Selbstbestimmt vorsorgen

Mann blickt in nebelige Landschaft
Bild: unsplash.com, Aaron Thomas

Mit einer Patientenverfügung können Menschen regeln, wie sie im Krankheitsfall behandelt werden möchten, auch wenn sie sich dann selbst nicht mehr äußern können. Wer vielleicht in jungen Jahren, voller Kraft und Gesundheit, sich darüber Gedanken macht und seine Unterschrift unter eine solche Verfügung setzt, hat einen Schritt von großer Tragweite getan.

Denn Patientenverfügungen sind bindend. Und: Sie gelten unabhängig vom Krankheitsverlauf, sind also nicht nur auf die Sterbephase beschränkt. Entscheidend ist, was der Patient selbst festgelegt hat. Das heißt: Ärzte haben sich daran zu halten, auch wenn sich die Lebenssituation des Unterzeichners mittlerweile verändert haben mag. Bekanntestes Beispiel: der Literaturprofessor Walter Jens.

Die neue Broschüre zur christlichen Patientenvorsorge
Die Broschüre zur christlichen Patientenvorsorge Bild: DBK

Er trat früher für die Legalisierung von Sterbehilfe ein. Heute ist er dement. Seine Frau Inge ist sicher, „dass mein Mann so, wie er jetzt leben muss – unfähig zu schreiben, zu sprechen, zu lesen, überhaupt noch zu verstehen – niemals hat leben wollen“. Dennoch: „Er hat seinen Lebenswillen durch die Demenz nicht verloren. Genauso sicher, wie wir uns damals waren, dass wir beide so nicht leben wollten, weiß ich heute, dass mein Mann nicht sterben möchte“, sagte sie vor eineinhalb Jahren in einem Interview.

Sterbehilfe hätte Walter Jens auch nach heutiger Rechtslage nicht in seiner Patientenverfügung erbitten dürfen. Dennoch zeigt der Fall: Es kommt nicht nur darauf an, überhaupt für Alter, Krankheit und Lebensende vorzusorgen, sondern das bedacht und gründlich zu tun, um unbeabsichtigte Folgen zu verhindern.

Dafür haben katholische und evangelische Kirche jetzt eine Hilfe vorgelegt: „Christliche Patientenvorsorge“ nennt sich die Broschüre, die unter anderem bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn erhältlich ist. Sie ist  eine Überarbeitung der bisherigen ökumenisch herausgegebenen „Christlichen Patientenverfügung“. Die Neufassung wurde notwendig durch das am 1. September 2009 in Kraft getretene „Dritte Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts“.

Die neue Handreichung der Kirchen bezieht sich nicht mehr nur auf die eigentliche Patientenverfügung, sondern benennt auch weitere Möglichkeiten der selbstbestimmten Vorsorge. Sie hilft, die Rechtslage im Sinne der christlichen Ethik zu nutzen, indem sie etwa die Reichweite der Patientenverfügung begrenzt. Und zwar auf den „unmittelbaren Sterbeprozess“ oder das „Endstadium einer unheilbaren, tödlich verlaufenden Krankheit“. Diese – von anderen kritisierte – Einschränkung geschieht „getragen von dem Wissen, dass wir Menschen über unser eigenes Leben nicht grenzenlos verfügen dürfe“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, bei der Vorstellung der Broschüre.

Für Zollitsch ist ein Vorsorgebaustein sogar wichtiger als die Patientenverfügung: eine Vertrauensperson zu bevollmächtigen, im Falle der eigenen Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen. Die kann – wie Inge Jens – darauf reagieren, wenn sich Dinge anders entwickelt haben, als der Betroffene es beim Verfassen der Patientenverfügung erwartet hatte.