Verzicht als Gewinn

Bild: medienrehvier.de, Anja Brunsmann

Keine Schokolade, kein Fleisch, kein Alkohol. Kein Handy, keine neuen Klamotten oder einfach mal 40 Tage nicht lästern – viele Menschen nutzen die Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern heutzutage für ihre ganz persönliche Reinigungskur. Denn auch wer nicht gläubig ist, kann sich in dieser überschaubaren Zeit einer Herausforderung stellen: auf Lieb gewonnenes zu verzichten und sich wieder mehr aufs Wesentliche zu konzentrieren.

Das Wesentliche, das ist nach christlicher Tradition die Besinnung auf Gott. Mit der 40-tägigen Fastenzeit im Hinblick auf Ostern erinnern sich Christen an Jesus, der laut Überlieferung 40 Tage durch die Wüste zog und fastete, bevor er dann, erfüllt von der Kraft des Heiligen Geistes, mit seinen Predigten und Wundertaten begann.

Weitere Infos

  • Tägliche E-Mail- oder WhatsApp-Impulse gibt es von der Internetseelsorge des Bistums Osnabrück: http://fastenimpulse.de
  • Termine zur Besinnung in der Fastenzeit finden Sie in unserem Kalender!

Doch nicht nur im Christentum, auch in den anderen großen Weltreligionen Judentum, Islam und Buddhismus gehören Fastenzeiten zur Glaubenspraxis. Moses, Christus, Buddha und Mohammed – sie alle predigten von der großen Bedeutung der inneren Einkehr für die Selbst- und Gotteserkenntnis. Oder wie es Teresa von Avila so schön eingängig formulierte: „Tu deinem Leib etwas Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen!“

Gesundheit für Körper und Geist

Dass Fasten förderlich für die Gesundheit ist, ist unbestritten: Wer einige Tage auf Fleisch, Fette und Kohlenhydrate verzichtet und hautsächlich Brühe, Obst und Gemüsesäfte zu sich nimmt, der entlastet und reinigt nicht nur sein Verdauungssystem, sondern lernt auch, Essen wieder wertzuschätzen, Portionen richtig einzuteilen und sich bewusst zu ernähren. Krankheiten wie Rheuma und Bluthochdruck können gemildert werden, auch chronische Erkrankungen wie Neurodermitis bessern sich häufig. Viele Fastende berichten außerdem von einem Gefühl der Stärke und Leichtigkeit. Ist der Hunger nach etwa zwei Tagen erst einmal verflogen, fühlen sie sich oft beweglicher und wohler in ihrer Haut, geradezu euphorisch.

eine Scheibe Brot auf einem TellerDenn Fasten wirkt sich eben nicht nur auf den Körper aus, sondern auch auf den Geist! Benediktinerpater Anselm Grün, der als Ordensmann regelmäßige Fastenzeiten in sein Leben integriert, beschreibt es so: „Für mich ist die Fastenzeit eine Trainingszeit in die innere Freiheit. Es ist wie ein Frühjahrsputz der Seele oder auch des Zimmers. Wir alle müssen unsere Zimmer und Wohnungen ab und an entrümpeln. Genauso ist die Fastenzeit eine Zeit der Reinigung. Fasten reinigt aber nicht nur den Körper, es geht auch um geistige und seelische Reinigung. So wie der Frühling alles erneuert, so will die Fastenzeit den Menschen innerlich erneuern.
Dabei bestätigt sich, dass weniger manchmal mehr ist. Fasten ist in diesem Sinne nicht als Selbstgeißelung zu verstehen, sondern als Konzentration auf das Wesentliche, als Motivation und Selbstbestätigung: „Ich schaffe das!“ und letztendlich als Weg zu mehr Zufriedenheit.

Dieser Effekt lässt sich im Übrigen nicht nur mit dem Verzicht auf Essen erreichen, sondern auch mit anderen Mitteln. Wer den Verzicht als bewusste Entscheidung praktiziert und entschlossen ist, eingefahrene Muster aufzubrechen – seien es Ernährungs-, Konsum- oder andere Gewohnheiten – der wird Erfolg haben. Fasten schafft Freiräume, die mit anderem gefüllt werden können. Sinn des Ganzen ist allerdings nicht eine Schlankheitskur, sondern ein bewussteres Leben, um mit sich selbst, dem Mitmenschen und Gott ins Reine zu kommen.