Maria 2.0

rote Lippen einer Frau
Bild: unsplash.com, Gabrielle Henderson

„Maria 2.0.“, meint eine Frau ungläubig, „das ist ja wie ein Streik gegen Gott!“ Ich bin auf einer Tagung in einer anderen Diözese. Am Abend ist ein Gottesdienst mit einem Vertreter der dortigen Bistumsleitung nur für unsere Gruppe geplant. Was tun? Streiken wir Frauen? Und wenn ja, warum?

Aus eigener Empörung? Aus Solidarität mit den vielen, vor allem ehrenamtlichen Frauen in diesem Land? Oder feiern wir mit? Aus Verbundenheit? Aus Höflichkeit unseren Gastgeber*innen gegenüber? Wir müssen uns schnell einigen: Wir feiern mit, aber stehen zur Danksagung auf, erklären unser Anliegen und gehen nach ganz hinten, in die letzte Reihe. Weil das der Platz ist, der Frauen so oft zugewiesen wird.

Über die Autorin

Martina Kreidler-Kos ist zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. Natürlich liegen ihr diese Themen besonders am Herzen – aber nicht nur. Sie hat im Alltag ein wachsames Auge. Denn dort trifft sie auf große Dinge oder nur scheinbar kleine Nebensächlichkeiten.

Es ist soweit: Wir unterbrechen sanft, aber beharrlich und laden ein, mitzukommen. Viele der Frauen stehen auf, etliche der Männer ebenfalls. Auf einmal kommt alles in Bewegung. So gut wie alle Feiernden finden sich hinten in der Kirche ein, auch der Priester. Der Raum verändert sich und unser Feiern auch. Jetzt sind wir nicht mehr einfach Zuhörer*innen, sondern ganz und entschieden da, mit Haut und Haar und Herzklopfen, mit tiefem Glauben und hartnäckiger Hoffnung. Eine der ältesten Frauen erzählt, wie lange sie schon ringt und kämpft mit ihrer Kirche. Der Priester erzählt, wie ihn die Aktion berührt. Wir singen das Schlusslied aus voller Kehle und erbitten den Segen. Selten habe ich Segen so verwandelnd erlebt. Maria 2.0 das ist kein Streik gegen, das ist ein Streik mit Gott.

 

7 Kommentare zu “Maria 2.0

  1. Maria2.0 ist mehr noch als ein Streik mit Gott. Es ist ein Erheben für Gottes Schöpfung.
    Das Mysterium der Schöpfung ist ohne das Weibliche fast wirkungslos.
    Die Reaktion der Frauen während der Liturgie beginnt zwar im Logos doch wirkt in Emotionen für Frauen, Männer und dem Priester.
    Der Weg des Fühlens ist Schöpfung, Gott hingegen ist Theologie von Männern.

    Der Bericht berührt mich tief in mir und sehr intensiv, darin erkenne ich die Anwesenheit der weiblichen schöpferischen Kraft, die wir auch Gott nennen.

  2. Und wann kommen wir vom Zeichen setzen zum tatkräftigen Anpacken? Wann lassen wir uns nicht länger ausbremsen von solchen Ausreden wie „Weltkirche“ und „die Hierarchie ist von Gott so gewollt“? Während kath. Männer noch diskutieren, ob sie „Joseph 2.0“ gründen sollten, ist „Kirche 4.0“ doch schon längst auf dem Weg! Schaut einfach über den Tellerrand, dann „kommt und seht“ und „prüft alles, und das Gute behaltet!“

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