Gott begegnet uns in jedem Menschen

Heilige Familie
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In zwei Tagen ist Heiligabend. Für mich ein Tag vieler Begegnungen mit Menschen, die krank, traurig, obdachlos, perspektivlos sind, aber auch mit Menschen, die zuversichtlich auf Genesung hoffen und Pläne für ihr Leben haben. Gemeinsam ist ihnen allen die Sehnsucht nach Heilung, nach Frieden, nach Licht, nach Gemeinschaft, nach einer besseren Zukunft.

Fast 500 Menschen gebe ich die Hand zum Weihnachtswunsch. Und ich schaue in ihre so unterschiedlichen Gesichter mit den in diesem Moment leuchtenden Augen. Das ist ein äußerlich sehr anstrengender Weg, doch innerlich gehört er zu meiner wichtigsten Erfahrung von Weihnachten: das Kind in der Krippe von Bethlehem heute in diesem Menschen zu sehen und anzuschauen.

Seit der Menschwerdung Gottes begegnet uns in jedem Menschen – noch tiefer als durch das Geschaffensein durch den Schöpfer – Gott selbst. Dadurch werden der nächtliche Gottesdienst im Dom und der große Gottesdienst am Weihnachtstag für mich ein wirkliches Fest für die Menschen und mit den Menschen, vor allem mit denen, die ich im Herzen mitbringe aus den Begegnungen des Heiligabend.

Aber auch schon heute und morgen besuche ich viele Kranke, die über Weihnachten im Krankenhaus bleiben müssen, die nicht nach Hause können, wie auch immer ihr Zuhause aussieht. Hinzu kommen viele Gespräche im Zusammenhang mit dem Beichtehören kurz vor Weihnachten. Gespräche mit Menschen, die unter Schuld und Bedrängnis leiden und sich vom Wort Gottes neu aufrichten lassen, so dass man manchmal den vom Herzen fallenden Stein zu hören glaubt.

Über den Autor

Franz-Josef Bode ist unser Bischof und Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2010, damals als erster deutscher Bischof, schreibt Bode in unserem Bistumsblog über Begegnungen und Gedanken aus seinem bischöflichen Alltag.

Das gehört zu meiner Erfahrung des Aufatmens anderer, aber auch meines eigenen Aufatmens, wenn ich mich in der Heiligen Nacht müde, aber erfüllt im Dom niedersetzen und die Christmette mitfeiern kann, ohne sie zu leiten. Selbst in der bedrückenden Situation unserer Welt, unserer Kirche und so vieler einzelner Menschen kann ich dann bei dem Kind in der Krippe aufatmen. Bei dem Kind, das genau für diese Welt, für diese Kirche und genau für diese Lebenssituation gekommen ist. „Heute ist euch der Retter geboren: Fürchtet euch nicht!“ höre ich die Engel singen. Ich hoffe, Sie alle auch.

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