Ein mutiger Mann aus Oberösterreich

Gedenktafel Franz Jägerstätter
Bild: wikimedia.org, Christian Michelides

Am 9. August gedenken wir der heiligen Edith Stein alias Schwester Teresia Benedicta a Cruce. Es ist auch der Todestages des seligen Franz Jägerstätter.

In den 1980er Jahren bin ich bei einem Training für Gewaltlosigkeit mit Hildegard und Jean Goss Mayr auf den mutigen Landwirt aus St. Radegund in Oberösterreich gestoßen. Dieser einfache Mann hatte ein gutes Gespür für die Barbarei des menschen- und gottverachtenden Systems der Nationalsozialisten. Jägerstätter brandmarkte den Rassenwahn, die Kriegsideologie und die Staatsvergottung. Er ahnte, wie schnell der Kampf auch gegen das Christentum und eine gebildete Kultur beginnen würde. Konsequent weigerte er sich, ein solches Todessystem zu unterstützen, und lehnte es ab, Soldat zu werden. Wegen „Wehrkraftzersetzung“ wurde er am 9. August 1943 hingerichtet.

In den 1990er Jahren habe ich seine Frau Franziska in St. Radegund besucht. Diese Begegnung hat sich tief in mein Leben eingeprägt. Ihr Gesicht war ein Gesicht der Seligpreisungen. Was hat diese Frau an Demütigungen, Verleumdungen und Unverständnis ihrer Umwelt alles erlebt?

Über den Autor

Theo Paul ist Generalvikar und damit Stellvertreter des Bischofs und Leiter der Verwaltung des Bistums. In seinen Blogbeiträgen greift er gerne aktuelle Themen auf.

In einem Brief vom 5. März 1943 schreibt Franz Jägerstätter seiner Frau aus dem Wehrmachtsuntersuchungsgefängnis in Linz: „Wenn man dich fragt, ob Du mit dem einverstanden, dass ich nicht mehr kämpfen will, so sage ganz ehrlich aus, wie es dir am liebsten gewesen, denn für mich glaub ich, kann nichts erleichtern und auch kaum beschweren, denn würde ich vor Lügen und Schwindeln keinen so großen Schrecken haben, dann würde ich ohnedies nicht hier sitzen, und will mir auch weiterhin durch keine Lüge das Leben retten.“

Franz Jägerstätter hatte Mut zu Wahrheit und zu Gerechtigkeit. Sein Fundament war ein starkes Gottvertrauen, das Gebet und die Teilnahme an der Eucharistie. Er hat gezeigt, was das „Ich widersage“ des Taufbekenntnisses in einer konkreten geschichtlichen Situation bedeuten kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.