Eindrücke vom Weltjugendtag

An einer Hauswand in Biskupiec:
An einer Hauswand in Biskupiec Bild: Bistum Osnabrück

Zu Atem kommen – das kann auch dadurch geschehen, sich neue und andere Eindrücke zu verschaffen. Das durfte ich gemeinsam mit vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf dem Weltjugendtag in Polen erleben.

Nach den „Tagen der Begegnung“ in Olsztyn fanden die Hauptveranstaltungen mit unserem Papst Franziskus in Krakau statt. Beeindruckend waren die Gastfreundschaft und die dichte Atmosphäre, in der wir über nationale und kulturelle Grenzen hinweg gefeiert, uns ausgetauscht, meditiert und gebetet haben – ein weltumfassendes Miteinander aus dem Glauben heraus!

Natürlich haben wir auch erlebt, dass dieser Weltjugendtag nicht „unter einer Glasglocke“ stattgefunden hat. So haben uns – auch vor den verschiedenen Schreckensnachrichten der letzten Zeit – die Geiselnahme von Gläubigen und der Ermordung des Pfarrers während der Messfeier in Nordfrankreich erschüttert. Da drängte sich die bange Frage auf, wie angesichts solcher Taten auf Dauer rund um den Globus überhaupt Schritte zu einem guten Miteinander möglich sein sollen, und welche Rolle dabei das Christentum und die anderen Religionen zu spielen haben.

Über den Autor

Johannes Wübbe ist Weihbischof in unserem Bistum. Auf wen er in seinem Alltag trifft und was ihn bewegt – wir werden das in seinen Blogbeiträgen verfolgen.

Die vielen positiven Begegnungen mit zuvor ganz fremden Menschen gaben und geben mir und anderen dabei aber die Zuversicht, dass uns Gott für alle anstehenden Prozesse einen „langen Atem“ schenken will: einen langen Atem beim Engagement für eine gerechte und friedvolle Welt – wie auch immer dieses Engagement für den einzelnen Menschen auch konkret aussehen mag.

Zum Vertrauen in diesen langen Atem, der ein Geschenk Gottes ist, ermutigen auch die Worte des Papstes, die vielen aus dem Herzen gesprochen haben. Besonders den Jugendlichen traut er zu, die Welt zum Besseren zu verändern, und fordert sie heraus, Verantwortung zu übernehmen. Deutlich spricht er die drängenden aktuellen Fragestellungen unserer Zeit an, weicht nicht aus und steht auch selber für eine gerechte und barmherzige Welt ein. In der Vigil am Samstagabend lud Franziskus ein: „Ihr seid eine Chance für die Zukunft. Habt den Mut, uns zu belehren; habt den Mut, uns zu lehren, dass es einfacher ist, Brücken zu bauen, als Mauern zu errichten! Wir haben es nötig, das zu lernen. Und alle gemeinsam bitten wir, dass ihr von uns verlangt, Wege der Brüderlichkeit zu gehen. Dass ihr unsere Ankläger seid, wenn wir den Weg der Mauern, den Weg der Feindschaft, den Weg des Krieges wählen.“

Ein solches Leben auf den Spuren des barmherzigen Gottes: Es würde für viele „A Better Tomorrow“ bedeuten. Und für die Wege dahin immer wieder neu Atem zu schöpfen und sich in Begegnungen über nationale und kulturelle Grenzen hinweg gegenseitig zu stärken – das tut Not und tut gut!

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