Niemand muss alleine sein

Tannenbaum schmücken
Bild: unsplash.com, Arun Kuchibhotla

Weihnachten, das Fest der Familie: Gemeinsam zusammensitzen und reden, essen, feiern – das gehört für viele untrennbar zu den Feiertagen dazu. Heiligabend, das ist einer der emotionalsten Tage im Jahr, da werden sogar Menschen sentimental, die sonst nicht viel mit Familie zu tun haben wollen. Weihnachten, auch das Fest der Liebe und Versöhnung, wo Menschen verzeihen und wieder aufeinander zugehen. Heilig Abend, die Zeit, die man friedlich im Kreise seiner Liebsten verbringt.

Doch es gibt auch Menschen, die das nicht können – weil sie Heilig Abend einsam sind und keinen haben, mit dem sie feiern können. Sie sind alleinstehend, manche haben vielleicht nicht einmal ein festes Dach über dem Kopf. Genau so gibt es Menschen, für die Weihnachten ein trauriges Fest ist – weil sie einen geliebten Menschen verloren haben und durch das Fest der Liebe mehr als sonst daran erinnert werden. Oder aber, weil sie in finanzieller Not sind und keine Möglichkeit haben, für sich und ihre Kinder ein frohes Fest auszurichten.

Ein kurzer Besuch als Geschenk

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Schwester Peregina engagiert sich auch in der Internetseelsorge

Auch Schwester Peregrina, Gemeindereferentin in der Pfarreiengemeinschaft St. Martinus Hagen und Mariä Himmelfahrt Hagen-Gellenbeck, weiß, dass das Gemeinschaftsbedürfnis in den Wochen vor Weihnachten wächst: „Ich habe mir schon vor Monaten vorgenommen, für Dezember keine zusätzlichen Termine mehr anzunehmen. Ich möchte die kostbare Zeit lieber den Menschen schenken, die gerade in der Zeit vor Weihnachten ihre Einsamkeit, Traurigkeit und Ängste besonders spüren. Ein kurzer Besuch kann dann schon ein Geschenk sein!“

Zusammen mit drei Kolleginnen und Kollegen engagiert sich Schwester Peregrina auch in der Internetseelsorge des Bistums Osnabrück.
Hier können sich – nicht nur an Weihnachten – Menschen per E-Mail melden, die Fragen und Sorgen haben.

„Das Bedürfnis, mit jemandem zu reden, steigt zu dieser Zeit des Jahres merklich an“, weiß Rainer Gelhot. Er ist Gemeindereferent, Ansprechpartner für die Internetseelsorge im Bistum Osnabrück und arbeitet seit Jahren bei der Onlinekirche St. Bonifatius mit. „In der Vorweihnachtszeit wiegen Probleme oft noch schwerer: wenn man sieht, dass alle Menschen um einen herum glücklich sind und sich aufs Fest freuen, dann erscheinen einem die eigenen Sorgen – Arbeitslosigkeit, Krankheit, Armut, Einsamkeit – natürlich gleich viel schlimmer.“

Hilfe bei Problemen

Die Internetseelsorger des Bistums Osnabrück sind in solchen Fällen da: „Manchmal hilft es schon, wenn man den Menschen einfach nur zuhört und zeigt: Hier ist jemand, der interessiert sich für deine Probleme“, sagt Rainer Gelhot. „Die Betroffenen wissen dann, dass sie nicht ganz so allein sind, wie sie sich vielleicht fühlen.“ Wem das nicht reicht, für den bieten die Internetseelsorger weitere Hilfe an: Sie vermitteln zu Ansprechpartnern und Beratungsstellen in der Region und weisen gerade in der Weihnachtszeit auf die Angebote der Kirche und sozialer Organisationen hin.

In Osnabrück zum Beispiel muss an Heilig Abend niemand alleine sein. „Jeder, der Weihnachten zusammen mit anderen feiern will, ist uns herzlich willkommen“, betont Karin Vornhülz. Sie organisiert seit vielen Jahren am Heiligen Abend eine Weihnachtsfeier mit der Gemeinschaft Sant’Egidio. Die beginnt am 24. Dezember um 17 Uhr mit einer Messe in der Kirche St. Barbara, anschließend geht es zum gemeinsamen Abendessen in die nahe gelegene Kindertagesstätte. Hier werden Weihnachtslieder gesungen und Geschichten vorgelesen. Am Ende des Abends gibt es für jeden ein kleines Geschenk. Die Teilnahme ist kostenlos, Hin- und Rückfahrt können organisiert werden. Wer will, kann sich dafür bei Karin Vornhülz anmelden (Telefon 0541 318-159). Zusammen mit anderen Ehrenamtlichen freut sie sich jedes Jahr auf dieses Ereignis: „Heiligabend ist nun mal für Christen ein sehr besonderer Abend: das Fest der Liebe, das wir gerne gemeinsam mit anderen verbringen. Es ist schön, zu sehen, wie dieser Gedanke von Weihnachten bei den Menschen ankommt und am Ende die Augen aller Beteiligten strahlen.“