Schöner Scheitern

Ein kleines Mädchen will sich ein Shirt falsch herum auf den Kopf ziehen.
Bild: pixabay.com, bernal1

„Grüner Ketchup“ – gab’s mal, wurde aber ein Verkaufsflop. Ebenso wie der Burger mit „erwachsenem“ Geschmack, den eine Fastfood Kette in den Neunzigern auf den Markt warf. Da haben sogar Kinder in Werbespots extra das Gesicht verzogen. Hat aber alles nichts genützt, auch der wurde ein Flop. So wie eine aufwendig digital ausgestattete Puppe, die schnell als Spionin im Kinderzimmer enttarnt wurde.

Im Juni dieses Jahres wurde im schwedischen Helsingborg ein kleines, feines Museum eröffnet: The Museum of Failure. Etwa 70 Exponate zeugen davon, dass man auch mit großem Aufwand und viel Geld grandios scheitern kann. Cola, die nach Kaffee schmeckt, mochte einfach niemand und auch „Cristal-Pepsi“, die durchsichtige Variante des süßen braunen Saftes wurde verschmäht. Sehr amüsant, dass jemand eine überzeugende Geschäftsidee hinter einem „Kugelschreiber für die weibliche Hand“ vermutet hat. Im Museum finden sich auch etliche Fehlentscheidungen der frühen IT-Branche oder – besonders tragisch – Produkte, die ihrer Zeit eigentlich voraus waren, aber mangels unternehmerischen Mutes nicht weiterverfolgt wurden. Eine frühe digitale Kamera zum Beispiel oder ein elektronischer Rechner.

Über die Autorin

Martina Kreidler-Kos ist zuständig für die Ehe- und Familienseelsorge. Natürlich liegen ihr diese Themen besonders am Herzen – aber nicht nur. Sie hat im Alltag ein wachsames Auge. Denn dort trifft sie auf große Dinge oder nur scheinbar kleine Nebensächlichkeiten.

„Wenn wir etwas Neues wollen, müssen wir lernen, zu scheitern“, erklärt der Direktor Samuel West. Als Initialzündung für seine Museumsidee, bezeichnet er all die ermüdenden Geschichten vom Erfolg. Er hätte Lust gehabt, eine Geschichte des Versagens zu dokumentieren. Nicht um zu beschämen, sondern um der Jagd nach Perfektion ein Ende zu bereiten. Im Museum gibt es deshalb auch eine „Kammer für Bekenner“. Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, ihre eigenen Irrtümer aufzuschreiben. Auf vielen bunten Zetteln finden sich viele lustige Dinge: „The swedish summer“ – schreibt jemand mit einem Augenzwinkern oder auch: „Als ich doch tatsächlich zwei wundervolle linke Schuhe kaufte!“ Aber da gibt’s auch Ernsthaftes zu lesen: „Drei lange Jahre ein ermüdendes Fach studiert“ oder „Meine Künstler-Karriere nicht weiter verfolgt zu haben“. Eine Dokumentation der Pleiten, Flops und Irrtümer – öffentlicher oder persönlicher Art – kann uns erinnern: Scheitern muss sein. Und als Christen können wir ergänzen: Scheitern darf sein. Schließlich setzt Gott nicht auf Siegertypen, sondern auf ganz normale Menschen.

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