Wir beten die Liebe Gottes an

Monstranz im Osnabrücker Dom
Bild: Bistum Osnabrück

„Konsumieren allein macht nicht satt, nur der Anblick einer Liebe“ (Andreas Knapp)

Dieser Satz hat mich bei den Vorbereitungen zum Fest Fronleichnam sehr bewegt.

In Niedersachsen ist dieses Fest des „Herrenleibes“ (Fron-leichnam) kein Feiertag. Wo in anderen Bundesländern große Prozessionen mit dem Herrenleib – mit der in den Leib Christi gewandelten Hostie in der Monstranz – begangen werden, wird in Niedersachsen fröhlich konsumiert, eingekauft und gehandelt. Dazu fallen die Westfalen ein in unsere Stadt, die ja dafür frei haben. Deshalb hörte ich bei meinem Kommen vor 24 Jahren für Fronleichnam den Begriff „Westfalentag“. Diese Konsummentalität, die unser Leben bis ins Denken und Fühlen durchzieht, kann sich auch auf den Empfang des Leibes Christi in der Hostie beziehen, wenn wir zu gedankenlos oder harmlos das „Plätzchen“ an der Kommunionbank abholen, ohne dabei inne zu werden, was da eigentlich geschieht: Dass sich nämlich Gott selbst in Jesus Christus zum Essen gibt, d.h. uns durch den Empfang so nahe sein will, wie kein Mensch uns nahe sein kann, und hätte er uns „zum Fressen gern“.

„Konsumieren allein macht nicht satt, sondern der Anblick einer Liebe“

Über den Autor

Franz-Josef Bode ist unser Bischof und Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Seit 2010, damals als erster deutscher Bischof, schreibt Bode in unserem Bistumsblog über Begegnungen und Gedanken aus seinem bischöflichen Alltag.

Deshalb essen wir Fronleichnam nicht nur dieses lebendige Brot, sondern schauen es an als Ausdruck verrückter Liebe, betrachten es in der Tiefe und beten es sogar an, oder besser: Wir beten darin die Liebe Gottes an. Dafür tragen wir dieses lebendige Brot in kostbaren Gefäßen in die Welt der Arbeit, des Geschäftes, des Konsums und all des Lebens, Liebens und Leidens der Menschen einer Stadt. Wir feiern die Heilige Eucharistie, die Wandlung des Brotes in den Leib Christi, bewusst vor dem Dom, im Draußen, weil dieses lebendige Brot die Welt des reinen Konsumierens wandeln soll in eine neue Erfahrung der Liebe Gottes zum Menschen und der Menschen untereinander. „Konsumieren allein macht nicht satt, nur der Anblick einer Liebe“. Gönnen wir uns an Fronleichnam diesen Blick, gerade am Westfalentag!

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