Lernen von den Hoppenstedts – eine Anleitung zum unfriedlichen Weihnachten

Ein weißer Hund liegt auf einem GEschenk, dahinter ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum
An Weihnachten auf den Hund gekommen? Das muss nicht sein - Christoph Hutter gibt Hinweise für ein friedliches und stressfreies Weihnachten. Bild: unsplash.com, Andrew Te

Das Weihnachtsfest bei Familie Hoppenstedt ist legendär. Loriot nahm in seinem Sketch so ziemlich alles aufs Korn, für das das Fest steht: Tradition, Familie und „Gemütlichkeit“. Dabei können die Tage um den 24. Dezember manchmal auch ziemlich ungemütlich sein. Wenn gegensätzliche Erwartungen und Vorstellungen aufeinanderprallen, wenn Familienmitglieder, die sich sonst eher nicht sehen, über einen längeren Zeitraum zusammen sind. Wie Weihnachten trotzdem ein friedliches Fest bleiben kann, dazu gibt Christoph Hutter, Leiter der Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung im Bistum Osnabrück, Impulse.

Bei den Hoppenstedts geht es an den Festtagen hoch her. Und dabei hatte Vater Hoppenstedt doch einen festen Plan: „Erst wird der Baum fertig geschmückt. Dann sagt Dicki ein Gedicht auf, dann holen wir die Geschenke rein. Dann sehen wir uns die Weihnachtssendung im Ersten Programm an, dann wird ausgepackt und dann machen wir es uns gemütlich.“ Aber es wird alles anders und am Schluss sind alle unzufrieden. „Früher war mehr Lametta“ findet der Opa.

Auf einen Blick: Drei Hinweise für ein friedliches Weihnachten

  • Klare Absprachen: Sei es bei Geschenken, beim Essen oder der zeitlichen Planung des Festes: Es helfen klare Absprachen, damit alle wissen, woran sie sind.
  • Realistisches Erwartungsmanagment: Es muss nicht immer das schönste, beste, wundervollste Weihnachten aller Zeiten sein! Fahren sie ihre Erwartungen herunter. Ein leckerer Kartoffelsalat und (Tofu-)Würstchen tun es manchmal auch.
  • Kümmern sie sich um den Familienteil, für den sie „zuständig“ sind: Wenn sie sich ungefragt in die Familiendinge ihrer Partnerin / ihres Partners einmischen, können sie nur verlieren! Halten sie sich raus und werden sie nur tätig, wenn sie darum gebeten werden.

Für Christoph Hutter ist der Sketch von Loriot die perfekte Anleitung dafür, wie man Weihnachten nicht feiern sollte. Zumindest nicht, wenn man ein Fest möchte, das der Botschaft des Engels „Und Frieden auf Erden den Menschen seiner Gnade“ gerecht wird. „Idealisierung ist das große Thema von Weihnachten“, sagt der Familienberater und Theologe. Als Kind haben viele die Feier mit Christbaum, Lichterglanz und Geschenken erlebt und dazu die Erfahrung gemacht: Ich bin klein, trage keine Verantwortung, jemand baut mir einen festlichen Rahmen, das ist schön. „Wir wollen dann das alles auch als Erwachsene. Aber das passt nicht mehr“, sagt Christoph Hutter. Es habe ein Rollenwechsel stattgefunden: Das Fest soll zwar weiterhin so glänzend und golden sein, wie damals, aber wir haben die Kinderaugen verloren. Dazu kommt, dass in der Erinnerung meist alles besser ist, als das Fest damals objektiv war. Denn als Kind bekam man vieles nicht mit. „In der Erinnerung schmeckt der Festtagsbraten leckerer, die Kerzen brannten heller und der Baum war größer. Mit den verklärten Erinnerungen können wir nicht mithalten, da können wir machen, was wir wollen“, so Christoph Hutter.

„Weihnachten zerschellt an unseren Erwartungen“, ist sein Fazit. So komme viel Frust auf, weil man das perfekte Fest aus Kindertagen nicht mehr verwirklichen kann – irgendetwas stört immer.

James Bond statt Stille Nacht? Warum nicht!  

Aber wie kommt man auch beim „Fest der Feste“ zu einem guten Erwartungsmanagement in der Familie? „Ich plädiere sehr für klare Absprachen“, sagt Christoph Hutter. Es muss beispielswiese nichts Schlechtes sein, zu klären, was man sich schenkt. Dann fällt die Enttäuschung weg, wenn unterm Baum die Geschenkpapierhüllen fallen und eben nicht das insgeheim erhoffte Diamantcollier zum Vorschein kommt, sondern die Bio-Wollsocken.

Auch sollte man an Weihnachten vom Drang lassen, dass alles perfekt sein muss: Muss es die 1a-Tanne, der allerbesinnlichste Gottesdienst, das Sterne-Weihnachtsessen sein? Nein, findet Hutter. Generell sollte jede und jeder schauen, so entspannt und stressfrei durch die Tage zu kommen wie möglich. Traditionen, wie Kartoffelsalat und Würstchen (oder eine vegetarische/vegane Variante), also einfache Gerichte an Heiligabend, seien da durchaus hilfreich.

Außerdem gehe es darum, dem Erwartungsdruck zu entfliehen. Wer „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ nicht ausstehen kann, sollte es auch nicht ansehen müssen. Und wer keine Weihnachtslieder mag, sollte auch nicht gezwungen sein, unter dem Baum zu singen – selbst wenn Opa Klavier spielt. „Und wer sich lieber den James Bond anschauen mag, soll das dann auch tun.“

Weitere Infos

Die Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung im Bistum Osnabrück ist ein psychologischer Fachdienst, der Eltern, Kinder, Jugendliche und Erwachsene – ob als Einzelpersonen, Familien oder Teilfamilien – berät. Die Beraterinnen und Berater arbeiten im Rahmen pastoraler Ehe-, Familien- und Lebensbegleitung und sind gleichzeitig als ein anerkannter Dienst der Kinder- und Jugendhilfe nach dem Sozialgesetzbuch VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) tätig. EFLE gibt es an zehn Standorten im Bistum Osnabrück. Weitere Infos unter www.efle-beratung.de

Dass Weihnachten zum Quell von Familienstreitigkeiten werden kann, liegt auch daran, dass es eine Unterbrechung des Alltags ist. „Dieser ist ja eine recht beziehungsfreie Zeit“, so Hutter. Man funktioniert, spricht in der Familie über die nötigen, organisatorischen Dinge. Vielen bleibt kaum Zeit für anderes. An Weihnachten (oder auch im Urlaub) bricht dann alles auf, was sich die Monate über angestaut hat – weil eben Zeit und Gelegenheit dafür ist. „Jedes System wird besonders instabil am Übergang“, sagt Hutter.

Und wenn es trotzdem einmal an Weihnachten kracht? Dann könne man sich trösten, dass bei der „Heiligen Familie“ auch nicht alles heilig gewesen sei. „Im Stall da stinkt´s“ sagt Hutter und lacht. Jesus, Maria und Josef hätten viele Themen gehabt, die auch bei den Familientherapien zur Sprache kämen: ein Mann, der seine Frau mit ihrem unehelichen Kind durchbringt, das überdies noch eine ausgeprägte Pubertät durchmacht – siehe die Geschichte vom ausgebüxten Jesus, den seine verdutzen Eltern im Tempel wiederfinden. So gesehen ist die Familie aus Nazareth den Hoppenstedts von nebenan dann doch gar nicht so unähnlich …