Sie öffnen den Kirchenraum für die Menschen
Nach der Renovierung von St. Augustinus in Nordhorn gab es viele Anfragen für Kirchenführungen an die Gemeinde. Mittlerweile hat sich ein ehrenamtliches Team gefunden, das diese Aufgabe gerne übernimmt und während der Stunde im Kirchenraum ganz unterschiedliche Erfahrungen macht.
Wo sollen wir das Foto aufnehmen? Die drei Frauen entscheiden spontan, sich unter das neue, goldene Vortragekreuz zu stellen. Oder doch noch eine Aufnahme an Altar und Ambo? Die Kirche St. Augustinus in Nordhorn hat viele schöne Blickwinkel. Michaela Suer, Susanne Rademacher und Schwester Johanna Lücken kennen die meisten davon. Denn sie engagieren sich – neben weiteren Personen aus der Gemeinde – als Kirchenführerinnen.
Dabei haben sie nicht Kunstgeschichte studiert oder zumindest das Kirchenarchiv durchgearbeitet. Susanne Rademacher ist Psychologin, Michaela Suer arbeitet im Pflegewesen. Schwester Johanna ist die Pastorale Koordinatorin der Gemeinde. Aber für alle drei ist St. Augustinus nicht irgendeine Kirche. Es wird ein wenig emotional, als sie über den Bau sprechen. „Ich liebe diese Kirche“, sagt etwa Michaela Suer. Sie kommt aus Nordhorn, wurde in St. Augustinus vor 60 Jahren getauft – natürlich hängen viele Erinnerungen in den Kirchenmauern. Sie fängt an zu schwärmen, wenn sie an das Lichtspiel in der Kirche denkt. Vor Kurzem stand die Sonne so, dass es schien, als ob das Kruzifix in der Werktagskapelle in Flammen steht. „Das sah unglaublich aus“, sagt sie und zeigt Handybilder. Und Susanne Rademacher fasst zusammen: „Wir waren der Kirche immer nah – allerdings nie so nah, wie jetzt nach der Renovierung.“
Weitere Infos
- Jessica Löscher vom Diözesanmuseum bietet Kurse für künftige Kirchenführer*innen in Pfarrgemeinden an. Bei Interesse bitte unter E-Mail: j.loescher@bistum-os.de oder telefonisch 0541 318 487 melden.
- Tag des offenen Denkmals: Viele Kirchen im Bistum Osnabrück sind auch wieder am Tag des offenen Denkmals am 13. September geöffnet. Eine Übersicht und das Programm am jeweiligen Ort findet sich unter www.tag-des-offenen-denkmals.de
Die Renovierung. Wenn die Frauen über ihr Engagement erzählen, kommen sie immer wieder auf dieses Stichwort zurück. Knapp drei Jahre sind es jetzt, seit St. Augustinus nach den Arbeiten neu geweiht werden konnte. Alle drei haben den gesamten Prozess mitgestaltet und die Kirche neu kennengelernt. Vor allem der Communio-Gedanke, dass jetzt alle im Rund auf einer Ebene den Gottesdienst feiern, gefällt ihnen – und sie versuchen auch, das in den Kirchenführungen zu vermitteln.
Als nach der Runderneuerung des Innenraums immer mehr Leute vorbeischauten, die neugierig waren, wie St. Augustinus jetzt aussieht, kam die Idee, das Thema Kirchenführungen noch einmal professioneller anzugehen. Auch weil sich Nordhorn immer mehr zu einem Tourismusziel mausert und zunehmend Menschen aus den benachbarten Niederlanden anzieht. „Es sind ganz viele Anfragen gekommen“, sagt Schwester Johanna.
Eine Gruppe aus der Pfarrgemeinde hat deshalb einen Kurs besucht, der vom Diözesanmuseum in Osnabrück angeboten wird. Dabei sei es weniger um Daten, Zahlen, Fakten gegangen. Die werden im Zweifel sowieso wieder schnell von den Gästen vergessen. „Es geht darum, den Leuten in dieser Stunde eine gute Zeit zu bereiten und miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Michaela Suer.

Dabei darf ruhig eine Rolle spielen, dass die Kirche ein spirituelles Bauwerk ist. Wie stark dieser Aspekt genannt wird, ob man mit einem Gebet abschließt, komme auf die Gruppe an, findet Susanne Rademacher. „Als Kirchenführerinnen öffnen wir den Raum. Die Menschen können die Erfahrung machen, ich kann hier geborgen sein. Aber es ist nicht unsere Aufgabe, zu missionieren“, sagt Schwester Johanna dazu.
Das war bisher aber auch nicht nötig. Michaela Suer beispielsweise hatte vor allem Gruppen, die mehr mit Kirche verbunden waren, wie die kfd aus Osnabrück. „Ich würde mir eine Führung für Menschen wünschen, die von Kirche wenig wissen“, sagt sie. Susanne Rademacher hingegen hatte ihre Premiere erst vor ein paar Tagen: „Das war eine intensive Erfahrung für mich. Es war toll zu sehen, wie die Menschen auf diesen besonderen Raum reagieren. Das war vor allem spürbar beim Abschluss-Impuls: Diese Kirche berührt“, beschreibt sie die Stunde.

Waren die bisherigen Gruppen sehr interessiert, haben sie im Kurs mit der Museumspädagogin auch gelernt, mit schwierigeren Situationen umzugehen. „Die Königsdisziplin sind da wohl die Jugendlichen, die nicht freiwillig vor einem stehen, sondern kommen mussten“, sagt Schwester Johanna und lacht. Was dann getan werden kann? Auf jede Gruppe eingehen, sie abholen. „Bei Jugendlichen etwa sagen, sie sollen mit ihrem Handy einmal das fotografieren, was ihnen am besten gefällt und dann darüber ins Gespräch kommen.“ Und wenn es immer noch nicht klappt? Dann sei das eben so.
Jetzt gilt es erstmal, weitere Erfahrungen in St. Augustinus zu sammeln. Und dann gibt es viele Ideen, wie sie den Kirchenraum noch zugänglicher machen könnten. Eine Führung mit Taschenlampen schwebt ihnen vor. Oder eine Führung für Seniorinnen und Senioren. Oder Kirchenführungen bei den Stadtfesten anzubieten. Denn die vielen schönen Ecken im Rund von St. Augustinus, die sollen eben möglichst viele sehen.