Inselkirche Spiekeroog

Bild: Jürgen Howaldt, commons.wikimedia.org

Ganz entspannt schlendert das Paar die kleine Straße entlang – vorbei an rosa blühenden Heckenrosen, an den typischen Inselhäuschen auf Spiekeroog, an idyllischen Vorgärten. Und dreht sich auf halbem Weg plötzlich zu mir um. „Was ist das da hinten?“, fragt die Frau freundlich und deutet auf das seltsame Bauwerk am Ende des Pfades. „Die katholische Kirche“, sage ich und sehe zwei erstaunte Gesichter. „Gehen Sie ruhig mal rein, es lohnt sich!“

Keine typische Kirche

Elisabeth Günnewig lacht über das ganze Gesicht, als sie später diese kleine Geschichte hört. „Das ist mir schon so oft passiert“, sagt sie und erzählt von ihren Erlebnissen auf der Fähre. Wie die Leute an der Reling stehen, sich den frischen Nordseewind um die Nase wehen lassen, gespannt den ersten Blick auf die Silhouette von Spiekeroog werfen. Und sich dann fragen, was da links am Dorfrand für ein Kupferdach aus den Dünen wächst.

Kirche auf Spiekeroog

Zwischen 750 und 800 Einwohner leben auf der Nordseeinsel Spiekeroog, nur etwa 40 davon sind katholisch. Es gibt zwei lutherische und eine katholische Kirche auf Spiekeroog. Das katholische Gotteshaus St. Peter ist 1970 geweiht worden. Die Kirche steht am Ortsrand an der Straße „Up de Höcht“ und ist das ganze Jahr über täglich geöffnet. Gottesdienste finden samstags um 19 Uhr und sonntags um 10 Uhr statt. Von Juni bis Oktober bietet die Urlauberseelsorge des Bistums in St. Peter Konzerte, Vorträge, Andachten und Kirchenführungen an.

St. Peter sieht ganz und gar nicht wie eine typische Kirche mit hohem Turm und gotischen Maßwerkfenstern aus. Mehr wie eine Pyramide, vielleicht auch wie ein Indianerzelt. Oder wie eine Seeboje, die beim Navigieren in schwerer See Orientierung gibt – ein schöner Gedanke. Für Elisabeth Günnewig und Reinhard Eickhoff ist St. Peter vor allem „unsere Kirche“. Sie sind zwei der wenigen Katholiken auf der östlichsten Insel des Bistums. Fast jeden Tag kümmern sie sich um das kleine Gotteshaus. Wenn kein Kurküster vor Ort ist, schließen sie auf und ab. Sorgen für Kerzen vor der Ikone und Bücher im Schriftenstand, fegen durch, nehmen Pastoren oder Referenten in Empfang und halten deren Wohnung neben der Kirche in Ordnung. Elisabeth Günnewig macht außerdem wunderbare Blumengestecke. Heute steht ein schlichtes Arrangement neben dem Altar: zwei alte Klinkersteine von der Insel, gehalten von einem Golddraht, davor eine knallrote Rose aus einem Spiekerooger Garten. Einfach schön.

Innen in der Inselkirche St. Peter auf Spiekeroog (Bild: kirchebote.de)
Reinhard Eickhoff und Elisabeth Günnewig kümmern sich um die Inselkirche. Umgeben von Holz und Licht sitzen sie im schlichten Innenraum. Bild: Kirchenbote

Dabei sind beide keine gebürtigen Insulaner. Reinhard Eickhoff stammt aus Gütersloh und lebt seit dem Jahr 2000 auf Spiekeroog. Der gelernte Elektriker und passionierte Hobbymusiker leitet das Schullandheim am Westend. Und hat sich im positiven Sinne von der Insel „gefangen“ nehmen lassen. Genau wie er kann sich auch Elisabeth Günnewig nicht mehr vorstellen, irgendwo anders zu leben. Geboren und aufgewachsen ist die Hauswirtschaftsleiterin im Münsterland, hat seit 1991 die Familienferienstätte Haus Winfred auf Spiekeroog geleitet. Seit ein paar Wochen ist die 64-Jährige in Rente. Und hat jetzt ein bisschen mehr Zeit, auch tagsüber in ihre Kirche zu gehen.

Stress und Alltag werden ausgesperrt

Was sie an und in St. Peter besonders liebt? „Die Ruhe“, antwortet Günnewig spontan und setzt sich neben Reinhard Eickhoff auf einen der 240 einfachen Klappstühle. Bunte Kissen liegen darauf, aus Wollresten selbst gehäkelt. Manch einer mag sie altmodisch nennen. Elisabeth Günnewig findet, sie passen zur schlichten Schönheit von St. Peter. Sie horcht einen Moment. „Hier hören Sie höchstens den Wind, sonst nichts.“ Sie hat recht – nicht das heisere Schreien der Möwen, keine Fahrradklingel, kein Geplauder dringt herein. „Und Gott sei Dank werde ich auch nicht von irgendeiner Musik berieselt.“ Es ist ganz still. Ungestört ruhen sich Leib und Seele aus, die Gedanken sammeln sich und fliegen davon, Stress und Alltag werden ausgesperrt.

Zeit genug, um die Augen auf Entdeckungsreise gehen zu lassen. Nach oben in den Scheitelpunkt dieses Zeltes Gottes, direkt darunter auf den modernen Stahlaltar und das schlichte Kreuz, nach links und rechts auf die hölzernen Wände. Mit ihrer warmen Farbe machen sie die Kirche warm, behaglich, wohlig. Besonders gern mag Elisabeth Günnewig die drei Lichtbänder, die St. Peter bis nach oben durchziehen. Je nach Tageszeit spielt das Licht darin und wirft seine Schatten auf den Boden. Kurz vor Sonnenuntergang strahlt ein Fenster in Blau. „In einem unglaublichen Blau. Das ist der Himmel“, sagt sie. Das bewundern auch die vielen Gäste, die täglich hereinschauen. Die eine Pause von Strand und Sonne machen. Die sitzen und beten, in den Büchern lesen, eine Fürbitte oder einen Dank aufschreiben. „Hier kann ich durchatmen“ steht da. Oder: „Noch nie habe ich eine Kirche gesehen, die mich so erstaunt hat.“