Halloween auf katholisch

Halloween auf katholisch
Bild: unsplash.com, Beth Teutschmann

Draußen vor den Türen und in den Fenstern flackern sie wieder: gruselige Kürbisfratzen, Gespenster und Skelette. Die dunkle Jahreszeit ist da. Mit ihr halten Spukgestalten und Wesen der Finsternis Einzug – und werden sogar gefeiert: Halloween wird die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November seit einigen Jahren auch in Deutschland genannt. Wo sich früher Menschen in ihre Häuser und Wohnungen zurückzogen und diese hell erleuchteten, um böse Geister zu vertreiben, da laufen heute Kinder und Erwachsene selbst als Gruselgestalten durch die Nacht.

Keine schlechte Idee: seinen Ängsten zu begegnen, anstatt sie auszusperren – zumal diese Zeit des Kirchenjahres eigentlich dazu geschaffen ist, der Toten zu gedenken. Deswegen haben Christen im November auch schon vor den Kürbisköpfen gefeiert:

Das aus Amerika bekannte Halloween ist eigentlich eine abgewandelte Form von „All Hallows‘ Eve“, was den Abend vor Allerheiligen bezeichnet. Dieser Feiertag ist seit jeher mit Tod und Schrecken verknüpft, aber auch mit Begriffen wie Mut und Stärke. An Allerheiligen gedenken Christen grundsätzlich aller Heiligen, beispielsweise Mutter Theresa, Franz von Assisi oder der Heiligen Barbara.

Bistumspatrone im Fokus

In den Armreliquiaren werden Gebeine der Heiligen Crispin und Crispinian aufbewahrt. Bild: Diözesanmuseum Osnabrück

Im Bistum Osnabrück stehen Ende Oktober vor allem zwei Heilige im Vordergrund: die Bistumspatrone Crispin und Crispinianus. Sie wurden im dritten Jahrhundert nach Christus in Rom geboren. Ihre Familien waren reich und angesehen, aber die beiden machten sich nichts daraus – sie sahen es als ihre Aufgabe an, den christlichen Glauben in die Welt zu tragen. Aufsehen erregten sie in Soissons im heutigen Frankreich. Hier ließen sie sich nieder und erlernten das Schusterhandwerk – eine sehr niedere Tätigkeit, die sie aber mit Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in Kontakt brachte. So konnten sie ihre Botschaft unter den Menschen verbreiten. Ihre gelebte Nächstenliebe zeigte sich unter anderem darin, dass sie für die Armen der Stadt gratis Schuhe anfertigten. Mit ihrer Beliebtheit stieg auch die Bekanntheit von Crispin und Crispinianus, was ihnen zum Verhängnis wurde: sie wurden gefangen genommen und gefoltert. Als sie sich dennoch weigerten, dem christlichen Glauben abzuschwören, wurden sie schließlich geköpft.

Reliquien der beiden Heiligen werden heute in der Domschatzkammer im Diözesanmuseum Osnabrück aufbewahrt. An wichtigen kirchlichen Feiertagen werden sie im Hochaltar des Doms St. Petrus präsentiert. Am Gedenktag der Märtyrer, dem 25. Oktober, wird zu ihren Ehren regelmäßig eine Messe im Dom gelesen.

Wir gedenken aller Heiligen und Seelen

Doch an Allerheiligen werden nicht nur bekannte Heilige geehrt, sondern auch unbekannte, deren Heiligkeit nur Gott sieht. Denn heilig ist und wird nicht nur, wer jederzeit vorbildlich lebt und einen Aufsehen erregenden Märtyrertod stirbt. Ein wenig Heiligkeit steckt im jedem, der sich für mehr Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Nächstenliebe einsetzt.

Ein Grablicht auf dem Domherrenfriedhof Osnabrück Bild: Bistum Osnabrück

Einen Tag nach Allerheiligen, an Allerseelen, erinnern sich Christen auf der ganzen Welt an die Verstorbenen aus dem Familien- und Freundeskreis; traditionell werden in diesen Tagen auf den Gräbern Kerzen entzündet, die den Toten als ewiges Licht leuchten sollen. Nach alter Überlieferung dienen sie auch dazu, rastlosen Seelen den Weg zu ihrer letzten Ruhestätte zu zeigen. Allerheiligen und Allerseelen sind somit nicht nur Tage des Todes, sondern auch Tage des ewigen Lichts, das allen Christen Hoffnung bringt – über den Tod hinaus, weil Jesus Christus den Tod besiegt hat.

Schaurige Erzählungen gibt es dieser Tage also einige – Halloween braucht man dafür aber nicht unbedingt. Denn die christliche Mythologie hält auch ohne Zombies und Kürbisköpfe genug spannende Geschichten bereit …