Umkehr gehört dazu

Füße vor einem Pfeil
Bild: AdobeStock.com, mantinov

Das Kirchenjahr geht zu Ende. Wir hören in den biblischen Texten jetzt oft von Räubern, Betrügern und Ehebrechern, von Gericht und Rechtfertigung. Auch am ersten Adventssonntag spricht Jesaja von Zurechtweisung und Jesus von der apokalyptischen Ankunft des Menschensohns, bei der einer mitgenommen, einer zurückgelassen wird. Darf man davon heute noch sprechen?

Große Debatte in unserem Pfarrgemeinderat. Wir suchen wie jedes Jahr ein Adventsmotto. Ein Vorschlag: „Mensch werden, wie Gott mich gewollt hat!“ Da geht die Diskussion aber hoch her: Bin ich denn nicht gut – so, wie ich bin? Liebt Gott mich nicht bedingungslos mit all meinen Fehlern und Schwächen? Wenn ich erst werden soll, wie er mich gewollt hat – wie bin ich denn jetzt? Irgendwie falsch, nicht liebenswert, gar sündig? Das, so die Meinung der meisten, sei eine ungeheure Provokation, das könne man den Menschen nicht zumuten, die ohnehin nur noch oder gerade erst wieder eine empfindliche Bindung zu Glauben und Kirche hätten. Eine heiße, wichtige Diskussion entbrennt.

„Ich bin gut so, wie ich bin.“ Dieser Satz – und ich spreche jetzt von mir – ist falsch. Ich habe eine ganze Menge Luft nach oben, um ein guter Mensch zu sein. „Gott liebt mich, wie ich bin.“ Ich hoffe es. Weil hoffentlich stimmt, was ein uraltes Psalmgebet bekennt: „Würdest du Herr, die Sünden beachten, wer könnte bestehen? Doch bei dir ist Vergebung.“ (Ps 130, 3f.) Jedenfalls hat Gott sicher nichts dagegen, wenn ich mich ändere. Nicht umsonst ist in der ganzen Bibel und auch in so vielen Jesus-Geschichten von Umkehr die Rede, denn: Im Himmel ist mehr Freude über einen einzigen, der umkehrt, als über 99 Gerechte. (Lk 15,7)

Wichtig zu erinnern ist ja: Wenn der Satz „Ich bin gut so, wie ich bin“ für mich gelten würde, dann muss er mehr noch für alle gelten. Vielleicht sind ja manche Menschen schon gut so, wie sie sind. Aber viele auch nicht: die Kriegstreiber und Lügner, die Missbrauchstäter und, und, und …

Ist es eine Provokation, den Menschen heute zu sagen: Ändert euch! Bessert euch! Kehrt um! Ich meine nicht. Die Reihenfolge ist wichtig. Die ersten Worte Jesu im Markus-Evangelium lauten so: „Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich kommt jetzt den Menschen nahe. Ändert euer Leben und glaubt dieser Guten Nachricht. (Mk 1,15) Der Zuspruch kommt zuerst. Gott ist da. Er kommt uns nah. Er liebt dich und mich und alle. Aber deshalb musst du dein Leben ändern.

Umkehr gehört dazu. Zum Ende des Kirchenjahres, im Advent – und mein ganzes Leben lang. Übrigens: Im Pfarrgemeinderat haben wir uns auf das Advents-Motto „Mensch sein – Mensch werden“ geeinigt. Da steckt eine Menge drin, finde ich.

Ein Kommentar zu “Umkehr gehört dazu

  1. Vielen Dank für die freundliche Ermutigung, sich nicht in einer oberflächlichen Selbstzufriedenheit einzurichten. Mich begleitet schon lange das Wort eines betagten Paters, der mir einmal diesen Weihnschts-Rat mitgegeben hat: „Mach‘ s wie Gott – werde Mensch!
    Mensch-Werdung ist ein lebenslanger Prozess und es gilt die Zusage unseres liebenden Gottes, dass er diese Prozess begleitet und diesen, wenn wir dies zulassen, ziemlich gut coached. Ich finde, dieses ist ein wunderschönes Bild, nicht nur im Advent. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und hoffnungsvolle Momente beim „Mensch werden!“

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