Wenn Gott anders kommt

zwei Kinder im Sonnenuntergang
Bild: photocase.de, Juttaschnecke

Am Abend dieses ersten Tages der Woche, als die Jünger aus Furcht vor den Juden bei verschlossenen Türen beisammen waren, kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Nach diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. Nachdem er das gesagt hatte, hauchte er sie an und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; denen ihr sie behaltet, sind sie behalten. Thomas, der Dídymus genannt wurde, einer der Zwölf, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Die anderen Jünger sagten zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er entgegnete ihnen: Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe und wenn ich meinen Finger nicht in das Mal der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht. Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt und Thomas war dabei. Da kam Jesus bei verschlossenen Türen, trat in ihre Mitte und sagte: Friede sei mit euch! Dann sagte er zu Thomas: Streck deinen Finger hierher aus und sieh meine Hände! Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! Thomas antwortete und sagte zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus sagte zu ihm: Weil du mich gesehen hast, glaubst du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben. Noch viele andere Zeichen hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan, die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind. Diese aber sind aufgeschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr durch den Glauben Leben habt in seinem Namen.

Johannes 20,19-31

Wir sind noch mitten in der Osterzeit – einer Zeit, die uns zeigt: Gott kommt oft anders, als wir es erwarten. Im Evangelium hören wir, dass die Jünger sich in einem Raum eingeschlossen haben – aus Angst, aus Unsicherheit, aus Sorge. Vielleicht kennen wir das auch in unserem Leben – Räume, in die wir uns zurückziehen, weil wir uns nicht hinauswagen. Und genau dorthin kommt Jesus. Er tritt ein in den Raum. Er kommt auch in die Räume, die wir selbst meiden.

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Wenn Gott anders kommt, bleibt er nicht vor verschlossenen Türen stehen.
Er ist einfach da – mitten unter uns. Und er sagt: „Der Friede sei mit euch.“

Das ist das Außergewöhnliche an Ostern: Jesus kommt hinein – und die Jünger gehen hinaus. Aus Angst wird Mut, aus Verschlossenheit wird Aufbruch, aus Stillstand wird Leben. Auch Thomas erlebt das. Er zweifelt, er sucht, er will verstehen. Doch Jesus begegnet ihm genau dort, wo er steht – geduldig und nah.

Wenn Gott anders kommt, als wir es erwarten, dann nimmt er unseren Zweifel ernst und verwandelt ihn in Glauben.

Wenn Gott anders kommt, beginnt neues Leben – oft leise, unerwartet, aber kraftvoll. Wie Huub Oosterhuis schreibt: „Ostern heißt: hoffen gegen alle Tatsachen. Glauben, dass das Leben stärker ist als der Tod. Dem Licht trauen, auch wenn es noch verborgen ist. Und darauf vertrauen, dass Gott alles neu macht.“

Wir dürfen darauf vertrauen: Er tritt in unsere verschlossenen Räume – und führt uns hinaus ins Leben.

Nijil Chiramal ofm

Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

1. Korinther 13,13
Kind mit Herz