Leuchtende Friedenswege
Zwischen erdigen Brauntönen und blutroten Farbflächen bahnen sich weiße Leuchtspuren einen Weg. Ich streiche mit den Fingern über die Glasflächen und spüre die Scherben und Splitter, aus denen sie zusammengefügt sind. Die Wege verlaufen in unterschiedlichen Biegungen und Richtungen und setzen sich aus kantigen Bruchstücken zusammen. Der Glaskünstler Klaus Dieter Happek hat sechs beeindruckende Stelen geschaffen, die in dieser Adventszeit im Forum am Dom zu sehen sind.
An jeder Stele leuchtet das Wort „Frieden“ in einer anderen Sprache. „Peace“ neben „Shalom“, „Salam“ neben „Paix“, „Mir“ neben „Frieden“. Abends, wenn die farbigen Glasplatten durch die Fenster des Forums nach draußen leuchten, spricht mich dieses Kunstprojekt ganz besonders an. Es ist in der Pfarreiengemeinschaft im Artland entstanden und wandert mit seiner Botschaft von Ort zu Ort. Eine faszinierende Idee: steinige Wege auf der Suche nach Frieden so zum Leuchten zu bringen. In allen Sprachen gibt es ein Wort für „Frieden“. Was für eine Basis könnte dies allein schon für die Menschheit sein. In unterschiedlichsten Kulturen und Regionen, überall gibt es Visionen des Friedens. Die leuchtenden Wege auf den Stelen erinnern an bereits beschrittene Friedenswege, aber auch an Fluchtwege, Wege der Gewalt und des Schreckens.
Über die Autorin
Daniela Engelhard ist Leiterin des Forums am Dom in Osnabrück. Bei der Arbeit in dieser Einrichtung der Citypastoral kommt sie mit vielen unterschiedlichen Menschen in Kontakt. Von Erlebnissen und Themen, die sie bewegen, berichtet sie in ihren Blogbeiträgen.
Alle diese Pfade sind mit Scherben gesäumt. Aber aus Bruchstücken können neue Wege entstehen, so die hoffnungsvolle Aussage des Kunstprojektes. Dies geht nur durch eine tatkräftige Praxis des Friedens. Die Worte der Stelen weisen über sich hinaus und sind ein Anstoß zum Handeln. „Frieden ist ein Tuwort. Wir, ich müssen, du musst frieden.“ Diesen treffenden Kommentar hat ein Besucher oder eine Besucherin der Ausstellung auf eine weiße Stele geschrieben, die mit eigenen Gedanken zum Thema beschriftet werden kann. Dort stehen auch die unvergesslichen Worte von Margot Friedländer: „Seid Menschen!“ Was für eine klare Botschaft hat sie uns damit hinterlassen. Einfach Mensch sein. Darum geht es.
Weitere Infos
Die Ausstellung ist noch bis zum 18. Dezember im Forum am Dom zu sehen. Hier gibt es detaillierte Infos.
Neben tiefblauen und grünen Flächen strahlt eine Stele in Gelb und Orange vor dunklem Hintergrund. Diese warmen Goldtöne, so ist mein Eindruck, leuchten direkt ins Herz der Betrachtenden. Vielleicht berühren sie am stärksten die Sehnsucht nach Wärme, Licht und Frieden. Und das bedeutet für mich Advent: dieser Sehnsucht Raum zu geben und sie zu leben. „Friede hat viele Gesichter. Der Friede im Herzen eines Jeden. Der soziale Frieden …“ Diese Zeilen aus dem Ausstellungsflyer nehme ich gerne als Impuls nicht nur in die Adventszeit mit: Wo und wie ich es kann, Friedfertigkeit leben; nach Menschen Ausschau halten, die dies überzeugend tun; Pfade des Friedens suchen und die kantigen Bruchstücke nicht scheuen. Denn daraus kann Neues entstehen.


