Wenn Frieden Gestalt annimmt

Hund und Lamm zusammen auf einer Wiese
Bild: privat

Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Junge leitet sie. Kuh und Bärin nähren sich zusammen, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter und zur Höhle der Schlange streckt das Kind seine Hand aus. Man tut nichts Böses und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie die Wasser das Meer bedecken. An jenem Tag wird es der Spross aus der Wurzel Ísais sein, der dasteht als Feldzeichen für die Völker; die Nationen werden nach ihm fragen und seine Ruhe wird herrlich sein.

Jesaja 11,6-10
rundes Portraitfoto von Eva Schumacher

Mal ernsthaft: Wolf findet Schutz beim Lamm? Löwe und Kalb zusammen? Wer’s glaubt, wird selig. Aber was soll das? War Jesaja total verrückt? Vermutlich haben das früher einige Menschen gedacht, die ihn gehört haben, aber ich glaube, es ist wichtig, dass er von dieser Vision als ganz großem Ziel spricht. So soll es irgendwann in Gottes Reich sein. Diese Beschreibung davon soll aber auch mehr sein, als eine reine Vertröstung auf irgendwann, vielleicht Jenseits unseres irdischen Lebens.

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Ich denke, der Text will uns herausfordern! Die Vision soll uns wach rütteln: Wir haben nun schon einige Jahre Krieg in Europa und es scheint fast eine Normalität einzukehren. Viele resignieren bei dem Thema: So ist die Welt nun mal. Menschen führen Kriege. Macht regiert. Die Starken setzen sich durch. Die Schwachen leiden.
Aber genau das darf nicht zur Normalität werden und genau dagegen spricht Jesaja. Er sagt: Nein! Das ist nicht die Welt, wie Gott sie will! Und deshalb dürfen wir uns mit dieser Welt nicht abfinden! Wir sollen wachsam bleiben, an der Vision festhalten! Wenn wir uns eine solche Vision immer wieder vor Augen führen und sie verfolgen, verändert sie unsere Haltung.
Natürlich können wir den Krieg nicht allein beenden, aber wir können in einer kriegsgezeichneten Welt friedliche Menschen sein. Wir können im Kleinen leben, was Gott im Großen verheißen hat: Worte wählen, die heilen statt verletzen; Menschen schützen statt zu verurteilen; Gerechtigkeit suchen, auch wenn sie unbequem ist; Hoffnung wachhalten, wenn andere müde werden und uns immer wieder einsetzen für die Menschen in Not und für den Frieden.

Wolf und Lamm liegen heute noch nicht beieinander, Kinder sind nicht überall sicher, die Welt ist nicht erfüllt von Gottes Erkenntnis. Aber Jesaja sagt uns: Gott hat damit begonnen. Und er wird vollenden, was er begonnen hat.

Und wir? Wir leben und handeln in dieser Hoffnung – unbeirrbar, mutig, und mit einem Herzen, das sich nicht vom Krieg formen lässt, sondern vom Frieden Gottes.

Eva Schumacher

Denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.

Jeremia 29,11