Mut zum Netzwerk! Wie Frauen von Frauen profitieren können
Wie wichtig Netzwerke für Frauen sind – beruflich wie privat – darüber spricht Martina Varnhorn, Projektleiterin in der Osnabrücker Koordinierungsstelle Frau und Betrieb e.V., hier im Interview. Sie macht deutlich, dass gerade Frauen vom Austausch untereinander profitieren, denn wer Beziehungen knüpft, Ideen teilt und gemeinsam Probleme löst, schafft Räume für Empowerment – für sich selbst und für andere.
Frau Varnhorn, ganz allgemein: Wofür sind Netzwerke gut?
Netzwerken bedeutet, dass man sich ein Netz knüpft an Leuten, mit denen man etwas bewegen kann oder die einen selbst bewegen. Durch Netzwerke können sich viele Dinge ergeben, weil man im Austausch miteinander ist und man auf neue Gedanken kommt und Mitstreiterinnen und Mitstreiter findet für neue Ideen.
Gilt das eher für berufliche oder für private Netzwerke?

Sowohl als auch! Familie, Clique, Nachbarschaft, die Leute, mit denen ich donnerstags Handball spiele, unser Familienkreis in der Kirchengemeinde – ohne diese ganzen Netzwerke wäre mein Leben deutlich langweiliger! Aber auch in der Arbeitswelt ist es gut, im Gespräch zu bleiben, sich auszutauschen, voneinander zu profitieren. Das ist ja mein Thema in der Koordinierungsstelle, speziell für Frauen: Wenn man sich vernetzt, bekommt man immer wieder andere Impulse und das hilft in vielen akuten Situationen, aber auch, um sich weiterzuentwickeln.
Warum sind gerade für Frauen Netzwerke besonders wichtig?
Für Frauen ist der Austausch mit andern einfach superwichtig! Egal, ob es um Freizeittipps oder psychische Gesundheit geht, Stichwort „Mental Load“. Wenn ich auf die berufliche Ebene schaue, habe ich in meinen Beratungen sehr viele Gespräche mit Frauen, die auf der Suche sind nach einer Teilzeitstelle, die kombinierbar ist mit Familie. Oft sind diese hoch ausgebildet und finden trotzdem nichts, weil diese Teilzeit für Unternehmen nicht immer unbedingt attraktiv ist. Wir machen oft die Erfahrung: Wenn Frauen zu Netzwerkveranstaltungen gehen, beispielsweise Frauen-Business-Tagen oder Berufsmessen, und sich miteinander austauschen, ergeben sich so viele Möglichkeiten! Der eine kennt den anderen, dem das Unternehmen xy gehört und weiß: Dort ist eine Stelle frei. Im Berufsleben läuft einfach viel über Beziehungen. Wir planen zum Beispiel gerade eine Veranstaltung zum Thema „Female Finance“ mit einer großen Bank hier aus der Stadt und das ist nur dadurch zustande gekommen, dass die Verantwortlichen bei einer ganz anderen Veranstaltung spontan nebeneinander am Stehtisch standen und im Gespräch festgestellt haben, dass es zu dem Thema viel zu wenig Angebote gibt und dass man dazu eigentlich mal etwas machen müsste.
Ihre erste Netzwerk-Empfehlung lautet also: Mehr am Stehtisch stehen und plaudern?
Fragen stellen und miteinander reden ist zumindest oft ein guter erster Schritt. Ein anderes, konkretes Beispiel: Ich habe eine Frau beraten, die nur in Teilzeit arbeiten konnte und wollte und eine Freundin hatte, der es genau so ging – die haben darüber gesprochen und sich dann einfach gemeinsam auf eine Vollzeitstelle beworben und das hat geklappt! Auf die Idee wären sie wahrscheinlich nicht gekommen, wenn sie nicht hier in der Beratung gewesen wären. Verbündete zu finden, denen es ähnlich geht, ist oft der erste Schritt zur Problemlösung oder einfach für einen neuen Impuls, beruflich wie privat.
Was ist, wenn es mir eigentlich gar nicht so liegt, am Stehtisch mit anderen ins Gespräch zu kommen? Kann ich Netzwerken lernen?
Weiter Infos
- Die Koordinierungsstelle Frau und Betrieb e.V. in Osnabrück bietet berufliche Beratung für Frauen an, aber auch viele Veranstaltungen und Workshops, z.B. zu Female Empowerment, Wegen in die Selbstständigkeit oder Zeitmanagement. Außerdem vermittelt sie Kontakte zu Netzwerken mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten.
- Rund um den Weltfrauentag am 8. März hat das Gleichstellungsbüro der Stadt Osnabrück ein umfangreiches Programm für Frauen zusammengestellt, das Sie hier herunterladen können.
- Wer in anderen Regionen Kontakte und Netzwerke sucht, kann sich beispielsweise an die Gleichstellungsbeauftragten der Heimatstadt wenden, die meist einen guten Überblick haben, welche Netzwerke, Veranstaltungen und weiteren Angebote es für Frauen in der Region gibt.
- Auch Kirchengemeinden machen spezielle Angebote für Frauen, zum Beispiel in Freren. Was bei Ihnen vor Ort los ist, erfahren sie auf der Internetseite Ihrer Kirchengemeinde.
- Weltweit vernetzt: Am 6. März wird der Weltgebetstag der Frauen gefeiert – auch im Bistum Osnabrück. Mehr dazu lesen Sie hier.
- Die katholische Kirche in Deutschland hat auch ein Netzwerk zur Unterstützung von Frauen: Der Hildegardis Verein bietet verschiedene Fördermöglichkeiten, unter anderem das Programm „Kirche im Mentoring – Frauen steigen auf“, an dem sich auch das Bistum Osnabrück beteiligt. Weitere Infos dazu gibt es hier.
Ja! Dafür muss man einfach mal allen Mut zusammennehmen und ein Stück rauskommen aus der Komfortzone. Ein konkreter Tipp: Wenn ich auf eine Netzwerkveranstaltung gehe, überlege ich mir vorher immer zwei, drei Einstiegssätze oder Fragen für den Gesprächsanfang. Das gibt mir Sicherheit und die Erfahrung zeigt: Daraus ergeben sich dann meist automatisch weitere Themen. Das klappt auch im privaten Kontext! Als mein Mann und ich mit den Kindern vor Jahren neu nach Wallenhorst gezogen sind, mussten wir uns dort unsere Netzwerke auch erst einmal aufbauen. Ich habe mir damals ganz bewusst als Aufgabe vorgenommen, jeden Tag im Kindergarten mit einem anderen Elternteil kurz Smalltalk zu machen – weil ich wusste: Sonst mache ich das nicht, sonst bleibe ich in meiner Komfortzone. Aber dadurch ist so viel entstanden, an Freundschaften, Verabredungen oder auch einfach nur Infos, die ich sonst nicht mitbekommen hätte.
Konkret: Wie können Frauen sich gegenseitig unterstützen?
Ein großes Thema ist Wertschätzung. Beispiel Mütter-Bashing: „Wie, du gibst deinem Kind einen Schnuller? Geht ja gar nicht!“ Ein anderes Beispiel: Beruflich kannst du es als Frau ja eigentlich gar nicht richtig machen – wenn du nicht arbeitest, bist du schlecht für die Volkswirtschaft und von Altersarmut bedroht und wenn du in Vollzeit arbeitest, heißt es: „Na, deine Kinder haben ja gar nichts von dir …“ Ich glaube, es würde uns Frauen gut stehen, viel öfter zu sagen: Du bist so, wie du bist und ich bin, wie ich bin und das ist total ok so – wir müssen uns nicht gegenseitig runter machen, sondern wir unterstützen uns. Auch gegen patriarchale Strukturen, in denen es manchmal nicht ganz einfach ist, sich als Frau zu behaupten. Da möchte ich auch für meine Kinder ein Vorbild sein und das ist auch etwas, das ich gerade mit meiner Tochter viel übe: Wenn ihr etwas nicht passt in der Schule zum Beispiel, versuchen wir, gemeinsam Lösungswege zu finden, wie sie für ihre Meinung und für das, was ihr wichtig ist, gut einstehen kann.
Welche Rolle spielen Netzwerke von Frauen in der katholischen Kirche
Wenn ich jetzt zum Beispiel an so etwas wie kfd, Frauenbund, Pfarrgemeinderäte denke, wo viele Frauen sich engagieren – also wenn es das nicht gäbe, dann wäre Kirche ganz schön langweilig. Ich glaube, Frauen tragen auch viel von Kirche und vom Leben in der Gemeinde und deswegen würde ich mir wünschen, dass das mehr gesehen wird. Total schön und spannend finde ich zum Beispiel, dass es in unserer Gemeinde in Wallenhorst jetzt auch einige Frauen gibt, die ausgebildet sind, um Wortgottesdienste zu leiten. Es ist toll, zu sehen, wie sie darin aufgehen und wie gut das auch angenommen wird in der Gemeinde.
In einem Satz: Was ist Ihre Empfehlung für alle Frauen, die dieses Interview lesen?
Habt Mut zum Netzwerken und traut euch, aus der Komfortzone herauszukommen! Das ist für Frauen manchmal nicht so einfach, weil sie sich nicht so viel zutrauen, aber ich empfehle: Einfach machen, was kann schon Schlimmes passieren? Und das auch gerne weitersagen! Denn darum geht es: empowert, ermutigt, ermächtigt werden – und Empowerment weitergeben.