60 Jahre Heilige fürs Fernsehen

alter Fernseher auf einem Hocker
Bild: unsplash.com, Ajeet Mestry

Eigentlich eine Schnapsidee – eine Heilige, die zuständig sein soll fürs Fernsehen! Nicht eine, die in irgendeiner Show auftritt, sondern eine, die Anwältin ist im Himmel für alle, die Fernsehen machen und Fernsehen schauen. 1958, als immer mehr Menschen einen Fernsehapparat bei sich zuhause hatten, schien der Gedanke, dafür die Zuständigkeit im Himmel zu klären, gar nicht so abwegig. Aber wer käme dafür in Frage?

Als man auf die Suche ging, wer einigermaßen gut begründet das Patronat für das neue Medium übernehmen könnte, ist irgendjemandem diese Geschichte eingefallen:

In einer Winternacht im Jahr 1252 liegt eine traurige alte Frau auf einem Strohlager in ihrem kleinen Kloster vor den Mauern der Stadt Assisi. Sie ist zu krank, um mit ihren Gefährtinnen den Weihnachtsgottesdienst mitzufeiern. Sie fühlt sich allein. Nicht mal ein Licht darf brennen, aus Sicherheitsgründen. Sie ist tief gläubig, aber beklagt sich trotzdem bei Gott: „Schau, wie man mich bei dir allein gelassen hat!“
Und was macht er? Erweist sich als einfallsreicher und äußerst großzügig. In einer Art Liveübertragung darf Klara von Assisi sehen und hören, wie in der Kirche des heiligen Franz festlich gesungen und wunderschön gefeiert wird.
Im Sommer des nächsten Jahres wird sie sterben, am 11. August 1253. Noch auf dem Sterbebett – übrigens an gleicher Stelle wie das Krankenlager – kann sie ihrer eigenen Seele Mut zusprechen: „Geh sicher in Frieden, denn du wirst ein gutes Geleit haben. Der, der dich erschaffen hat, hat dich immer beschützt, wie eine Mutter ihr Kind, das sie liebt.“ Klara überblickt – spätestens seit dieser Weihnachtserfahrung – mehr als nur den winzigen Radius ihres Klosters. Sie hat mit Gottes liebevoller Unterstützung buchstäblich gelernt, weiter zu sehen.

Über die Autorin

Martina Kreidler-Kos ist zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. Natürlich liegen ihr diese Themen besonders am Herzen – aber nicht nur. Sie hat im Alltag ein wachsames Auge. Denn dort trifft sie auf große Dinge oder nur scheinbar kleine Nebensächlichkeiten.

Klara von Assisi ist seit genau 60 Jahren die Patronin des Fernsehens. Man mag über dieses Unternehmen schmunzeln. Man mag außerdem denken, dass dieses Medium seine Brisanz längst verloren hat. Klara ist wohlgemerkt weder für das Internet noch für Streaming-Dienste zuständig. Doch die heute etwas skurril anmutende Verbindung von ihrer Erfahrung an Weihnachten 1252 und dieser kirchlichen Aktion hat eine schöne Pointe: Gott verdirbt nicht jeden Spaß, im Gegenteil, er versteht und fördert, wenn Menschen sich einfach mal wegträumen. Gott tröstet – und das manchmal äußerst phantasievoll.

Wer noch mehr über Klara und ihre Geschichte erfahren möchte, der darf übrigens gerne hier weiterlesen!

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