Den Ahnen auf der Spur

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Georg Wilhelm und Renate Dry mit einer Kirchenbuchabschrift (Bild: Bistum Osnabrück)
Georg Wilhelm und Renate Dry forschen in einer Kirchenbuchabschrift (Bild: Bistum Osnabrück)

Mit der Hochzeit der Cousine hat alles angefangen. Renate Dry aus Osnabrück-Pye erinnert sich noch gut. „Meine Cousine lebt in Kanada und ich wollte ihr ein Geschenk schicken, das nicht viel wiegt.“ Die Familienforscherin lächelt, wenn sie daran zurück denkt. „Was liegt da näher, als einen Stammbaum zu verschenken?“

Forschen, in Kirchenbüchern nach Taufen, Trauungen und Todesfällen recherchieren und daraus einen Stammbaum erstellen – all das ist im Archiv des Bistums Osnabrück möglich. Immer mittwochs. Dann ist Familienforschertag. Sechs Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Renate Dry kommt häufig hierher. „Ich habe 1982 angefangen zu forschen. Interessiert hat mich die Geschichte meiner Familie schon immer“, sagt sie. Die Begeisterung in ihrer Stimme ist nicht zu überhören. „Man findet alles: Verbrecher, uneheliche Kinder, schwarze Schafe“, scherzt sie, „aber man wird nie fertig. Ich kann immer nur einzelne Etappen abschließen.“

Um so viel wie möglich über ihre Ahnen zu erfahren, hat die 56-Jährige ihre eigene Taktik entwickelt: „Zuerst die Verwandten befragen, denn Zeitzeugen sind die besten Quellen“, rät sie. Dabei sei es wichtig, immer auch die Quelle zu notieren. „Wer hat mir wann was erzählt?“ Der zweite Schritt: alle Dokumente sichern. „Stammbücher, Briefe, Totenbildchen und vor allem Fotos“, zählt Dry auf, „natürlich alles beschriftet.“ Ein weiterer Schritt führt dann ins Bistumsarchiv, wo Familienforscher Einsicht in die Kirchenbücher der Pfarrgemeinden des Bistums bekommen und verfilmte Kirchenbücher am Computer einsehen können.

Georg Wilhelm und Renate Dry an der Bistumskarte (Bild: Bistum Osnabrück)
An der Bistumskarte verfolgen die Familienforscher die Wanderungsbewegungen ihrer Vorfahren (Bild: Bistum Osnabrück)

Dr. Georg Wilhelm, der das Archiv betreut, kennt viele Familienforscher wie Renate Dry. 91 Besucher konnte die Familienforschung im vergangenen Jahr verzeichnen. Meist seien es aber über 100 pro Jahr, weiß Wilhelm. Dazu kommen schriftliche Anfragen aus der ganzen Welt – die meisten davon aus den Niederlanden oder den USA. „Mehr über seine Familie wissen zu wollen, ist ein menschliches Phänomen“, sagt Wilhelm. Viele Interessierte seien ältere Damen und Herren. „Sie sind im Ruhestand und haben jetzt, nach ihrem Berufsleben, mehr Zeit zu forschen. Zuerst im Kleinen, doch dann wird’s oft riesengroß.“
Denn im Osnabrücker Bistumsarchiv können Familienforscher vielen Fragen auf die Spur kommen. „Man findet Einträge zu sozialer Schichtung, verschiedenen Todesursachen, Ortsgeschichte, Auswanderungsbewegungen und gesellschaftlichen Entwicklungen“, sagt Wilhelm. Mindestens bis in das Jahr 1650 gehen die Daten zurück. „Der Dreißigjährige Krieg hat viel vernichtet und ist deshalb eine Grenze“, erklärt Wilhelm. Das Dözesanarchiv ist für Familienforscher dennoch eine kostbare Quelle. „Vor 1876 wurde der Personenstand nicht staatlich registriert. Erst dann sind die Standesämter entstanden“, sagt Wilhelm. „Wer also in den Jahren vor 1876 forschen möchte, ist auf uns angewiesen.“
Sind Sie auch interessiert? Dann kommen Sie vorbei! Für die Familienforschung ist das Diözesanarchiv mittwochs von 8 Uhr bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18 Uhr geöffnet. Wegen der begrenzten Plätze wird um Voranmeldung gebeten.