Melis: Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Projekte und zielgruppenspezifische Angebote im Bistum. Neu ist beispielsweise der Pilgerführer „El Camino„, der auf den Erfahrungen basiert, die 2.000 Menschen mit und ohne Behinderung gemacht haben, als sie einen Teil des Jakobsweges von Bremen nach Osnabrück gegangen sind. Beim inklusiven Projekt „Nimm Platz“ handelt es sich um eine Ausstellung von 30 kreativ gestalteten Wohlfühstühlen, die in verschiedenen Einrichtungen des Bistums bestaunt werden können. Das Bistum beteiligt sich auch am Projekt „Osnabrück Inklusiv – Wir bilden Vielfalt“: Die Einrichtungen der Erwachsenenbildung kooperieren mit der Heilpädagogischen Hilfe für die Förderung einer inklusiven Erwachsenenbildung im Raum Osnabrück.

Darüber hinaus bieten wir Seelsorge für Menschen mit geistiger Behinderung in Lingen und Meppen an. Die Blindenseelsorge organisiert etwa vier Mal im Jahr unterschiedliche Gruppentreffen in Bremen, Meppen, Osnabrück und Papenburg. Auch in der Seelsorge für Menschen mit Hörschädigung gibt es verschiedene Angebote wie Gottesdienste mit Dolmetscher, oder unterschiedliche Gruppentreffen.