Archäologie

Domgrabung
Bild: Diözesanmuseum Osnabrück

Wir verdanken einige unserer ältesten Exponate, und auch wichtige Kenntnisse zur frühen Geschichte des Doms, der archäologischen Forschung. So beispielsweise die um 800 datierte Taubenfibel, die Sie im ersten Raum unseres Museums bewundern können. Aber worum genau handelt es sich bei „der Archäologie“? Wahrscheinlich hat jeder schon einmal von ihr gehört, aber es kursieren auch eine Menge falscher Vorstellungen, die nicht zuletzt auf Abenteuerfilme zurückgehen.

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, Archäologen würden nach Dinosauriern graben. Das ist jedoch nicht richtig, denn Archäologen befassen sich mit der Erforschung der kulturellen Entwicklung der Menschheit. Sollte ein Archäologe also tatsächlich einmal auf Dinoknochen stoßen, dann hat er mit großer Wahrscheinlichkeit einfach viel zu tief gegraben. Auch haben Archäologen wenig mit fiktiven Abenteurern wie Indiana Jones gemein. Obwohl die Filmreihe bei Archäologen tatsächlich recht beliebt ist, sieht die Realität ganz anders aus. Zwar gibt es reale Vorbilder für den Abenteurer aus Hollywood, allerdings waren die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätig. Heutzutage laufen Archäologen nicht mehr mit Revolver und Peitsche am Gürtel durch die Welt.

Weitere Infos

Allgemein ist es schwierig, von „der Archäologie“ zu sprechen, da es eine weit verzweigte Wissenschaft ist. Es gibt viele archäologische Disziplinen, die sich mit unterschiedlichen Epochen und Regionen beschäftigen. Andere unterscheiden sich in den Forschungsgegenständen oder den Methoden. Am bekanntesten ist vielleicht die Klassische Archäologie, die sich mit den alten Griechen und Römern beschäftigt. In der Regel verrät der Name der einzelnen Disziplinen schon, mit welchem Forschungsschwerpunkt man sich befasst. Beispielsweise erforscht die Unterwasserarchäologie menschliche Hinterlassenschaften unter Wasser, wie Schiffswracks oder versunkene Ortschaften. Die Liste der Disziplinen ist lang. Es verhält sich ein wenig wie bei Medizinern: Jeder Chirurg ist ein Arzt, aber nicht jeder Arzt ist ein Chirurg.

Indiana Jones, würde er denn wirklich existieren, wäre auch ein ziemlich schlechter Archäologe, denn die reale Arbeit ähnelt eher der eines Sherlock Holmes. Man sammelt Indizien und versucht, daraus ein möglichst wirklichkeitsgetreues Abbild der Vergangenheit herzuleiten. Die meiste Zeit verbringen Archäologen in Bibliotheken und Archiven, wo sie beispielsweise alte Quellen und Grabungsergebnisse auswerten. Kenntnisse in verschiedenen, teils ausgestorbenen Sprachen sind daher unumgänglich.

Welche das im Speziellen sind, hängt von der jeweiligen Disziplin ab. In der Klassischen Archäologie sind es beispielsweise Latein und Altgriechisch und in der Ägyptologie muss man Hieroglyphen entziffern können. Die große Vielfalt der menschlichen Kulturen ist ein wesentlicher Grund für die Aufteilung in die unterschiedlichsten Disziplinen, denn es ist kaum möglich, alle Sprachen dieser Welt zu erlernen, und niemand kann alle Kulturen umfänglich überblicken.

Die Disziplinen, die für unsere Themen neue Erkenntnisse liefern, sind beispielsweise die Kirchenarchäologie und die Stadtarchäologie. Dabei sind nicht alle Disziplinen auch eigene Studienfächer, die an Universitäten gelehrt werden. Einige sind gewissermaßen fachübergreifend. So können beispielsweise in der Kirchenarchäologie gleichsam Kunsthistoriker, Architekten, Vertreter der Christlichen Archäologie oder der Bauforschung, aber auch Vertreter anderer Disziplinen tätig sein. Oft kommt es auf den Forschungsschwerpunkt und die Fertigkeiten des einzelnen Wissenschaftlers an. Ein studierter Ägyptologe mit Tauchschein kann in der Unterwasserarchäologie arbeiten und dort Relikte der altägyptischen Kultur unter Wasser erforschen.

Ausgrabung am Osnabrücker DomAuch bei den Ausgrabungen geht es für gewöhnlich etwas nüchterner zu, als es sich Autoren in Hollywood vorstellen, auch wenn die lokalen Gegebenheiten bisweilen etwas abenteuerlich sein können. Wenn Archäologen dann endlich mit der Feldarbeit beginnen, werden nicht einfach wahllos Löcher gegraben, sondern man geht äußerst planvoll vor. Es werden Areale für Grabungsschnitte abgesteckt und dort systematisch gegraben. Mittlerweile kommen zuerst auch oftmals moderne Technologien, wie das Georadar zum Einsatz. Dadurch lassen sich Strukturen im Boden erkennen, wodurch man die Grabungsschnitte zielgerichteter anlegen kann.

Wie die Ausgrabungen genau aussehen hängt vielfach von den örtlichen Gegebenheiten ab. Auf einem freien Feld muss man anders vorgehen als in einer Stadt oder unter einem Gebäude. Am Wichtigsten ist dabei eine gute Dokumentation. Alle Arbeitsschritte und Funde werden vermessen, fotografiert, gezeichnet, kartiert und so weiter. Der Grund hierfür ist recht simpel: Archäologen machen alles kaputt. Also nicht die Objekte, die bleiben hoffentlich ganz (auch wenn es vorkommen kann, dass ein Fundstück durch eine Schaufel halbiert wird). Es geht um den Kontext. Die meisten Fundstücke sind für den Archäologen ohne den Fundzusammenhang quasi wertlos. Ohne den Kontext kann man zumeist bestenfalls sagen, dass es sich um ein wirklich schönes Fundstück handelt. Erst durch den Fundkontext wird eine Geschichte erzählt.

Dabei ist es beispielsweise wichtig zu wissen, in welcher Schicht ein Objekt gefunden wurde und was dort sonst noch alles lag. Deswegen sind Raubgräber für Archäologen auch so ein Ärgernis, da sie den Fundkontext unwiederbringlich zerstören. Abgesehen davon ist es strafbar, sich in dieser Weise als „Freizeitarchäologe“ zu betätigen, weshalb man nur davon abraten kann.

Besucherinformation und Kontakt

Diözesanmuseum und Domschatzkammer
Domhof 12
49074 Osnabrück

0541 318-481
museum@bistum-os.de

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 18:00 Uhr

Eintritt: 5,- Euro, ermäßigt 3,50 Euro
Für Kinder und Jugendliche ist der Eintritt frei!