Intervention (u.a. Begleitung irritierter Systeme)

Als kurz vor Weihnachten 2018 Anschuldigungen gegen den früheren Pfarrer von Merzen öffentlich wurden, bestand die Interventionsgruppe des Bistums in dieser Form noch nicht – trotzdem war allen Beteiligten klar, dass jetzt gehandelt werden musste. „Irritierte Systeme“ werden Gruppen genannt, die von einem akuten Verdachtsfall unmittelbar betroffen sind. Das kann eine Familie sein, ein kirchlicher Verband, ein fester Kreis innerhalb der Gemeinde  – oder die ganze Kirchengemeinde. Aber auch andere Gemeinden können dazugehören – wie im konkreten Fall Pfarreien in anderen Gegenden des Bistums, wo der Priester früher ebenfalls einmal eingesetzt worden war.

Überall tauchten Fragen auf, die es zu beantworten galt. Deshalb gab es Informationsveranstaltungen an mehreren Orten, Gemeindemitglieder waren eingeladen, Fragen zu stellen oder sich zu äußern. Die im akuten Fall benötigten Kompetenzen werden in der Interventionsgruppe gebündelt – Kommunikation, Psychologische Betreuung, Seelsorgliche Begleitung, Organisation, weltliches und kirchliches Recht können gefragt sein. Wer spricht mit betroffenen Personen, wer mit den Gremien der Pfarrei, wer steht in der Gemeindeversammlung Rede und Antwort, wer erklärt, wie es weitergeht – die Interventionsgruppe koordiniert die Abläufe dieser notwendigen Maßnahmen.

Dabei geht es nicht etwa darum, Vorwürfe schnell vom Tisch zu bekommen, sondern darum, die Wünsche der Betroffenen zu hören und entsprechend zu handeln. Niemand vor Ort soll das Gefühl haben, mit dem Problem alleine zu sein. Vielmehr geht es um das Signal, dass sich die Bistumsleitung kümmert und die möglichst vollständige Aufklärung eines Falls bewirkt.