Warum die Fastenzeit eigentlich „Österliche Bußzeit“ heißt …

Frau mit Aschekreuz
Bild: unsplash.com, Grant Whitty

Zugegeben, so recht kann sich die Bezeichnung „Österliche Bußzeit“ für die 40 Tage vor Ostern im Sprachgebrauch noch nicht durchsetzen. Das Beharrungsvermögen, bei dem Begriff „Fastenzeit“ zu bleiben, ist doch recht hoch – wie bei so manchen Dingen in unserem Leben. Aber diese beiden Begriffe können zu sehr unterschiedlichen Ideen führen, wie man diese Tage gestalten will und kann.

„Fastenzeit“ – da verzichtet man auf etwas. Manche auf Süßigkeiten, andere auf Alkohol, einige auf Plastikverpackungen, aufs Autofahren, aufs Handy … und je nachdem, wofür man sich heldenhaft entscheidet, quält man sich mehr oder weniger durch diese Tage bis Ostern durch.

Der Begriff „Österliche Bußzeit“ dagegen gibt ein „wozu“ an, auch für das, was man sich eventuell vornimmt. Damit wird klar: Es geht um Ostern. Und ganz knapp gesagt, da feiern wir den Sieg des Lebens über den Tod, wie Jesus Christus es uns vorgelebt hat. Damit wäre diese Zeit eigentlich so eine Art „Trainingslager“ für das Leben. Ich bin eingeladen, mich in Haltungen und Verhaltensweisen einzuüben, die dem Leben dienen. Und es geht nicht um ein Verzichten um des Verzichtens willen.

Über die Autorin

Andrea Schwarz ist Schriftstellerin und pastorale Mitarbeiterin im Bistum Osnabrück. Sie ist eine genaue und sensible Beobachterin ihrer Umwelt und der Menschen, denen sie begegnet. In ihren Texten versucht sie, Gott mitten im Alltag zu entdecken und Lust aufs Leben zu machen – nun erstmals auch in Form von Blogbeiträgen!

„Bußzeit“ – wo habe ich mich gegen das Leben versündigt? Was trennt mich vom Leben und Lebendig-Sein? Okay, wenn es wirklich das Stück Schokolade sein sollte, dann verzichten Sie darauf. Ich befürchte allerdings, dass es ganz andere Dinge sind …

Man kann die Frage aber auch anders herum stellen: Was macht mich lebendiger? Und dann könnte man das konsequent in diesen Tagen einüben. Das muss dann gar nicht quälend und schwer, sondern kann auch durchaus lustvoll sein. Und erzeugt außerdem ziemlich viel Kreativität, was man so alles machen könnte.

Eine Freundin hat sich in diesem Jahr vorgenommen, täglich eine halbe Stunde spazieren zu gehen, egal bei welchem Wetter – um das Leben und den Frühling zu spüren. Ein Bekannter will sich an jedem Tag von etwas trennen, etwas hergeben – ein Buch, eine CD, eine Tasse, eine Keramikfigur, um neuen „Raum“ in seinem Leben zu schaffen. Und Christine hat sich vorgenommen, diesmal täglich einen Psalm zu beten, ja, immer den gleichen, nämlich Psalm 91, um zu erfahren, wie das ist, wenn man von einem so alten und bewährten Gebet durch die Höhen und Tiefen des Alltags begleitet wird.

Was würde Sie denn lebendiger machen? Also wirklich „lebendiger“ – und nicht einfach nur „glücklicher“ oder „zufriedener“? Neugierig wäre ich ja schon, was Sie sich für dieses Jahr vorgenommen haben oder noch vornehmen werden. Auf jeden Fall: Ihnen ein gutes Zugehen auf Ostern hin!

PS: Ach so … dass die Sonntage nicht zur Fastenzeit gehören, spricht sich ja zum Glück allmählich auch herum. Und da nach christlich-jüdischem Verständnis der Sonntag bereits am Abend vorher beginnt – bei uns hier in Steinbild wird zum Beispiel der Sonntag schon am Samstag um 16.00 Uhr eingeläutet – können Sie dann erstmal für einen Tag Ihre Vorsätze vergessen, egal, wie hehr oder quälend oder lustvoll sie sind.

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