Studie zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

Im Frühjahr 2021 hat das Bistum Osnabrück die Universität Osnabrück mit einer unabhängigen Studie zur wissenschaftlichen Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt im Bistum beauftragt. Die Studie sollte innerhalb von drei Jahren erstellt werden und neben einer quantitativen Analyse der Fälle sexualisierter Gewalt auch die Erarbeitung beispielhafter Fallberichte und die Beschreibung und Einordnung typischer Muster von Betroffenenschicksalen und Täterhandeln umfassen.

Das Forschungsvorhaben trug den Titel „Betroffene – Beschuldigte – Kirchenleitung: Sexualisierte Gewalt an Minderjährigen sowie schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen im Bistum Osnabrück“. Zur Umsetzung gewährte das Bistum den Wissenschaftler*innen der Universität uneingeschränkten Zugang zu seinen Akten.

Das Forschungsprojekt umfasst drei Teilbereiche:

  • eine quantitative Analyse von Fällen sexualisierter Gewalt durch Kleriker im Bistum Osnabrück seit 1945 anhand von Akten und durch Befragung von Betroffenen und Zeitzeugen;
  • die Erarbeitung beispielhafter Fallberichte sexualisierter Gewalt im kirchlichen Raum aus der Perspektive der Betroffenen, aber auch aus der Perspektive der Beschuldigten, der Pfarreien und der Bistumsleitung;
  • die Beschreibung und Einordnung typischer Muster von Betroffenenschicksalen, Täterhandeln, Reaktionen auf Gemeindeebene und des Handelns der Bistumsleitung, um auf diese Weise die Ursachen und Rahmenbedingungen sexualisierter Gewalt sichtbar zu machen.

Weitere Infos

Anfang 2022 richteten die Verantwortlichen für die Studie eine Steuerungsgruppe ein, die das Projekt kritisch begleitete. In der siebenköpfigen Gruppe saßen auch drei Betroffene von sexualisierter Gewalt im kirchlichen Raum.

Am 20. September 2022 legte die Universität nach rund einem Jahr Forschung einen ersten Teilbericht vor. Dieser widmet sich der Frage, ob in Verdachtsfällen sexualisierter Gewalt die Vorgehensweise von Bistumsverantwortlichen im Einklang mit den Vorschriften des staatlichen und des kirchlichen Rechts stand – hier war also das Handeln von Bischöfen und anderen Mitgliedern der diözesanen Leitungsebene im Fokus, und zwar im Zeitraum von 1945 bis heute. Die Universität Osnabrück stellte diesen Zwischenbericht allen Interessierten auf ihrer Internetseite zum Herunterladen zur Verfügung: https://www.s-gewalt.uni-osnabrueck.de

Bischof em. Franz-Josef Bode ging in einer Pressekonferenz am 22. September ausführlich auf die Inhalte der Teilstudie ein. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Am 2. Oktober 2024 hat die Universität Osnabrück den Abschlussbericht des Forschungsprojekts vorgestellt. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden erstmals Gesamtzahlen zu Betroffenen, Taten und beschuldigten Klerikern im Bistum Osnabrück benannt. Überdies präsentierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Ergebnisse neuer Forschungsansätze dazu, wie Tatvorwürfe durch Beschuldigte, Kirchenverantwortliche und das soziale Umfeld umgedeutet wurden und wie es dadurch möglich wurde, Taten zu begehen und zu verdecken. Detaillierte Informationen dazu gibt es auf der Internetseite der Studie: https://www.s-gewalt.uni-osnabrueck.de/ergebnisse

Das Bistum Osnabrück, der Betroffenenrat Nord und die Monitoring-Gruppe im Schutzprozess haben sich am 9. Oktober 2024 in einer Pressekonferenz ausführlich zum Abschlussbericht der Universität geäußert. Detaillierte Informationen dazu finden Sie hier.