Sagen Sie dem Papst Ihre Meinung

Ein Mikrofon vor einem dunklen Hintergrund
Bild: unsplash.con, panos-sakalakis

Ein Aufruf des Katholikenrats im Bistum Osnabrück im Vorfeld der weltweiten Bischofssynode zum Thema Synodalität in der Kirche

Weitere Infos

  • Das Thema des weltweiten Synodalen Weges soll auch im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung des Katholikenrates am 18. März 2022 eine besondere Rolle spielen („vorsynodale Versammlung“). Dazu werden neben Bischof Franz-Josef Bode gezielt weitere Vertreterinnen und Vertreter diözesaner Gremien und Berufsgruppen sowie Einzelpersonen eingeladen.
  • Ansprechpartner für weitere Fragen ist der Katholikenrat. E-Mail: katholikenrat@bistum-os.de, Telefon: 0541/318 204
  • Die Predigt von Bischof Franz-Josef Bode zur diözesanen Eröffnung finden Sie hier
  • Weitere Infos zum weltweiten Synodalen Weg finden Sie hier

Papst Franziskus hat die katholische Kirche auf der ganzen Welt eingeladen, einen „Synodalen Weg“ zu gehen. Er mündet 2023 in die nächste Weltbischofssynode, die sich mit dem Thema „Synodalität“ befassen wird.

Zuvor sollen Stimmen von Christinnen und Christen eingeholt werden, die äußern, wie sie ihre Kirche sehen, welche positiven und negativen Erfahrungen sie machen und was sie verändern möchten. Diese Beteiligung „der Basis“ ist dem Papst sehr wichtig. Das römische Vorbereitungsdokument bietet dazu zehn Fragebereiche an, die im Folgenden aufgeführt sind und die Sie beantworten können. Sie können sich zu allen Fragen äußern oder auch zu einzelnen. Dazu ist Zeit bis zum 15. März 2022.

Die eingegangenen Antworten werden dann von einem Redaktionsteam des Katholikenrates sorgfältig ausgewertet und in einem Schreiben zusammengefasst. Dieses fließt in die Stellungnahme der katholischen Kirche aus Deutschland ein. Mit den anderen Rückmeldungen aus der „Weltkirche“ bildet es die Grundlage für das Vorbereitungsdokument der Weltbischofssynode in Rom. In die Antwort aus dem Bistum Osnabrück fließen zudem auch Erfahrungen aus der Beteiligung am bundesweiten Synodalen Weg und der Bistumsinitiative „synod_os: gemeinsam weiter gehen“ ein.

Hier finden Sie die zehn Fragen zum weltweiten Synodalen Weg und die Möglichkeit zur Antwort.

    1. DIE WEGGEFÄHRT*INNEN

    In der Kirche und in der Gesellschaft gehen wir Seite an Seite denselben Weg. Wer sind in unserer Ortskirche diejenigen, die „gemeinsam gehen“? Wer sind diejenigen, die abseits zu stehen scheinen? Wie können wir zu Weggefährt*innen zusammenwachsen? Welche Gruppen oder Einzelpersonen bleiben außen vor?


    2. ZUHÖREN

    Zuhören ist der erste Schritt. Es erfordert aber einen offenen Geist und ein offenes Herz, das frei von Vorurteilen ist. Wie spricht Gott zu uns durch Stimmen, die wir mitunter ignorieren? Wie wird den Laien, besonders den Frauen und den Jugendlichen, zugehört? Was erleichtert oder erschwert uns das Zuhören? Wie gut hören wir denjenigen zu, die sich in den Randzonen bewegen? Wie werden die Beiträge von Männern und Frauen des geweihten Lebens eingebunden? Wo stößt unser Zuhören an Grenzen, vor allem gegenüber denjenigen, die andere Ansichten haben als wir selbst? Welchen Raum geben wir der Stimme von Minderheiten und insbesondere von Menschen, die in Armut, Ausgrenzung oder sozialer Isolation leben?



    3. DAS WORT ERGREIFEN

    Wir sind alle eingeladen, mit Mut und Freimut [Parrhesie] zu sprechen, also Freiheit, Wahrheit und Liebe miteinander zu verbinden. Was ermöglicht oder verhindert, dass wir mutig, freimütig und verantwortungsvoll in unserer Ortskirche und in der Gesellschaft das Wort ergreifen? Wann und wie sind wir in der Lage auszusprechen, was uns am Herzen liegt? Wie gestalten sich die Beziehungen zu den lokalen Medien (nicht nur zu den katholischen)? Wer spricht im Namen der christlichen Gemeinschaft und wie wird diese Person ausgewählt?



    4. FEIERN

    Ein „gemeinsames Gehen” ist nur möglich, wenn es im gemeinsamen Hören auf das Wort Gottes und in der Feier der Eucharistie gründet. Auf welche Weise inspirieren und orientieren das Gebet und die Feier der Liturgie tatsächlich Leben und Sendung in unserer Gemeinschaft? Wie beeinflussen sie die wichtigsten Entscheidungen? Wie fördern wir die aktive Teilnahme aller Gläubigen an der Liturgie? Welcher Platz wird der Ausübung des Lektor*innen- und Akolyth*innendienstes eingeräumt?



    5. MITVERANTWORTUNG FÜR DIE GEMEINSAME SENDUNG

    Die Synodalität steht im Dienst der Sendung der Kirche, an der teilzuhaben alle Glieder berufen sind. Wir sind alle missionarische Jünger*innen. Auf welche Weise wird jede und jeder Getaufte zur Teilhabe an der Sendung der Kirche aufgerufen? Was hindert die Getauften daran, sich an der Sendung zu beteiligen? Welche Aspekte der Sendung vernachlässigen wir? Wie unterstützt die Gemeinschaft ihre Glieder, die der Gesellschaft in vielfältiger Weise dienen (durch soziales und politisches Engagement, wissenschaftliche Forschung, Lehre, Eintreten für soziale Gerechtigkeit, Schutz der Menschenrechte, Umweltschutz usw.)? Wie hilft die Kirche ihren Gliedern bei der Erfüllung ihres missionarischen Dienstes an der Gesellschaft? Wie und von wem werden Entscheidungen im Hinblick auf die Missionstätigkeit getroffen?



    6. DIALOG IN KIRCHE UND GESELLSCHAFT

    Dialog erfordert Ausdauer und Geduld, aber er fördert auch das gegenseitige Verständnis. In welchem Umfang kommen verschiedene Volksgruppen in unserer Gemeinschaft zusammen, um in einen Dialog zu treten? Welche Orte und Modalitäten sind für den Dialog in unserer Ortskirche vorgesehen? Wie fördern wir die Zusammenarbeit mit benachbarten Diözesen, ortsansässigen Glaubensgemeinschaften, Laienverbänden, Bewegungen usw.? Wie wird mit unterschiedlichen Ansichten oder Konflikten und Schwierigkeiten umgegangen? Welchen besonderen Angelegenheiten der Kirche und der Gesellschaft müssen wir besondere Aufmerksamkeit schenken? Welche Erfahrungen haben wir im Dialog und in der Zusammenarbeit mit Gläubigen anderer Glaubensrichtungen und mit Nichtgläubigen gemacht? Wie tritt die Kirche mit anderen Bereichen der Gesellschaft in den Dialog und wie lernt sie von ihnen: Politik, Wirtschaft, Kultur, Zivilgesellschaft und Menschen in Armut?


    7. ÖKUMENE

    Dem Dialog zwischen Christ*innen verschiedener Konfessionen, die in der einen Taufe vereint sind, wird auf dem synodalen Weg ein besonderer Platz eingeräumt. Welche Beziehungen pflegt unsere Kirche mit den Angehörigen anderer christlicher Traditionen und Konfessionen? Was haben wir gemeinsam und wie beschreiten wir einen gemeinsamen Weg? Welche Früchte hat das gemeinsame Gehen hervorgebracht? Welche Schwierigkeiten gibt es? Wie können wir den nächsten gemeinsamen Schritt nach vorne machen?




    8. AUTORITÄT UND TEILHABE

    Eine synodale Kirche ist eine Kirche der Teilhabe und der Mitverantwortung. Wie wird in unserer kirchlichen Gemeinschaft festgelegt, welche Ziele verfolgt werden, mit welchen Mitteln sie erreicht werden sollen und welche Schritte zu gehen sind? Wie werden in unserer Ortskirche Autorität und Führungsfunktionen ausgeübt? Wie werden Teamarbeit und Mitverantwortung praktiziert? Wie werden Beurteilungen vorgenommen und von wem? Wie werden die Laiendienste und die Verantwortung der Laien gefördert? Hatten wir auf lokaler Ebene schon fruchtbare Erfahrungen mit der Synodalität? Wie gut funktionieren die synodalen Gremien der Ortskirche (Pastoralräte der Gemeinden und der Diözese, Priesterrat usw.)? Wie können wir in Bezug auf Teilhabe und Autorität die Synodalität fördern?



    9. DIE STIMME DES HEILIGEN GEISTES WAHRNEHMEN UND ENTSCHEIDUNGEN TREFFEN

    Ein synodaler Stil zeichnet sich dadurch aus, dass wir gemeinsam wahrnehmen, was der Heilige Geist uns durch die Stimme des gesamten Volkes Gottes zu sagen hat, und auf dieser Grundlage Entscheidungen treffen. Nach welchen Methoden und Verfahren treffen wir Entscheidungen? Wie können sie verbessert werden? Wir fördern wir in den hierarchischen Strukturen die Teilhabe an Entscheidungsprozessen? Lassen unsere Entscheidungsprozesse es zu, dass wir dem gesamten Volk Gottes zuhören? Wie stehen Konsultationen und Entscheidungsfindung zueinander im Verhältnis und wie setzen wir das in die Praxis um? Welche Hilfsmittel und Verfahren nutzen wir, um Transparenz und Verantwortlichkeit zu fördern? Wie können wir den gemeinsamen Erkenntnisprozess verbessern?



    10. DIE SYNODALITÄT ALS BILDUNGSPROZESS

    Synodalität erfordert es, für Veränderungen, Weiterentwicklung und kontinuierliches Lernen bereit zu sein. Wie trägt unsere kirchliche Gemeinschaft zur Weiterentwicklung der Menschen bei, damit sie besser in der Lage sind, „gemeinsam zu gehen“, einander zuzuhören, an der Sendung teilzuhaben und mit anderen in einen Dialog zu treten? Welche Bildungsangebote werden gemacht, um die Urteilsfähigkeit und die Ausübung von Autorität im Sinne der Synodalität zu fördern?