Freundschaft ist heilig

Zwei Hände halten sich an den Fingern fest
Bild: pixabay.com, Pinky Swear

In der vergangenen Woche hat meine Heimatstadt Paderborn wieder ausgiebig das Libori-Fest gefeiert. Ich habe sicher schon über 50 mal daran teilgenommen. Durch die Übertragung der Reliquien des heiligen Bischofs Liborius von Le Mans in Frankreich nach Paderborn in Westfalen im Jahr 836 ist eine nun schon über 1000 Jahre währende Freundschaft zwischen diesen beiden Städten und Bistümern entstanden.

Ein Wunder der Geschichte, das oft unterschätzt wird. Denn diese Freundschaft hielt auch in der langen Zeit der (Erb-)Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland und ist gerade heute in einem Europa der neuen Abschottungen von höchster Bedeutung. So war auch das Leitwort des diesjährigen Libori-Festes: „Freundschaft ist heilig“.

Mir ist bei der Feier, an der Bischöfe und Vertreter aus vielen Ländern teilnahmen, noch einmal eindrucksvoll bewusst geworden, was Freundschaft auf allen Ebenen des Lebens bedeutet. Was sie bedeutet, wo doch viele eher auf berechenbare und kalkulierte Beziehungen setzen. Was sie bedeutet, wenn in Europa die Länder disparate Wege gehen und man sich alles andere als einig ist über entscheidende Fragen für die Zukunft wie etwa die Flüchtlingsfrage.

Freundschaft ist besonders notwendig, wenn ansonsten einfach alles nebeneinandersteht und gleich-gültig ist. Denn erst Freundschaft in echter Beziehungsfähigkeit ermöglicht ein fruchtbringendes, schöpferisches Miteinander.

Über den Autor

Franz-Josef Bode ist unser Bischof und Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2010, damals als erster deutscher Bischof, schreibt Bode in unserem Bistumsblog über Begegnungen und Gedanken aus seinem bischöflichen Alltag.

So ist es auch im Jahr des Reformationsgedenkens. Ein tiefes, kluges, solides Miteinander der Konfessionen, die gemeinsam überzeugend ihr Christsein leben, ist not-wendig für die Zukunft des Christentums und der Welt angesichts des Missbrauchs von Religion und angesichts des sich ausbreitenden Nicht-Glaubens. Vertrauensbildung, Beziehungsfähigkeit, ja Freundschaft begründen Netzwerke in Kirche und Welt, die tragfähig und haltbar sind.

Die Freundschaft der Kirchen und der Städte von Le Mans und Paderborn gründen in der Überzeugung, dass Gott selbst uns seine Freundschaft in Christus angeboten hat. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde“, sagt Jesus (vgl. Joh 15,15). Auch noch so positive menschliche Freundschaft auf allen Ebenen braucht diese Verwurzelung und Gründung in der Freundschaft mit Gott und seinen Geschöpfen. Libori ist ein sehr eindrückliches Zeichen dafür und umso mehr eine Herausforderung zu neuer Freundschaft und Frieden für uns alle.

 

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