Liturgie

Liturgie
Bild: Diözesanmuseum Osnabrück

Unter dem Begriff der Liturgie verstehen wir das gesamte gottesdienstliche Handeln. Der Ausdruck wird in diesem Zusammenhang im Christentum und Judentum verwendet.

Wenn man sich darunter noch nicht viel vorstellen kann, hilft es, sich einmal die vielfältigen religiösen Bräuche und Zeremonien vor Augen zu rufen, die in Gottesdiensten oder bei kirchlichen Festen eine wichtige Rolle spielen. Diese Bräuche und Zeremonien werden auch als Riten bezeichnet. Genauer betrachtet bedeutet es also, dass beispielsweise das Gebet, die Lesung, die Verkündigung, der Gesang oder auch Symbolhandlungen und die Spendung von Sakramenten (Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe) zu der Liturgie gehören.

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Auch wenn eine Trauung oder ein Begräbnis stattfinden oder die Messe gefeiert wird, ist das Teil der Liturgie. Außerdem gibt es sich jährlich wiederholende Feierlichkeiten im Kirchenjahr, die ebenfalls zur Liturgie gehören. Dabei handelt es sich um Herrenfeste, wie beispielsweise Weihnachten und Ostern sowie um Heiligenfeste, bei denen es sich um Gedenktage für Apostel, Evangelisten, Märtyrer, Bischöfe u.a. handelt. Am 29. Juni wird zum Beispiel Sankt Peter gedacht, welcher Hauptpatron und Namensgeber des Osnabrücker Doms ist.

Besonderes Zubehör, das in den Gottesdiensten genutzt wird, oder Gewänder, die dabei getragen werden, werden als liturgische Geräte und liturgische Gewänder bezeichnet. Einige davon findet man auch hier im Diözesanmuseum und Domschatz. Bei liturgischen Geräten kann es sich beispielsweise um Kelche, Monstranzen, Messkännchen, Altarkreuze, Weihrauchfässer etc. handeln.

Kapitelskreuz im Diözesanmuseum
Kapitelskreuz im Diözesanmuseum Bild: Diözesanmuseum Osnabrück

Auch bei einem der auffälligsten Ausstellungsstücke, einem goldenen, reich mit Edelsteinen und Perlen verzierten Kapitelskreuz, handelt es sich um ein liturgisches Gerät, das seit dem 11. Jahrhundert als Prozessionskreuz in Gebrauch ist. Bei der Prozession handelt es sich um einen feierlichen Umzug von Geistlichen und der Gemeinde. Bei diesem wird das Prozessionskreuz an der Spitze voran getragen, es wird deshalb auch als Vortragekreuz bezeichnet. Zusätzlich war dieses Kreuz elementarer Bestandteil des religiösen Brauchs, bei dem die Domherren jeden neu gewählten Bischof mit ebendiesem Kreuz begrüßten, woraufhin dieser davor niederkniete und die in das Kreuz eingearbeitete Reliquie küsste.

Fußwaschung an Gründonnerstag in Osnabrück
Fußwaschung an Gründonnerstag im Osnabrücker Dom Bild: Diözesanmuseum Osnabrück

Einige der liturgischen Geräte im Museum sind auch heute noch in Gebrauch. Beispiele dafür sind eine Schüssel und zwei Kannen aus dem 17. Jahrhundert, die bis zum heutigen Tag für den Ritus der traditionellen Fußwaschung am Gründonnerstag genutzt werden.

Da sich die Gottesdienste und religiösen Riten in den verschiedenen Glaubensrichtungen und Kirchen teilweise unterscheiden, gibt es nicht nur eine einzige, für alle gültige Liturgie, sondern unterschiedliche Formen.

Im Christentum bezeichnete das Wort Liturgie ursprünglich den Dienst wohlhabender Bürger an den Armen. Die Liturgie ist nie privater Natur, sondern findet im Rahmen der Kirche und Gemeinde statt, die so Einzug in das Leben der Menschen findet. Die Liturgie der katholischen Kirche hat sich mit der Geschichte der Kirche entwickelt. Das Alte Testament bildet dabei einen der ersten Ausgangspunkte. Im katholischen Liturgieverständnis geht es neben der Ordnung der heiligen Messe und der Reglung einzelner Ritenabfolgen primär um die Stärkung der Gemeinschaft der Menschen untereinander und zu Gott.

In der evangelischen Kirche bezeichnet „Liturgie“ den Ablauf eines Gottesdienstes. Welcher Liturgie ein Gottesdienst folgt, wird hier durch eine Gottesdienstordnung festgelegt. Dabei gibt es zwei Grundordnungen, von denen eine lutherisch geprägt und eine reformiert geprägt ist. Es handelt sich dabei allerdings nicht um strikte Vorgaben, so dass die Liturgie des Gottesdienstes von Landeskirchen und den einzelnen Kirchengemeinden variiert werden kann.

Im Judentum wird unter der Liturgie der gesamte gestaltete Gottesdienst von den drei täglichen Gebeten, über den Sabbatgottesdienst, bis zu den Feiertagen verstanden. Sie umfasst die Kantillation der Tora, Gesang und Gebet. Im Zentrum der jüdischen Liturgie steht die Vorlesung der Tora.

Noch einmal zusammengefasst: Was ist also Liturgie?  Bei der Liturgie handelt es sich um alle religiösen Riten des Gottesdienstes und ihre Ordnung. Durch sie wird die Verehrung Gottes und Vertiefung des gemeinschaftlichen Glaubens praktiziert.

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