Ein Gegenentwurf: Liebe

Plakat mit Herz bei einer Demonstration
Bild: unsplash.com, Ben Mater

Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach: Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden. Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben. Selig die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden. Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden. Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen. Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich. Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.

Matthäus 5,1-12a

Eine wirklich frohe Botschaft, die Seligpreisungen Jesu! Ich frage mich, wie die Menschen, die Jesus gefolgt waren, die an seinen Lippen hingen, diese Worte gehört und aufgenommen haben. Sicherlich unterschiedlich. Je nachdem, wo und wie ihr gesellschaftlicher Status war, waren die Worte tröstend, hoffnungschenkend, befreiend oder eine Herausforderung und gar ein Ärgernis. 

Hermann Steinkamp

Die Seligpreisungen sind die Einleitungsworte zur Bergpredigt, zur „Magna Charta der Liebe“. Für die Menschen damals, die um Jesus versammelt waren, klangen diese Worte so ganz anders, als die Worte der Mächtigen, die sie sonst zu hören bekamen. Sie sind keine Worte der Unwahrheit, des Hasses, der Entsolidarisierung und Entmenschlichung. Sie waren und sind ein Gegenentwurf zu den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen damals wie heute.

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Manche sagen: Ja, es sind schöne, aufbauende Worte, aber mit ihnen kann man keine Politik machen. Ist Jesus nicht auch gescheitert mit seiner Reich-Gottes-Idee? Ist es so, dass der „Mensch dem Menschen ein Wolf ist“ wie der Philosoph Thomas Hobbes im 17. Jahrhundert schrieb? Geht es dem Menschen an sich nur um die rücksichtslose Durchsetzung der Macht des Stärkeren gegen den Gemeinsinn und das Gemeinwohl? Zu welch Bösem Menschen fähig sind, daran hat uns der Gedenktag der Shoah am vergangenen 27. Januar wieder erinnert. 

Aber wir Menschen können auch anders. Die Rede des kanadischen Premierministers Mark Carneyin Davos hat viel Öffentlichkeit erfahren, weil sie eine zivilisierte und wertebasierte Gegenstimme zur lauten Stimme aus dem Weißen Haus war. Die vielen Menschen, die in Minneapolis um Renee Good und Alex Pretti trauern, ihr Mitgefühl und ihre Solidarität bekunden, sind ein Gegenentwurf zu der spaltenden Politik im Oval Office. Die Stimmen der Überlebenden der Shoa, die uns mahnen: Erinnert euch, bleibt wachsam, habt den Mut, eure Stimme zu erheben gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzungen in jeglicher Weise!

Der Schriftsteller Daniel Schreiber verweist in seinem aktuellen Buch „Liebe! Ein Aufruf“ auf die Macht der Liebe. „Auch wenn Liebe kein politisches Mittel ist, gewährleistet sie, dass wir immer die Freiheit haben, von Neuem zu beginnen. Dass es uns immer wieder gelingen kann, die Welt zu verändern.“

Mit den Seligpreisungen erinnert uns Jesus daran, zu welcher menschenfreundlichen Haltung, zu welchem Handeln wir Menschen aus Liebe fähig sind. Sie sind Gottes Appell an das Gute, an die Liebe, die er in uns Menschen eingepflanzt hat.

Hermann Steinkamp

Wer nicht liebhat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.

1. Johannes 4,8
Blumen, pink