Gott kennt keine Berührungsängste

zwei Hände berühren sich
Bild: pixabay.com, markus53

„Berührung“ – mit diesem Wort könnte ich die biblischen Texte und viele Begegnungen der vergangenen Tage überschreiben.

Am Donnerstagnachmittag von einer Sitzung der Liturgiekommission der Bischofskonferenz zurückgekommen. Am Morgen im Gottesdienst haben wir einen Text aus dem Alten Testament gehört, einen Abschnitt aus dem Buch Nehemia. Dort wird beschrieben, wie der Prophet Esra das Wort Gottes den Menschen verkündet. Sie verfolgen es aufmerksam; sie sind vom Wort Gottes geradezu berührt, weil es ihnen eine neue Zukunft erschließt. Sie sind so berührt davon, dass sie die Tränen nicht zurückhalten können.

Das Wort Gottes, das den Menschen im Innersten berührt – welch eine Vision auch für unsere Zeit und Kirche: dass wir das Wort Gottes hören, es wirklich an uns heranlassen!

Am vergangenen Sonntag habe ich dies auf ganz eigene Art und Weise erlebt. Ich war in einer Gemeinde zum Gottesdienst und vertrat dort den Pfarrer, der verhindert war. Kurz vor dem Gottesdienst kam eine junge Ministrantin in die Sakristei und fragte etwas verschüchtert: „Ich bin nicht aufgestellt, aber kann ich wohl noch mit dienen?“ Wie selbstverständlich ging eine etwas ältere Ministrantin auf sie zu und sagte mit einem gewinnenden Lächeln: „Na klar, komm nur. Welche Aufgabe möchtest du denn heute übernehmen?“

Über den Autor

Johannes Wübbe ist Weihbischof in unserem Bistum. Auf wen er in seinem Alltag trifft und was ihn bewegt – wir werden das in seinen Blogbeiträgen verfolgen.

Während der anschließenden Feier hat mich von dieser kleinen Szene her besonders das Evangelium berührt, das verkündet wurde: Da ging es darum, dass Jesus uns Menschen auffordert, zum Wort Gottes nicht einfach vorschnell und gedankenlos „Ja“ zu sagen, sondern sich von ihm berühren zu lassen und es dann so zu leben, dass es dadurch heilvolle Begegnungen zwischen uns Menschen und Gott geben kann.

Das Wort Gottes kennt keine Berührungsängste – aber vielleicht wir? Was oder wer hat dich, hat Sie in den vergangenen Tagen berührt? Oder wo zeigt sich jetzt, dass wir uns der Berührung entzogen haben?

 

Ein Kommentar zu “Gott kennt keine Berührungsängste

  1. Mit 43 Senioren aus unserer Gemeinde waren wir Wallfahren nach Heede.Immer wieder berührend in Gruppen gemeinsam beten und singen,mit hl. Messe und Friedhofsgang.Da hat man auch keine Berührungsängste.Wunderbar!

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