Dialog der Religionen

Sprechbasen
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Der interreligiöse Dialog ist im Bistum Osnabrück ein Thema für alle Generationen! Die verschiedenen Religionsgemeinschaften sind auf vielen Ebenen vernetzt und gestalten zahlreiche Projekte und Initiativen gemeinsam. Es gibt eine lange Tradition des Miteinanders in Osnabrück, die sich in verschiedenen Kontexten etabliert hat, zum Beispiel in der Stadt Osnabrück im Arbeitskreis der Religionen, dem Initiativkreis „Frauen und Glaube“ oder beim Runden Tisch der Religionen.

Dabei ist der Austausch getragen von dem Bewusstsein, in der Stadt des Westfälischen Friedens zu leben. Das zeigt sich besonders in dem hohen Maß an Respekt, mit dem sich alle Engagierten begegnen. „Interreligiöser Dialog ist im Wesentlichen Begegnung und zwar möglichst direkte Begegnung, denn Begegnungen helfen, Vorurteile abzubauen, Unterschiede besser zu verstehen und Konflikte zu lösen“, sagt Michael Schober. Er ist Beauftragter für den interreligiösen Dialog im Bistum Osnabrück. „Dieser Dialog bewegt sich immer in der Spannung zwischen Gemeinsamkeiten und Unterschieden – es geht darum, Differenzen als etwas Bereicherndes oder zumindest nicht als etwas Trennendes wahrzunehmen, im Sinne einer Verbundenheit in Verschiedenheit.“ Ein gutes Miteinander der Religionen im Bistum Osnabrück hat in den vergangenen Jahren einige ganz besondere Projekte ermöglicht.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Hände waschen in der Synagogen (Bild: Thomas Osterfeld)
In einer Projektwoche lernen die Kinder der Drei-Religionen-Grundschule: Hände waschen gehört zum Synagogenbesuch dazu (Bild: Thomas Osterfeld)

In der Kindertagestätte „König David“ beispielsweise spielen und lernen jüdische und christliche Kleinkinder zusammen. Mit den Perlen für Gott hat die Kindertagesstätte „Heilig Kreuz“ einen Gebetsweg für Kinder und Familien unterschiedlicher weltanschaulicher Hintergründe entwickelt. Die deutschlandweit einzigartige Drei-Religionen-Grundschule in Trägerschaft der Schulstiftung des Bistums Osnabrück ist ein Gemeinschaftsprojekt von Juden, Christen und Muslimen.

Der alle zwei Jahre stattfindenden Kurs „Dialogbegleiter*in Christentum – Islam“ ist ein wichtiger Beitrag für das geschwisterliches Zusammenleben der Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen in Deutschland im Sinne der Abu Dhabi-Erklärung „Dokument über die Geschwisterlichkeit aller Menschen für ein friedliches Zusammenleben in der Welt“. Der nächste Kurs startet im Februar 2022 – hier geht’s zur Anmeldung.

Zusammen gegen AntisemitismusDie Schulstiftung des Bistums Osnabrück fördert mit der Initiative „Zusammen gegen Antisemitismus“ eine Kultur des Dialogs und das aktive Eintreten gegen judenfeindliches Denken und Handeln an ihren Schulen. Christlich-muslimische Dom- und Moscheeführungen ermöglichen Schülern und Schülerinnen Eindrücke vom Glaubensleben der anderen. Darüber hinaus werden von der Schulabteilung des Bistums Kooperationen mit weiteren außerschulischen Lernorten verschiedener Religionsgemeinschaften gepflegt.

Außerdem gehören interreligiöse Gesprächskreise, Begegnungs- und Bildungsinitiativen in vielen Gemeinden, Verbänden und Einrichtungen zur Tradition im Bistum. So findet beispielsweise in Haus Ohrbeck die seit über 40 Jahren bestehende Jüdisch-Christliche Bibelwoche statt, bei der Juden und Christen sich treffen um sich eine Woche lang gemeinsam und intensiv mit Schrifttexten auseinanderzusetzen.

Weitere Infos

  • Das Bistum Osnabrück hat in Kooperation mit dem Bistum Hildesheim Handreichungen für das Gespräch zwischen Christen und Muslimen herausgegeben – hier finden Sie die Broschüre „Anstoß zum Dialog“.
  • Und hier finden Sie eine zweite Broschüre zum Thema: „Bausteine zum Dialog“.
  • Auch zum Thema „Gemeinsame religiöse Feiern mit Menschen verschiedener Religionen“ gibt es eine Broschüre der beiden Bistümer.

2022 findet die offizielle Eröffnung der bundesweiten Woche der Brüderlichkeit in Osnabrück statt. Sie wird jedes Jahr von den über 80 Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland gestaltet. Zum Jahresthema „Fair Play – jeder Mensch zählt“ gibt es im Laufe des Jahres zahlreiche Veranstaltungen, u.a. auch in Kooperation mit dem Bistum Osnabrück.

Im Jahr 2021 wurde bundesweit das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ gefeiert. Die ökumenisch verantwortete Kampagne „#beziehungsweise – jüdisch und christlich: näher als du denkst“, war ein Beitrag der Kirchen zu diesem Festjahr. Im Rahmen der Kampagne ist eine Broschüre entstanden, die auf über 60 Seiten eine vergleichende Einführung in den jüdischen Festkreis immer mit Bezugspunkten zu christlichen Feiern gibt. Sie kann im Referat für interreligiösen Dialog per E-Mail (m.hengehold@bistum-os.de) bestellt werden.

Beratung und Unterstützung

Michael Schober pflegt als Dialogbeauftragter Kontakte zu Vertreterinnen und Vertretern der verschiedenen Weltreligionen im Bistum und beteiligt sich aktiv an der interreligiösen Zusammenarbeit in den verschiedenen Kontexten. Er berät und unterstützt Haupt- und Ehrenamtliche, aber auch Einrichtungen, Gremien und Verbände in interreligiösen Fragen, bietet Fortbildungen an und begleitet interreligiöse Projekte. Grundlage seiner Arbeit sind die Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Haltung der katholischen Kirche zu den nichtchristlichen Religionen vor allem in der Erklärung „Nostra Aetate“ neu definiert hat. Er ist überzeugt vom großen Wert des interreligiösen Begegnungslernens, wie in dem Buchprojekt „Interreligiöse Öffnung durch Begegnung“ deutlich wird, an dem er mitgewirkt hat.

Kontakt

Dr. Michael Schober

Michael Schober
Diözesanbeauftragter für interreligiösen Dialog
Domhof 12
49074 Osnabrück
0541 318-246
E-Mail-Kontakt

Ein weiterer Schwerpunkt ist für ihn das erinnerungsgeleitete Lernen, vor allem im Hinblick auf die Shoah: „Wir Nachgeborenen sind selbst nicht direkt verantwortlich für das, was damals geschehen ist – aber für das, was in der Geschichte daraus wird, wie es Richard von Weizsäcker einmal sinngemäß formuliert hat. Erinnerung ist deswegen ein wichtiger Teil des jüdisch-christlichen Dialogs.“ Schober hat sich bereits in mehreren Vorträgen und in seiner Doktorarbeit mit diesem Thema auseinandergesetzt und betont: „Gerade mit Blick auf neu aufkeimende antisemitische Tendenzen in der Gesellschaft, auf Hass und Hetze zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen, geht es beim interreligiösen Lernen ja im Grunde um politische Bildung, ums Lernen für die Grundlagen unserer Demokratie.“