Ein geschichtsträchtiger Schritt

Bischof Bode in der Katharinenkirche Osnabrück
Bischof Bode beim ökumenischer Buß- und Versöhnungsgottesdienst in St. Katharinen am 12. März 2017 Bild: Bistum Osnabrück

„Wir danken Gott, dass es euch gibt und dass ihr den Namen Jesu Christi tragt.“ Diese Worte haben mich zutiefst berührt, als evangelische und katholische Christen sich das am vergangenen Sonntag gegenseitig öffentlich sagen konnten.

Zunächst in Hildesheim für ganz Deutschland und dann in Osnabrück für Niedersachsen fanden unter großer Beteiligung Versöhnungsgottesdienste statt zur „Healing of Memories“, zur Heilung der Erinnerung an die weithin unheilvolle 500-jährige Geschichte der Protestanten und der Katholiken.

„Wir danken Gott, dass es euch gibt und dass ihr den Namen Jesu Christi tragt.“ Diese Aussage wäre vor 20 Jahren noch undenkbar gewesen, weil wir es nicht gewagt hätten, alles auszusprechen, was wir uns gegenseitig angetan haben, und erst recht nicht, was wir heute aneinander haben. Zum ersten Mal gibt es ein großes Reformationsgedenken der evangelischen Kirchen zusammen mit den Katholiken. Zum ersten Mal wird neben dem Skandal der Spaltung auch die Dankbarkeit über das inzwischen erreichte Miteinander bewusst. Die „Heilung der Erinnerung“, die „Reinigung des Gedächtnisses“, das ehrliche Anschauen des jahrhundertelangen Gegen- und Nebeneinanders ermöglichen einen neuen Blick in die Zukunft.

Über den Autor

Franz-Josef Bode ist unser Bischof und Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2010, damals als erster deutscher Bischof, schreibt Bode in unserem Bistumsblog über Begegnungen und Gedanken aus seinem bischöflichen Alltag.

Ich bin deshalb so tief berührt von diesen historischen Begegnungen in Hildesheim, Osnabrück und anderswo, weil in unserer Zeit des Missbrauchs von Religion für Gewalt, in unserer Zeit des weitverbreiteten Atheismus und einer wachsenden Gleichgültigkeit gegenüber Gott nur ein einiges Christentum glaubwürdig und einladend sein kann. Die Einheit der Christen, die eine echte, bedeutsame Alternative sind zu den Herrschern des Marktes, denen nur das wirklich etwas gilt, was kaufbar, machbar, herstellbar, verdienbar und denkbar ist.

„Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit“ singen wir seit bald 200 Jahren. – Im Hier und Heute hat sich ein Aufbruch vollzogen, der bei allen noch anstehenden Hindernissen ein geschichtsträchtiger Schritt ist. Auch für meinen priesterlichen Weg als katholischer Bischof zusammen mit den evangelischen Geschwistern.

 

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