Mein Tag als Buchhändlerin

Bücher im Regal
Bild: unsplash.com, Jessica Ruscello

Ich darf für einen Tag in einer Buchhandlung aushelfen. Das ist ein kleines Experiment, denn heute beraten tatsächlich Leseratten. Das professionelle Personal nimmt einen Preis entgegen und hat treue Kundinnen und Kunden gebeten, während dieser Stunden für sie einzuspringen. Alles ziemlich aufregend und ich bin froh, nicht alleine im Laden zu sein.

Über die Autorin

Martina Kreidler-Kos ist zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. Natürlich liegen ihr diese Themen besonders am Herzen – aber nicht nur. Sie hat im Alltag ein wachsames Auge. Denn dort trifft sie auf große Dinge oder nur scheinbar kleine Nebensächlichkeiten.

Zwei junge Männer kommen herein. Einer von ihnen fragt nach Hermann Hesses „Demian“. Das ist ein Klassiker, den finden wir schnell. Der andere spricht nur gebrochen Deutsch und wirkt sehr schüchtern. Er flüstert seinem Freund etwas zu. Ob wir auch Literatur aus dem arabischsprachigen Raum haben, fragt dieser. Die beiden schauen mich hoffnungsvoll an. Ich frage vorsichtig zurück nach Autorennamen, aber schon die verstehe ich kaum. Das ist jetzt eine echte Herausforderung!

 

Wir suchen einfach mal. Rafik Schami finden wir, aber das ist es offensichtlich noch nicht. Ob wir etwas bestellen sollen? Das ist keine Lösung, sie brauchen es hier und jetzt. Ich mag noch nicht aufgeben und gehe ans Regal mit der Lyrik. „Arabische Liebesgedichte des Mittelalters“? Ob das etwas sein könnte? Ich zögere. Dann zeige ich ihnen den Band. Der stumme Mann liest Verfasser und Titel, sein Gesicht leuchtet auf. Er strahlt mich an und sagt: „Ist alt. Sehr. Und schön. Auch sehr.“ Er drückt den Band an sein Herz. „Werde deutsche Sprache lernen mit das“, lacht er und geht zur Kasse.

Hier baut einer Brücken zwischen den Kulturen – dem vertrauten Zuhause und dem neuen Ort, an dem er gelandet ist, denke ich.  Für heute hat er gefunden, was er braucht. Ich wünsche ihm, dass zu den alten Gedichten noch viele neue, gute Erfahrungen kommen – und verneige mich einstweilen vor seinem Mut und seiner Initiative.

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