Am heutigen Freitag (25.09.2026) wurden an der Universität Münster die Ergebnisse der Studie „Macht durch Charisma. Geistlicher Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften“ öffentlich vorgestellt. Seit Anfang 2023 hat ein Wissenschaftsteam um die Theologin und Soziologin Prof. Dr. Judith Könemann diese spezifische Form des Machtmissbrauchs am Beispiel zweier Gemeinschaften in den Bistümern Osnabrück und Münster aufgearbeitet.
Die Studie wurde von den Bistümern Münster und Osnabrück sowie der Kongregation der Thuiner Franziskanerinnen und der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegeben und gefördert. Sie kann auf der Internetseite der Universität Münster heruntergeladen werden.
Vertreterinnen und Vertreter der vier Auftraggeber können erst ab dem heutigen Tag Einblick in die Studienergebnisse nehmen. In einer ersten Reaktion äußern sich der Münsteraner Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ, der Osnabrücker Bischof Dr. Dominicus Meier OSB, die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Dr. Beate Gilles, sowie die Generaloberin der Thuiner Franziskanerinnen, Sr. Maria Cordis Reiker, wie folgt:
„Ausdrücklich bedanken wir uns bei den Betroffenen, die für diese Studie ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen geteilt haben. Wir sehen ihr Leid und ihren Schmerz. Ihre Verwundungen halten oft ein Leben lang an. Wir müssen alles tun, um solches Leid, um geistlichen Missbrauch, in Zukunft zu verhindern. Hierfür wird uns die Studie wichtige Hinweise geben können.
Bei Fragen und Hilfe
- Das Bistum Osnabrück bietet für Menschen, die im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Studie Gesprächsbedarf haben, eine telefonische Hotline an. Kontaktdaten und -zeiten finden Sie hier im Internet.
- Darüber hinaus stehen bei der Telefonseelsorge des Bistums Münster rund um die Uhr einfühlsame und qualifizierte Ansprechpersonen zum Telefonieren, Chatten oder Mailen bereit: Kontaktdaten unter diesem Link.
- Die Bischofskonferenz bietet auf dieser Internetseite ebenfalls ein Beratungsangebot an.
- Unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene geistlichen Missbrauchs und weitere Informationen rund um das Thema finden sich auf den Internetseiten der Bistümer Osnabrück und Münster.
Denn ein wesentliches Ziel unseres gemeinsamen Forschungsauftrags war es, auf Basis der Erfahrungen von Betroffenen, Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sowie Aktenanalyse grundlegende Faktoren zu ermitteln, die geistlichen Missbrauch begünstigen, und daraus Perspektiven für die Prävention zu entwickeln. Von der Bandbreite und Komplexität des Vorhabens zeugte schon die Verlängerung des ursprünglich auf drei Jahre angelegten Forschungszeitraums. Zugleich bestätigen die ersten Eindrücke von den Ergebnissen, wie wichtig die Auseinandersetzung mit dem Phänomen des geistlichen Missbrauchs für alle Organisationen und Gemeinschaften ist, in denen das Bedürfnis nach spiritueller Orientierung eine Rolle spielt.
Wir bedanken uns beim wissenschaftlichen Team um Prof. Dr. Judith Könemann, den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die ihnen für Interviews zur Verfügung standen, und allen weiteren Beteiligten, die dieses Forschungsprojekt in den vergangenen Jahren mit ihrem Beitrag unterstützt haben.
Wir werden in den nächsten Tagen in unseren jeweiligen Organisationen eine erste gründliche Auswertung der nun vorliegenden Studienergebnisse vornehmen. Die daraus gewonnen Erkenntnisse und mögliche nächste Schritte wollen wir dann gemeinsam im Rahmen eines Pressegesprächs am 5. Oktober vorstellen.“