Ab in den Kräutergarten!

Viele Schalen mit Kräutern
Bild: pixabay.com, HypnoArt

„Gegen alles ist ein Kraut gewachsen“, sagt ein altes Sprichwort. Gar nicht so unglaubwürdig, wenn man bedenkt, dass es in der freien Natur auch heute noch über 200 heimische Kräuter gibt, die geübte Sammler in Wald, Wiese und sogar im eigenen Garten finden können.

Am 15. August beginnt mit „Mariä Himmelfahrt“ traditionell die Hochsaison für Kräutersammler. Denn in die Zeit bis zum Fest „Mariä Geburt“ am 8. September fallen die Tage, an denen Kräuter am schönsten blühen, am besten duften und angeblich auch die größten Heilkräfte entwickeln. Daher sollten die Kräuter und Pflanzen, die man den Winter über braucht, am besten in diesen Tagen gepflückt werden. Aber was hat die Gottesmutter mit all dem zu tun?

Wegweiser im Kräutergarten, Bild: kirchenbote.de
Wegweiser im Kräutergarten (Bild: kirchenbote.de)

An „Mariä Himmelfahrt“ feiern Christen den Glauben an die Aufnahme Marias in den Himmel. Einer Legende nach besuchten die Jünger ihr Grab einige Tage nach ihrem Tod. Doch statt ihres Leichnams fanden Sie im Grab nur wunderschön duftende Kräuter und bunte Wiesenblumen. Aus diesem Grund ist in der katholischen Kirche schon seit Jahrhunderten an „Mariä Himmelfahrt“ eine Kräuterweihe Tradition. Dabei werden Sträuße aus Kräutern und Wiesenblumen, die sogenannten Kräuterbuschen, im Gottesdienst gesegnet. Die geweihten Pflanzen werden dann als Schutz vor Krankheiten und anderem Unheil im Haus aufgehängt. Früher wurden sie auch dem Viehfutter beigemischt oder als Tee zubereitet, um Krankheiten von Mensch und Tier fernzuhalten. Ein gesegnetes Kräutersträußchen unterm Kopfkissen soll angeblich die Liebe beflügeln.
Die Anzahl und Art der Pflanzen im Kräuterbuschen ist nicht genau festgelegt. Früher sollen es teilweise sogar 77 oder 99 verschiedene Arten gewesen sein – unter anderem auch Gräser, Getreide und essbare Blumen. Heute geht man meist von sieben einheimischen Gewächsen aus. Die Zahl symbolisiert die sieben Sakramente oder die sieben Schmerzen Marias. Immer dabei ist die flammend gelb blühende Königskerze im Zentrum. Ihre Blüten schmecken ein wenig nach Honig und sollen gegen Husten helfen. Dazu kommen häufig Kamille (deren Blüten als Tee gekocht Schmerzen Lindern und Entzündungen hemmen), Baldrian (hilft gegen Nervosität und Schlafstörungen) und Schafgarbe (löst Krämpfe und senkt den Blutdruck). Auch Johanniskraut, dass als Stimmungsaufheller gilt und gut fürs Verdauungssystem ist und Beifuß, der gegen schmerzende Füße helfen soll und Spitzwegerich, dessen Blätter bei Insektenstichen abschwellend wirken, findet man häufig in Kräutersträußen. Dill, Fenchel und Lavendel, Petersilie, Salbei, Johanniskraut, Pfefferminze, Ringelblumen – der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass es sich um heimische Pflanzen handelt und dass sie keine Dornen haben.
Kräuter sehen übrigens nicht nur schön aus und helfen bei kleinen Alltagswehwehchen – sie schmecken auch unheimlich lecker, und das nicht nur als Tee! Probieren Sie doch mal Wildkräuter-Blätterteig-Taschen oder eine Kräuter-Reistorte!
P.S. „Weder Kraut noch Wundpflaster machte sie gesund, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt.“ (Weisheit 16,12)

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