Frühe Spuren der Befreiung

bunte Heißluftballons fliegen am Himmel
Bild: unsplash.com, Ian Dooley

Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Es war vor 38 Jahren. Ich schrieb am Ende des Theologiestudiums meine Diplomarbeit an der Hochschule in Frankfurt St. Georgen. Mein Thema lautete: „Die Kirche auf dem Weg zu den Armen. Eine Konfrontation der Theologie der Befreiung (nach L. Boff) mit Problemen europäischer Kirche.“

In der Auseinandersetzung mit der Theologie der Befreiung ist mir damals ein Artikel des argentinischen Jesuiten Juan Carlos Scannone aufgefallen. Er hatte ihn in dem Buch „Gott im Aufbruch“ von Peter Hünermann und Gerd-Dieter Fischer veröffentlicht unter dem Titel: „Die Dialektik von Herr und Knecht – Ontologische Reflexionen zur Praxis der Befreiung.“ Der Beitrag war schwer zu lesen. Für mich war er ein wertvoller Brückenbauer in der Auseinandersetzung mit den verschiedenen Richtungen innerhalb der Theologie der Befreiung. Pater Scannone versuchte, eine Theologie der Befreiung als Theologie des Volkes zu entwickeln ohne marxistische Deutungsmuster. Für mich war dieser Artikel ein großer Durchbruch bei der Konzeption meiner Arbeit.

Über den Autor

Theo Paul ist Generalvikar und damit Stellvertreter des Bischofs und Leiter der Verwaltung des Bistums. In seinen Blogbeiträgen greift er gerne aktuelle Themen auf.

Während meiner Studienarbeit war die Theologie der Befreiung sehr umstritten. Damals unvorstellbar: Ein Papst und ein prominenter Befreiungstheologe arbeiten zusammen. Heute geht das.

Ich freue mich darüber, schon vor 38 Jahren diese argentinische Spur der Befreiungstheologie entdeckt zu haben. Für mich ist es ein Zeichen einer lebendigen Kirche. Und die ist immer wieder voller Überraschungen. Gott sei Dank!

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