Vier Pfoten, viele gute Taten

Kinder stärken, Menschen in schweren Zeiten beistehen oder einfach für gute Laune sorgen: Manche Hunde können weit mehr, als treue Begleiter zu sein. Sie motivieren im Unterricht, sorgen für Gesprächsstoff und bringen Menschen in Bewegung. Auf dieser Seite finden Sie Portraits besonderer Hunde aus dem Bistum Osnabrück und erfahren, was auf vier Pfoten alles möglich ist!

Spiel und Spaß im Klassenraum

Schulhund Tully vor der Tomas-Morus-Schule Osnabrück
Martina Münnich mit Tully vor der Thomas-Morus-Schule

„Würfel!“ Diesen Befehl kennt Tully gut und läuft sofort los: Mit seiner Schnauze stupst der Hund einen großen Würfel an, der auf dem Boden im Klassenzimmer liegt. Die Kinder schauen gespannt, als der Würfel durchs Zimmer kullert. Als er zum Stillstand kommt, liest ein Junge die Rechenaufgabe auf der oben liegenden Seite vor und sieht dabei ein wenig stolz aus. Vielleicht, weil er das Ergebnis weiß, vielleicht aber auch wegen Tully. Lehrerin Martina Münnich beobachtet jedenfalls oft, dass der Hund Kindern im Unterricht ein gutes Gefühl vermittelt: “Dass er auf sie hört und ihre Befehle befolgt, stärkt die Kinder ungemein“, erzählt sie. 

Seit fünf Jahren ist der Bobtail ein ausgebildeter Schulhund. An zwei bis drei Tagen pro Woche begleitet er seine Besitzerin zur Thomas-Morus-Schule in Osnabrück und sorgt dort für mehr Spaß und Motivation im Unterricht.  Münnich ist Lehrerin für Englisch und Religion, besucht mit Tully aber auch andere Klassen. Für seinen Einsatz in der Schule brachte Tully beste Voraussetzungen mit: Als Herdenbegleithund ist er von Natur aus freundlich und lässt sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen. „Außerdem hat er Spaß am Lernen von kleinen Tricks“, sagt Münnich. „Für ihn ist der Einsatz im Unterricht ein Spiel – und da es am Ende auch immer Leckerchen gibt, macht er natürlich doppelt gerne mit!“

Weitere Infos

Am Samstag, 10. Oktober, findet um 11 Uhr vor dem Osnabrücker Dom eine Tiersegnung statt. Willkommen sind verschiedene Tiere, von groß bis klein. Anlass ist der Gedenktag des Heiligen Franz von Assisi am 4. Oktober – er gilt als Schutzpatron der Tiere. Seit 1931 wird der 4. Oktober international auch als Welttierschutztag begangen.

Tully kann nicht nur würfeln, sondern auch Kisten öffnen oder an einem Glücksrad drehen. Oft liege er während des Unterrichts aber auch einfach schlafend hinter dem Pult. So bringe er Ruhe in den Schulalltag, meint Münnich: „Wenn er da ist, sind alle etwas relaxter, nehmen mehr Rücksicht.“ Auch Höflichkeit könne man von Tully lernen, fügt sie hinzu. „Er ist immer freundlich zu allen und wenn ich ihn dabeihabe, halten mir die Schüler sogar die Tür auf – also eigentlich halten sie ihm die Tür auf und ich darf dann mit durchgehen“, erzählt sie augenzwinkernd.  


Seelsorge im Team

„Seelsorger auf vier Pfoten“ – so wird Ide im Bonifatius-Hospital Lingen oft genannt. Denn sein Herrchen Sebastian von Melle ist katholischer Krankenhausseelsorger und er nimmt seinen Hund oft mit, wenn er in der Klinik unterwegs ist. Der Labrador ist ein gerngesehener Mitarbeiter: Fast immer lächeln die Menschen, wenn sie Ide begegnen. Seit rund drei Jahren ist der ausgebildete Therapiehund im Einsatz. Vorab wurde ein Hygienekonzept ausgearbeitet, damit der Hund weder Menschen noch sich selbst gefährdet. 

Sebastian von Melle mit seinem Hund Ide
Arbeit im Team: Sebastian von Melle und Labrador Ide

Inzwischen klappt die Arbeit im Team perfekt. “Ide ist ein echter Eisbrecher”, erzählt der Pastoralreferent. Wenn von Melle mit dem Hund an seiner Seite durch das Haus geht, wird der Seelsorger von vielen angesprochen. Kinder wollen den Hund streicheln und dürfen ihm ein Leckerli geben. Aber auch Erwachsene reagieren offener, wenn Ide dabei ist. Zum Beispiel, wenn von Melle mit demenziell erkrankten Menschen im Stations-Wohnzimmer der Geriatrie eine Andacht feiert. Da macht der Hund dann seine Runde, stupst die Anwesenden vorsichtig mit der Nase an und nimmt Kontakt auf. “Nicht nur in solchen Situationen schätze ich Ides absolute Unverfälschtheit, der ist immer im Moment. Außerdem nimmt er die Menschen so, wie sie sind und stellt sich auf sie ein“, sagt von Melle. So sei der Hund mal lebendig und verspielt, mal ganz ruhig und gelassen. Letzteres hilft von Melle sogar bei seiner Aufgabe als Deeskalationstrainer, denn auch hier zeigt sich: Wenn Ide dabei ist, selbst wenn er einfach nur dösend auf seiner Decke liegt, sind die Menschen direkt ein wenig entspannter. Gerne verteilt der Krankenhausseelsorger Autogrammkarten seines Assistenten mit einem Spruch der deutschen Äbtissin und Gelehrten Hildegard von Bingen: „Gib dem Menschen einen Hund und seine Seele wird gesund.“


Ein Hund in der Kita

Zunächst hält Emil lieber Abstand. Der große Labrador mit seinen rund 40 Kilogramm ist dem Dreijährigen nicht ganz geheuer. Streicheln? Lieber nicht. Spielen? Erst recht nicht. Also beobachtet Emil Balu aus sicherer Entfernung. Dann wagt er sich ein Stück näher – auf Kerstin Rieses Arm. Wenige Minuten später ist von der Zurückhaltung nichts mehr zu spüren: Emil wirft für Balu auf dem Kita-Spielplatz begeistert einen Ball. Der Labrador flitzt los, holt ihn zurück und wartet auf den nächsten Wurf.

Balu und Kerstin Riese auf einem Spielplatz

Genau solche Erfahrungen möchte Heilpädagogin Kerstin Riese mit Balu ermöglichen. Der eineinhalb Jahre alte Labrador soll bald regelmäßig mit in die Kita St. Franziskus in Bad Iburg-Glane kommen. Seit Februar 2026 trainiert sie mit Balu für die Therapiehundeprüfung im November. Erste Erfahrungen in der Kita sammelt Balu schon jetzt.
Dabei muss er nicht ständig etwas Besonderes leisten. In kleinen Gruppen können die Kinder mit ihm spielen. Manchmal liegt er einfach auf seiner Matte, während die Kinder am Tisch basteln. „Es kann auch sein, dass wir einfach Balus Anwesenheit genießen“, sagt Kerstin Riese. Denn auch dabei können Kinder etwas lernen: „Die Körpersprache eines Hundes wahrzunehmen, auf seine Bedürfnisse zu achten und Verantwortung zu übernehmen. Gleichzeitig geht es um die eigenen Gefühle und Grenzen. Möchte ich den Hund streicheln? Traue ich mich, mit ihm zu spielen? Oder möchte ich lieber Abstand halten?“

Balu selbst ist für diese Aufgabe gut geeignet: geduldig, freundlich, verspielt – auch wenn er sich nach einem Arbeitstag in der Kita erstmal austoben muss. Nur beim Thema Essen kennt seine Geduld offenbar Grenzen: „Wenn irgendwo etwas Leckeres rumliegt, hat er das schneller weg gefuttert, als man gucken kann“, erzählt Kerstin Riese lachend.


Besuch auf vier Pfoten

Vielleicht ist die Idee für Neros Nebenjob im Haus von Nina Thönelts Großmutter entstanden. Die alte Dame leidet schon seit Jahren an Arthrose, viele Bewegungen bereiten ihr Schmerzen. Doch wenn Labrador Nero sie besucht, bückt sie sich gerne, um einen Ball für ihn aufzuheben und zu werfen oder sie steht auf, um ihm ein Leckerchen zu holen. „Da entsteht eine schöne Dynamik: Nero hat Spaß und meine Großmutter bewegt sich deutlich mehr – nicht, weil sie muss, sondern weil es ihr Freude macht“, erzählt Thönelt.

Inzwischen sind Nero und seine Besitzerin seit rund drei Jahren Teil des Besuchsdienstes mit Hunde der Malteser in Hagen a.T.W. Neun Menschen mit Hund haben hier inzwischen die Ausbildung zum Besuchsteam absolviert. Fast jede Woche sind Nina Thönelt und ihr Hund in Altenheimen der Region unterwegs, um Bewohnende zu besuchen. „In der Regel treffen wir die Menschen einzeln in ihren Zimmern oder gehen mit ihnen spazieren“, berichtet sie. Denn Nero sei kein typischer Labrador, der jedem Menschen sofort schwanzwedelnd begegne. Große Menschenmengen seien nicht so sein Ding und er brauche etwas Zeit, um jemanden kennen zu lernen. „Aber wenn man sein Herz gewonnen hat, ist die Begegnung mit ihm etwas ganz Besonderes“, betont Thönelt. „Dann sucht er Nähe, animiert sein Umfeld, mit ihm zu spielen und versprüht seine große Lebensfreude!“

Durch Nero habe sie gelernt, genauer hinzuschauen und sich auf ihr Gegenüber einzustellen. „Durch seine Anwesenheit und seine ruhige sensible Art entstehen viele schöne Begegnungen und Gespräche“, sagt sie. Manchmal unterhält Nero die älteren Menschen mit kleinen Tricks – Männchen machen, Pfote geben oder sein Spielzeug wegräumen – oft liegt er aber auch einfach ruhig dabei, während Nina Thönelt sich unterhält. Nicht selten heißt es dann: „Der Nero hört aber gut zu!“ Von solchen Besuchen werde im Nachhinein noch lange erzählt, die täten einfach gut, das hört sie häufiger von Pflegekräften. Aber nicht nur die Menschen im Altenpflegeheim freuen sich schon aufs nächste Mal, sondern auch das Besuchshundeteam.

Preise den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! 

Psalm 103,2

Herbst, See, Paar