Die Menschen zum Klingen bringen

Die Menschen zum Klingen bringen
Bild: unsplash.com Edward Cisneros

Musik kann Kraft und Mut geben – auch und gerade in der Kirche. Davon ist Stefanie Lübbers überzeugt. Schließlich gehören Gesang und Instrumentalspiel fast zu jedem Gottesdienst – sei es die Sonntagsmesse, die Hochzeitsfeier oder die Beerdigung. Es kommt aber auch auf die Gestaltung an – und da hat die Theologin, die in der Abteilung Seelsorge des Bistums Osnabrück als Referentin für liturgische Bildung arbeitet, ein paar Tipps.

„Musik bringt Menschen zum Klingen“, sagt Stefanie Lübbers. Sie erinnert sich beispielsweise an eine Frau mit Depressionen, die an einem Workshop zum „Neuen Geistlichen Lied“ (NGL) teilnahm. „Sie wollte erst gar nicht kommen, hat sich doch aufgerafft und hat am Ende gesagt ‚Es ist gut, dass ich da war‘.“

Stefanie Lübbers
Stefanie Lübbers

Stefanie Lübbers hat in den vergangenen Jahren immer wieder darüber nachgedacht, wie Musik im Gottesdienst zur Geltung kommt. „Die Liturgie hat viel mit Musik zu tun: die Liedauswahl, welche Strophen gesungen werden, das alles trägt dazu bei, einen guten Gottesdienst zu gestalten“, sagt Lübbers – einen Gottesdienst, der Menschen anspricht.

Ausgerechnet die Corona-Pandemie habe eine Chance eröffnet: Dadurch, dass der Gemeindegesang reduziert war, fiel der Druck weg, nur Lieder im Gottesdienst zu spielen, „die man kennt“. Manche Kantorinnen und Kantoren nutzten diese neuen Freiheiten. Stefanie Lübbers plädiert dafür, diese Vielfalt beizubehalten und weiter auszubauen – die Menschen im Gottesdienst sollten schließlich „Feuer fangen“ und dazu gehöre auch, ab und an etwas Neues, Unbekanntes zu hören. „Bei Hochzeiten bringt das Paar oftmals die eigene Playlist in die Vorbereitung mit – und das sind eher nicht die klassischen geistlichen Lieder.“

Musiktipps von Stefanie Lübbers

Man dürfe die Hörgewohnheiten beispielsweise der 15- bis 35-Jährigen ernst nehmen, sagt sie. Vielleicht können so auch andere Menschen dazu begeistert werden, Musik im Gottesdienst zu machen – wenn auch das E-Piano oder ein anderes Instrument zum Zuge kommt. „Keiner kann alles können, wir brauche die Bereitschaft, die Vielfalt zu fördern.“

Das NGL sei eine weitere Möglichkeit, um mehr Menschen zu erreichen. Wobei sie nicht an die altbekannten Lieder wie „Kleines Senfkorn Hoffnung“ denkt. Christliche Popularmusik sei sehr viel vielschichtiger als es landläufig bekannt sei. Allerdings fänden sich im Gotteslob eher ältere Lieder aus dem Bereich. „Es lohnt sich in neue Literatur aus dem Bereich zu investieren! Zum Beispiel wird das ‚God for Youth‘-Buch oder das ‚Junge Gotteslob‘ im Bistum Osnabrück viel genutzt.“

Und auch wenn oftmals keine Profimusiker in der Kirche spielen, sollte man versuchen, einen gewissen Qualitätsstandard zu erreichen – beispielsweise indem es weniger Gottesdienste gibt, die aber dafür besser vorbereitet werden. Sie findet es auch sinnvoll, wenn sich Chöre mit der Stückauswahl nicht überfordern und wenn sich die Verantwortlichen für Text und Musik im Gottesdienst sich zusammen rechtzeitig Gedanken machen.

Weitere Infos

Natürlich sind dafür Ressourcen nötig, die nicht überall vorhanden sind. Und es kostet Arbeit und Mühe. Sie regt deshalb an, auch über Gemeindegrenzen hinweg zu denken und neue Wege einzuschlagen. Denn eins ist für sie klar: „Musik, die gut gemacht ist, ist ein wunderbares Instrument, damit die Menschen untereinander, mit sich selbst und geistlichen Inhalten in Kontakt kommen können.“

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