Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche

Nebel über dem Wald
Bild: unsplash.com, Nathan Anderson

Im Rahmen ihrer Herbstvollversammlung hat die Deutsche Bischofskonferenz am 25. September 2018 die Ergebnisse der so genannten MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige veröffentlicht. Auch im Bistum Osnabrück hat es im Zuge der Studie Untersuchungen zum Thema gegeben.

Theo Paul, Generalvikar des Bistums Osnabrück, zeigt sich erschüttert über die Ergebnisse: „Das Leid, das die vom sexuellen Missbrauch betroffenen Kinder und Jugendlichen erfahren mussten, ist nur schwer zu beschreiben und zu begreifen. Aus heutiger Sicht sind auch im Bistum Osnabrück auf den verschiedenen Ebenen schwerwiegende Fehler gemacht worden“, sagt er.

So wurden auch im Bistum Osnabrück Missbrauchstäter von einer Gemeinde in eine andere versetzt. Dabei wurde laut Generalvikar Paul vor allem darauf geachtet, das Ansehen der kirchlichen Institution nicht zu beschädigen. Die Täter wären nicht ernsthaft belangt oder sanktioniert worden und Mitwissende hätten geschwiegen. Völlig außer Acht gelassen worden seien die Opfer: die missbrauchten Kinder.

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Im Bistum Osnabrück sind für den Erhebungszeitraum der Studie (1946 bis 2015) insgesamt 35 beschuldigte Geistliche und 68 Betroffene von sexuellem Missbrauch ermittelt worden. Diese Zahlen setzen sich zusammen aus zwei Recherchesträngen:
Der erste Strang sind Fälle, die im Zuge der MHG-Studie durch Aktenrecherche erfasst wurden. Dabei wurden im Bistum Osnabrück zunächst alle Personalakten aus den Jahren 2000 bis 2015 geprüft. Diese Prüfung ergab neun Beschuldigte und 14 Betroffene. Außerdem wurden bekannte Vorfälle bis zurück ins Jahr 1946 erneut gesichtet und so 15 Beschuldigte und 27 Betroffene identifiziert.
Von elf weiteren Beschuldigten mit insgesamt 27 Betroffenen hat das Bistum erfahren, weil sich Betroffene selbst beim Bistum Osnabrück bzw. bei den unabhängigen Ansprechpersonen für Missbrauchsfälle gemeldet haben.

Seit 2010 gibt es im Bistum Osnabrück verschiedene Maßnahmen, die Missbrauchsfälle aufzuarbeiten, die Opfer zu hören, Hinweisen konsequent nachzugehen und die Prävention stärker in den Blick zu nehmen. So sind wichtige Richtlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch erlassen worden. Daneben gab es immer wieder persönliche Kontakte der Bistumsleitung mit Betroffenen. Wichtige Informationen und Wege der Unterstützung konnten dadurch unbürokratisch vermittelt werden. Das Thema Prävention ist integraler Bestandteil der Aus- und Fortbildung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der ehrenamtlich Tätigen. 2010 wurde die Stelle eines diözesanen Präventionsbeauftragten eingerichtet.

„In den kommenden Jahren werden wir weiter an dem Wechsel von der Institutionsperspektive auf die Betroffenenperspektive arbeiten. Dies wird eine Herausforderung für unsere Gemeinden, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime, Sozialeinrichtungen und Verbände sein. Wir möchten ein Gesprächsklima schaffen, in dem über Themen von Nähe, Distanz und Machtmissbrauch gesprochen wird“, kündigt Generalvikar Theo Paul an. „Wir möchten Kritik an unserer Arbeit, an der Umgehensweise mit Gewalt in unseren Einrichtungen, als Hilfe ernst nehmen und die anstehenden Aufgaben auf dem Hintergrund dieser Kritik besser gestalten.“