Sanktionen und Kontrolle von Tätern und Umgang mit Beschuldigten

Im Diagramm, das die Gruppen beschreibt, die für den diözesanen Schutzprozess arbeiten, ist eine Überschrift bewusst klein geschrieben: Jahrzehntelang war es der Kirche offenbar wichtiger, wie es den Tätern geht – die Betroffenen spielten kaum eine Rolle. So darf es nicht mehr sein und dieser Eindruck soll in Zukunft vermieden werden. Die Gruppe „Sanktionierung und Kontrolle von Tätern und Umgang mit Beschuldigten“ setzt sich aus Fachleuten zusammen, die nicht für die Kirche arbeiten, sondern für staatliche oder private Organisationen: ein Personalchef, eine Staatsanwältin, ein ehemaliger Bewährungshelfer, ein Richter, ein Rechtsanwalt. Außerdem gehört ihr Generalvikar Theo Paul an.

Die Gruppe muss für sich Fragen beantworten, die auch für die Gesellschaft relevant sind: Wie wollen wir mit verurteilten Straftätern umgehen, die ihre Strafe verbüßt haben bzw. allen Auflagen nachgekommen sind? Sollen sie für alle Zeit aus dem gesellschaftlichen bzw. kirchlichen Leben verbannt werden? Welche Aufgabe können sie überhaupt noch wahrnehmen? Dazu kommt eine kirchliche Besonderheit: Der Priester bleibt Priester, auch wenn er straffällig geworden ist, der Bischof behält seine Fürsorgepflicht.

Wie die Arbeitsgruppen für die Intervention und für die Begleitung von Betroffenen kommt die Gruppe „Sanktionierung und Kontrolle von Tätern und Umgang mit Beschuldigten“ in regelmäßigen Abständen, aber auch kurzfristig zusammen. Sie erarbeitet eine Empfehlung und muss differenzieren: Wie schwer war das begangene Delikt, wie groß ist der entstandene Schaden? Kann der Beschuldigte noch in der Seelsorge arbeiten oder ist das unmöglich? Welche andere Art von Arbeit ist ihm zuzumuten? Am Ende des Überlegungsprozesses steht eine Empfehlung, die dem Bischof vorgetragen wird.

Die Gruppe hat sich aber auch mit der Rehabilitation zu Unrecht Beschuldigter zu befassen.