Was ist geistlicher Missbrauch?

In jeder Beziehung, die unter ungleichen Bedingungen verläuft, verfügen die Verantwortlichen über Macht und Einfluss, die auch missbraucht werden können. Das gilt in der Seelsorge ebenso wie etwa in der Familie, in Schule oder Therapie. Geistliche Wegbegleitung ist ein Geschehen zwischen Begleitenden und Begleiteten. Damit gibt es in solchen Beziehungen grundsätzlich ungleiche Voraussetzungen, weil die Begleitenden von den Begleiteten um Weisung, Rat, bisweilen Hilfe gebeten werden. Das fordert von Personen, die andere spirituell begleiten, schon immer das Bewusstsein besonderer Verantwortung.

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Dr. Julie Kirchberg

Dr. Julie Kirchberg
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Ludger Pietruschka

Ludger Pietruschka
Pastoralreferent
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Es ist Aufgabe von Seelsorgerinnen und Seelsorgern und allen, die andere auf ihrem Glaubensweg begleiten, diesen die befreiende Botschaft des Evangeliums zu erschließen.

Geistlicher Missbrauch beginnt deshalb dort, wo jemand einen Menschen, der von ihm Weg-Weisung erwartet, stattdessen mithilfe biblischer Aussagen, theologischer Inhalte oder spiritueller Praktiken manipuliert und unter Druck setzt. Statt in eine befreiende und erfüllende Beziehung mit Gott wird die missbrauchte Person auf solche Weise in die Irre, in Enge und Isolierung geführt. Das Ergebnis ist Abhängigkeit statt Autonomie. Das aber ist eine Form von Machtmissbrauch, weil Grenzen, die gesetzt sind, durch den Täter unter Ausnutzung seiner Rolle oder Aufgabe überschritten werden, ohne dass sich Betroffene dagegen wehren können.

Im geistlichen Bereich sind Übergriffe – anders als in Fällen sexualisierter Gewalt – bislang nicht ohne weiteres strafrechtlich zu verfolgen. Dabei kann sich ein Machtmissbrauch im religiösen Kontext auf das Leben von Betroffenen ähnlich schädlich auswirken. Das Bistum Osnabrück hat deshalb neben den Ansprechpersonen für Betroffene sexualisierter Gewalt mit Dr. Julie Kirchberg und Ludger Pietruschka  zwei weitere Personen benannt, die für Betroffene von geistlichem Missbrauch als Ansprechpersonen zur Verfügung stehen.

Die Ansprechpersonen stellen sich anwaltschaftlich auf die Seite der Betroffenen und arbeiten – jeweils nur mit der Zustimmung der Betroffenen – die Fragestellungen und Fälle soweit auf, dass sie von einer Klärungsinstanz des Bistums aufgegriffen und weiter begleitet werden können. Auf diesem Wege können den Betroffenen auch konkrete Hilfen wie etwa therapeutische Unterstützung oder Beratungsleistungen angeboten werden. Auch die im Schutzprozess des Bistums arbeitenden Fachgruppen befassen sich sowohl mit Fällen sexualisierter Gewalt als auch mit Situationen von geistlichem Missbrauch bzw. spiritualisierter Gewalt.