Geistlicher Missbrauch

In jeder Beziehung, die unter ungleichen Bedingungen verläuft, verfügen die Verantwortlichen über Macht und Einfluss, die auch missbraucht werden können. Das gilt in der Seelsorge ebenso wie etwa in der Familie, in Schule oder Therapie. Geistliche Wegbegleitung ist ein Geschehen zwischen Begleitenden und Begleiteten. Damit gibt es in solchen Beziehungen grundsätzlich ungleiche Voraussetzungen, weil die Begleitenden von den Begleiteten um Weisung, Rat, bisweilen Hilfe gebeten werden. Das fordert von Personen, die andere spirituell begleiten, schon immer das Bewusstsein besonderer Verantwortung.

Unabhängige Ansprechpersonen für Betroffene geistlichen Missbrauchs:

Dr. Julie Kirchberg

Dr. Julie Kirchberg
Theologin
0800-7354127
E-Mail-Kontakt

Ludger Pietruschka

Ludger Pietruschka
Pastoralreferent
0800-7354128
E-Mail-Kontakt

Ingrid Großmann

Ingrid Großmann
ev. Pastorin, Coach, Supervisorin, Mediatorin
0800-5894815
E-Mail-Kontakt

Es ist Aufgabe von Seelsorgerinnen und Seelsorgern und allen, die andere auf ihrem Glaubensweg begleiten, diesen die befreiende Botschaft des Evangeliums zu erschließen.

Geistlicher Missbrauch beginnt deshalb dort, wo jemand einen Menschen, der von ihm Weg-Weisung erwartet, stattdessen mithilfe biblischer Aussagen, theologischer Inhalte oder spiritueller Praktiken manipuliert und unter Druck setzt. Statt in eine befreiende und erfüllende Beziehung mit Gott wird die missbrauchte Person auf solche Weise in die Irre, in Enge und Isolierung geführt. Das Ergebnis ist Abhängigkeit statt Autonomie. Das aber ist eine Form von Machtmissbrauch, weil Grenzen, die gesetzt sind, durch den Täter unter Ausnutzung seiner Rolle oder Aufgabe überschritten werden, ohne dass sich Betroffene dagegen wehren können.

Im geistlichen Bereich sind Übergriffe – anders als in Fällen sexualisierter Gewalt – bislang nicht ohne weiteres strafrechtlich zu verfolgen. Dabei kann sich ein Machtmissbrauch im religiösen Kontext auf das Leben von Betroffenen ähnlich schädlich auswirken. Geistlicher Missbrauch führt zu einem Verlust der spirituellen Autonomie und hat Auswirkungen auf die physische und psychische Gesundheit der Betroffenen. Im Bistum Osnabrück gibt es deswegen neben den Ansprechpersonen für Betroffene sexualisierter Gewalt mit Dr. Julie Kirchberg, Ludger Pietruschka und Ingrid Großmann drei weitere unabhängige Personen, die für Betroffene von spirituellem bzw. geistlichem Missbrauch als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen.

Weitere Infos

Die Ansprechpersonen stellen sich anwaltschaftlich auf die Seite der Betroffenen und arbeiten – jeweils nur mit der Zustimmung der Betroffenen – die Fragestellungen und Fälle soweit auf, dass sie von einer Klärungsinstanz des Bistums aufgegriffen und weiter begleitet werden können. Auf diesem Wege können den Betroffenen auch konkrete Hilfen wie etwa therapeutische Unterstützung oder Beratungsleistungen angeboten werden.

Um den besonderen Fragen im Themenfeld „geistlicher Missbrauch“ zu begegnen, wurde im Rahmen des Diözesanen Schutzprozesses im Bistum Osnabrück eine eigene Arbeitsgruppe zu diesem Thema eingerichtet. Sie hat die Aufgaben, konzeptionelle Fragen weiterzuentwickeln und zu speziellen Aspekten der Prävention und des Umgangs mit Betroffenen und Tätern, sowie zu den damit verbundenen rechtlichen Fragen zu beraten. Auch ein eigener Aufarbeitungsprozess wird in Anbindung an andere Aufarbeitungsprojekte initiiert; ein unabhängiges Forschungsprojekt zum Themenkomplex geistlicher Missbrauch ist in Vorbereitung.