Über die Liebe reden

Parr küsst sich
Bild: unsplash.com, Felix Russel-Saw

Hand aufs Herz! Wenn wir von Liebe reden, dann am liebsten von der, die uns erwischt, ohne uns zu fragen, die uns packt und nicht mehr loslässt, die uns am meisten fasziniert und beansprucht, am tiefsten verstört und berauscht, am gründlichsten glücklich oder unglücklich macht. Und genau davon – etwas zurückhaltender vielleicht – spricht nun auch ein gemeinsames Wort der deutschen Bischöfe vom 1. Februar 2017: von der Liebe und den Menschen, die sie zu leben versuchen.

Buchtipp


In ihrem Buch denken Martina Kreidler-Kos und Koautor Christoph Hutter über die Worte des Papstes hinaus und ermutigen dazu, „Amoris laetitia“ als Impulsgeber für das eigene Leben zu entdecken. Bischof Franz-Josef Bode hat  ein Begleitwort geschrieben. „Mit Lust und Liebe Glauben“ ist zum Preis von 19 Euro im Schwabenverlag erschienen.

Neun Monate nach dem Schreiben „Amoris laetitia“, das Papst Franziskus nach der Familiensynode 2015 verfasst hat, ist es erschienen. „Die Freude der Liebe, die in den Familien gelebt wird, ist auch die Freude der Kirche“, dieser erste Satz von „Amoris laetitia“ ist auch der Titel des Hirtenwortes. „Was hier geschrieben steht, geht alle an. Und es tut gut: Wertschätzung für Menschen, die in Beziehungen leben, sich unermüdlich füreinander einsetzen und das Abenteuer lebenslanger Liebe wagen. Unbedingt lesen!“, empfiehlt Martina Kreidler-Kos, Referentin für Ehe und Familie im Bistum Osnabrück.

Konstruktive Lösungen

Beim Lesen könne man wahrnehmen: Auch Papst und Bischöfe sehen, dass es in der Liebe schwierig werden kann. „Endlich wird auch darüber geredet und konstruktiv nach Lösungen gesucht“, stellt die Seelsorgerin fest, die sich auch in ihrem gerade erschienenen Buch „Mit Lust und Liebe glauben“ (siehe Buchtipp links) mit dem Papstschreiben beschäftigt.

„Ich freue mich, dass in der Kirche endlich über Lust und Liebe gesprochen wird – zwar noch vorsichtig, aber respektvoll. Ich freue mich, dass Alltagserfahrung und Beziehungsleben die Rolle spielen dürfen, die sie in unserem Leben haben. Ich freue mich, dass wir uns endlich auf den Weg machen, Liebesleben und Glaubensfragen zusammen zu bringen. Ich freue mich, dass die Tür, die Papst und Synode der komplexen Lebenswirklichkeit geöffnet haben, nun auch offiziell und ausdrücklich in der deutschen Kirche offen bleibt.“ Martina Kreidler-Kos

Ein großes Geschenk

„Sowohl für die Seelsorger als auch für die Gläubigen bedeutet die Leitvorstellung von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern einen hohen Anspruch und eine große Herausforderung“, heißt es im Hirtenwort, das „Amoris Laetitia“ als „großes Geschenk“ bezeichnet. Die Bischöfe nennen als Konsequenzen, die sich aus Amoris laetitia ergeben, insbesondere folgende Säulen einer neuen Ehe- und Familienpastoral:

  • Die Ehevorbereitung bedarf einer Intensivierung, eines verbindlicheren und zugleich überzeugenderen Charakters.
  • Die Bemühungen um die Ehebegleitung sollen verstärkt werden: Eheleute und Familien, insbesondere auch in konfessionsverbindenden Ehen, sollen in der Kirche Angebote für ihre Lebenssituationen finden.
  • Die Familien sollen als Lernorte des Glaubens unterstützt und in dieser oft schwierigen Aufgabe gestärkt werden.
  • Die Zerbrechlichkeit von Ehe und Familie verlangt ein besonders sensibles Verhalten.  Papst Franziskus hat dafür den Dreiklang von Begleiten, Unterscheiden und Eingliedern ins Gespräch gebracht. Dieser Dreiklang soll die Pastoral bestimmen, woraus ein hoher Anspruch erwächst.

Zum letztgenannten Aspekt merken die Bischöfe an: Katholiken, die nach einer Scheidung zivilrechtlich wieder geheiratet haben, sind zunächst einmal eingeladen, auf die Kirche vor Ort zuzugehen, sich an ihrem Leben zu beteiligen und als lebendige Glieder der Kirche zu reifen. Für die Frage nach dem Empfang der Sakramente sehen die Bischöfe in Amoris laetitia keine allgemeine Regel und keinen Automatismus. Erforderlich sind nach ihrer Überzeugung vielmehr differenzierte Lösungen, die dem Einzelfall gerecht werden. Mit Amoris laetitia gehen die Bischöfe von einem Prozess der Entscheidungsfindung aus, der von einem Seelsorger begleitet wird.