Beerdigung – wie geht das heute katholisch?

Beerdigung – wie geht das heute katholisch?
Bild: unsplash.com, Mayron Oliveira

Es ist ein Thema, mit dem sich die meisten Menschen nicht ganz freiwillig beschäftigen. Martin Splett, Referent für Hospizarbeit und Trauerpastoral im Bistum Osnabrück, erklärt, was bei einer katholischen Beerdigung zu beachten ist.

Ich habe einen unerwarteten Todesfall in der Familie. Um was muss ich mich als Erstes kümmern?

Zunächst um einen Arzt, der den Tod offiziell feststellen muss; meistens ist das der Hausarzt. Wenn dann die engsten Angehörigen informiert sind, kann man einen Bestatter kontaktieren, oder auch einen Seelsorger, zum Beispiel für ein kirchliches Totengebet im Haus.

Schließt das Eine das Andere aus?

Nein, gar nicht. Der Bestatter hat alles Anstehende auf dem Schirm. Er sollte gut vernetzt sein und fragt die Hinterbliebenen in der Regel auch von sich aus, ob sie eine kirchliche Feier bzw. seelsorglichen Beistand wünschen.

Wie wird man eigentlich „katholisch“ beerdigt?

Mit der Zeit haben sich unterschiedliche Formen herausgebildet. Das Klassische ist die feierliche Erdbestattung mit Sarg, in katholischen Gegenden noch häufig mit Requiem, also einer Messe vor oder nach der Beerdigung auf dem Friedhof. Doch häufiger sind heute Trauerfeiern ohne Messe, dafür mit einem Wortgottesdienst. Zudem überwiegen mittlerweile Urnenbestattungen, besonders in den Städten. Auch katholische Trauerfeiern und Beisetzungen nach einer Verbrennung des Leichnams sind kein Problem, solange diese nicht aus Überlegungen geschieht, die nicht zum christlichen Glauben an die Auferstehung passen.

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Martin Splett

Martin Splett
Referent für Hospizarbeit und Trauerpastoral
Domhof 12
49074 Osnabrück
0541 318-254
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Mittlerweile hat sich auch die Art des Grabes geändert …

Ja, es gibt eine ganze Palette von Möglichkeiten. Zu den Trends unserer Zeit gehören Individualität und Mobilität. Das bedeutet auch, Angehörige leben oft weit voneinander entfernt; die Grabpflege wird schwieriger. Die Gesellschaft wird bunter, und bunter werden auch die Vorstellungen über Orte und Formen des Totengedenkens. So gibt es neben den klassischen Friedhöfen – oder auch auf ihnen – andere Varianten wie das Wiesengrab oder Kolumbarien, Aufbewahrungsstätten für Urnen über der Erde. In unserem Bistum gibt es bereits einige Kolumbarien in umgewidmeten Kirchenräumen, weitere entstehen. Am Meer gibt es darüber hinaus die Möglichkeit der Seebestattung, bei der die Urne an einer bestimmten Koordinate ins Wasser gelassen wird.

Was macht die Kirche nicht mit?

Zum Beispiel lehnen wir anonyme Grabstätten ab, denn uns sind Gedenken und Trauer wichtig, und dafür braucht es auch Orte. Wir wollen, dass an Menschen erinnert wird und dass sie auch genannt werden – zumal wir glauben, dass sie nicht im Tod bleiben. In Bremen gelten bundesweit die freizügigsten Regelungen, dort darf auch die Urne mit nach Hause genommen werden. Auch das tragen wir nicht mit. Jemand, der stirbt, ist mit vielen Menschen in Verbindung gewesen und ich finde es zu kurz gegriffen, wenn man sagt: Die Asche gehört dem Ehemann oder der Tochter, und die können sie mitnehmen.

Habe ich ein Recht darauf, von einem Priester bestattet zu werden?

In der Regel bemüht man sich natürlich, auf die Wünsche der Verstorbenen und der Hinterbliebenen einzugehen. Zugleich geht die Zahl der Priester bekanntlich deutlich zurück, darum sind neben Priestern und Diakonen in unserem Bistum seit einigen Jahren auch pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Beerdigungsdienst tätig. Sie werden dafür eigens ausgebildet, und die Erfahrungen sind durchweg positiv. Für die Messfeier braucht es immer einen Priester, wobei auch eine andere Person davor oder danach bestatten kann.

Angenommen, ich möchte einen Angehörigen katholisch beerdigen lassen, aber war schon ewig nicht mehr in der Kirche. Muss ich mir die Texte und Lieder für die Feier selber aussuchen und ist das nicht alles zusätzlicher Stress?

Also, vor der Beerdigung ist man meistens eh schon ziemlich durch den Wind. Niemand sollte sich zusätzlich unter Druck fühlen oder sich dafür schämen müssen, mit christlichen Riten und liturgischen Gebräuchen unvertraut zu sein. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger wissen, dass sie oft nicht feste Katholiken oder regelmäßige Kirchgänger vor sich haben. Im vorbereitenden Gespräch erkunden sie Anliegen, machen Angebote und kümmern sich für die Trauerfeier so um alles, dass die Angehörigen nicht zusätzlich belastet sind.

Und wie ist es umgekehrt, wie flexibel darf ich mich einbringen? Ist ein Song von Sarah Connor und ein selbstgeschriebenes Gedicht okay?

Persönliche Elemente sind natürlich gewünscht und gewollt, auch durch Texte und Lieder, die eine besondere Bedeutung für den Verstorbenen oder die Angehörigen haben. Hier sollten die Seelsorger sensibel und offen sein. Zugleich würde sich die Kirche unglaubwürdig machen, wenn für sie unterschiedslos alles ok wäre. „Weltliche“ Texte und Lieder sollten sich schon mit dem kirchlichen Charakter der Feier vertragen. Nach einem mittlerweile veralteten Vorurteil geht es bei katholischen Beerdigungen um die Auferstehungshoffnung und bei den protestantischen um die Würdigung des Verstorbenen. Ich denke, beides wird beiden nicht gerecht. Natürlich spielt bei katholischen Feiern die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles aus ist, eine Rolle; zugleich wird selbstverständlich die Persönlichkeit und das Leben des Verstorbenen gewürdigt, mit Raum für Trauer über ihren Verlust. Wenn dabei ein Song von Sarah Connor oder ein selbstgeschriebenes Gedicht helfen – oder Bilder und andere Symbole, warum nicht? Kirchliche Trauerfeiern sind häufig viel bunter, als es Schwarz als Trauerfarbe so nahelegen würde. Das ist manchen vielleicht nicht so bewusst.